Wenn Grünen-Chefin Claudia Roth in diesen Tagen über die hellen Flure des Reichstags läuft, dann tut sie dies leichtfüßig und flott wie immer, aber mit neuem Schwung. Die Regierungsmacht ist verloren, das Wahlergebnis nicht gerade berauschend, doch von Trübsinn ist bei der Parteivorsitzenden und ihrer Partei nichts zu spüren. Im Gegenteil: Man freut sich regelrecht auf die nächsten Jahre, in denen man den Rot-Schwarzen, den Stoibers und Steinbrücks eine muntere grüne Opposition sein will. Schnell wird man zur politischen Attacke übergehen und Widerstand organisieren.

In der FDP könnte man sich eines solchen Frohsinns nicht ganz so sicher sein. Der Traum vom schwarz-gelben Durchregieren, von einem liberal-konservativen Reform- und Kraftbündel ist geplatzt. Doch Guido Westerwelle strotzt vor Tatendrang und er und seine Mannschaft sprechen von der Verheißung der Opposition, an deren Spitze man sich setzen will. Auch hier wollen alle klar und konsequent opponieren.

Doch von welcher Opposition ist da die Rede? Wird eine gemeinsame oppositionelle Tonlage zu hören sein? Wohl kaum. FDP und Grüne mögen sich beispielsweise in Fragen der inneren Sicherheit deutlich annähern, doch die Linkspartei/ PDS wird nicht mitspielen und diesem neuen Schulterschluss – „Sponti sucht Spießer“ ( Spiegel ) – auch und vor allem bei der Wirtschafts- und Arbeitspolitik den Garaus machen. Von der Opposition kann keine Rede sein. Die gelbe, grüne und dunkelrote Partei auf der Oppositionsseite werden sich selbst ebenso erbitterte Kämpfe liefern wie der schwarz-roten Koalition. Man sei zwar zur „technischen Kooperation“ mit FDP und Linkspartei bereit, sagt Volker Beck, Parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen, „aber wir sind erstmal Konkurrenten.“ Die Rededuelle versprechen lebhaft zu werden.

Mit der reinen Blockkonfrontation der vergangenen sieben Jahre ist es nun vorbei. Je nach Agenda zerfallen die Parteien in einzelne Gruppen, politische Gesinnungsgenossen werden sich quer durch die Parteien zusammenschließen – auch über die Grenzen von Regierung und Opposition hinweg. Die Mitte und die Ränder der Gelben, Grünen und Dunkelroten, die Realos und Spontis, die Erz- und Sozialliberalen, die Hartz IV-Gegner aus Ost und West werden sich in nächster Zeit Gehör verschaffen – und mit ihren Forderungen Anklang in Teilen der Regierung finden.