Der Bundestag hat in seiner ersten Sitzung nach der Bundestagswahl mit der Bestimmung der neuen Parlamentsspitze begonnen. Für die Unionsfraktion schlug CDU-Chefin Angela Merkel den CDU-Politiker Norbert Lammert als neuen Bundestagspräsidenten vor. Alterspräsident Otto Schily (SPD) erläuterte den Abgeordneten das Prozedere der Wahl. Der Bundestag wählt nach Namensaufruf mit verdeckten Stimmzetteln. Nötig sind die Stimmen der Mehrheit der Mitglieder. Neben Lammert soll es sechs Vizepräsidenten geben.

Als ältester der 614 Abgeordneten hatte zuvor der 73-jährige bisherige Innenminister Otto Schily (SPD) die konstituierende Sitzung eröffnet. In seiner Rede rief der Alterspräsident dazu auf, die tatsächlichen Sorgen der Menschen im Parlament klarer zur Sprache zu bringen. Dies sollten die Politiker mit »mehr Optimismus, Selbstvertrauen und Zuversicht» als bislang tun. »Wir sollten dagegen aufhören, das eigene Land wider besseres Wissen schlecht zu reden, nur um politische Geländegewinne zu erzielen«, sagte der SPD-Politiker, der nach 2002 zum zweiten Mal als Alterspräsident fungierte. Alle Parlamentarier hätten die gemeinsame Verantwortung, zum Besten des Landes zu wirken.

Als »junges Nachwuchstalent« im Parlament konnte Otto Schily seinen Bruder Konrad im Plenum begrüßen. Dieser beginne nun im jugendlichen Alter von 67 Jahren eine »hoffnungsvolle politische Karriere«, sagte der scheidende Bundesinnenminister.

Konrad Schily ist Neurologe und Gründungsdirektor der ersten freien Universität in Deutschland, der Privatuniversität Witten/Herdecke. Er sitzt für die FDP im Bundestag. Erst kürzlich hatte der Bundestags-Neuling einer Vermutung des »Spiegels« widersprochen, er könne in Berlin bei seinem Bruder Otto in einer Art sozialliberaler Wohngemeinschaft wohnen.