Nach heftigem Personalgerangel in der Union soll der stellvertretende CSU-Vorsitzende Horst Seehofer in einer Großen Koalition Verbraucherschutz- und Agrarminister werden. Die designierte Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel ist bereit, den Vorschlag von CSU-Chef Edmund Stoiber zu akzeptieren, obwohl Seehofer vor allem 2004 heftige Kritik an ihrem Reformkurs geübt hatte. Mit der Entscheidung für Seehofer stand am Abend auch fest, dass der hessische CDU-Fraktionschef Franz Josef Jung, ein Vertrauter von Ministerpräsident Roland Koch, das Verteidigungsressort übernehmen wird, falls das Bündnis zwischen Union und SPD zustande kommt.

Neben Jung soll der damals ebenfalls auffällig gewordene Unions-Fraktionsvize Wolfgang Schäuble (CDU) neuer Innenminister werden. Das Familienressort ist für die niedersächsische Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) vorgesehen. Bildung übernimmt die frühere baden-württembergische CDU-Kultusministerin Annette Schavan. Der sächsische Innenminister Thomas de Maizière (CDU) wird nach dpa-Informationen Kanzleramtsminister. Der Parlamentarische Geschäftsführer Norbert Röttgen (CDU), der lange für den Posten in Gespräch war, wird voraussichtlich im Kanzleramt für die Bund-Länder-Koordinierung zuständig sein. Als neuer Fraktionschef und Nachfolger von Angela Merkel ist der CDU-Generalsekretär Volker Kauder vorgesehen. Auf dessen Posten rückt Fraktionsvize Ronald Pofalla.

In der SPD, die ihre wichtigsten Personalfragen überraschend früh und - entgegen den Unkenrufen in manchen Medien - einigermaßen überzeugend gelöst hat, wird gleichwohl noch über die künftigen Staatssekretäre und den neuen SPD-Generalsekretär spekuliert. Nach Darstellung der Welt am Sonntag gilt als sicher, dass der SPD-Wahlkampfmanager Kajo Wasserhövel mit dem SPD-Chef Franz Müntefering als beamteter Staatssekretär in das Arbeitsministerium wechselt. Als Generalsekretärin der Partei ist immer noch Andrea Nahles im Gespräch: Sie ist links, gilt als junge Kraft – und wäre ein frauenpolitisches Signal in einer Zeit, in der Deutschland die erste Bundeskanzlerin erwartet.