Rede Die neuen Fragen der AußenpolitikSeite 2/2
Genau an dieser Stelle dürften in programmatischer Hinsicht auch künftige Herausforderungen für die SWP liegen.
Ohne die traditionellen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik und unser zentrales Interesse an der Pflege der Beziehungen zu unseren Verbündeten, allen voran den USA, zu vernachlässigen, wäre zu fragen:
Wie und wodurch kann es gelingen, den überkommenen außen- und sicherheitspolitischen Diskurs sowohl personell als auch thematisch so zu öffnen, damit ein möglichst optimaler Anschluss an die Themen und Akteure von morgen gelingt.
Einige, unmittelbar auf der Hand liegende Beispiele dafür könnten sein:
• die Folgen der zunehmenden Verknappung von Rohstoffen und anderen Ressourcen, insbesondere vor dem Hintergrund der ökonomischen Entwicklungen in China und Indien,
• die Folgen des weltweiten demografischen Wandels,
• die Folgen der weltweit höher werdenden Mobilität von Menschen, seien es die klassischen Themen Migration und Integration, seien es Fragen der Verkehrsinfrastruktur.
Diese Themen liegen, wie gesagt, auf der Hand und ich gehe davon aus, dass sie Stoff für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der SWP abgeben.
Ich würde Sie aber gerne ermutigen wollen, noch einen Schritt darüber hinaus zu gehen.
In den zurückliegenden Wahlauseinandersetzungen sind, jenseits aller notwendigen parteipolitischen Polarisierung und Zuspitzung, die Fragen und Erwartungen der überwiegenden Mehrheit der Menschen in unserem Land an die Politik deutlich geworden.
Grob gesprochen ging es um die Frage, welche Anpassungsprozesse wir im Innern organisieren müssen, um in der Welt bestehen, oder um uns in ihr behaupten zu können.
Ein Beispiel: Müssen Regulierungen, etwa auf dem Arbeitsmarkt, abgebaut werden, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten, oder machen die rechtlichen und informellen Regeln, die sich in Jahrzehnten herausgebildet haben, im Gegenteil gerade unsere Stärke aus, und müssen erhalten und im Zuge dessen nur neu justiert werden.
Niemand wird bestreiten können, dass solche Fragen nur mit Kenntnis von Vorgängen jenseits unserer Grenzen zu beantworten sind.
Kenntnis von Vorgängen jenseits unserer Grenzen haben viele. Was häufig fehlt, sind profunde Fachkenntnisse hierzu, die so aufbereitet sind, dass sie uns helfen, die aufgeworfenen Fragen intelligent und kreativ zu beantworten.
Um nicht missverstanden zu werden: Ich möchte die SWP nicht dazu auffordern, zu einem Institut zu mutieren, das sich vorrangig mit wirtschafts- oder sozialpolitischen Themen beschäftigt. Das tun bereits andere in genügender Anzahl und in wechselnder Qualität.
Meine Anregung wäre vielmehr, außen- und sicherheitspolitische Expertise so aufzubereiten, dass sie für Prozesse unserer inneren Selbstverständigung anschlussfähig ist.
Damit könnte zum einen der traditionelle außen- und sicherheitspolitische Diskurs besser mit solchen Themen verzahnt werden, die in der Regel eher der Innenpolitik zugerechnet werden. Dies würde der falschen Wahrnehmung entgegenwirken, Außen- und Sicherheitspolitik sei lediglich das Glasperlenspiel von Spezialisten.
Zum anderen halte ich einen geschärften Blick der außen- und sicherheitspolitischen Experten für unsere Prozesse der inneren Selbstverständigung für unerlässlich, wenn die Frage beantwortet werden soll, was Deutschlands Rolle in der Welt sein kann und sein soll.
Christoph Bertram hat sich in diesem Zusammenhang immer wieder mit Nachdruck für ein stärkeres Engagement Deutschlands auf der Weltbühne eingesetzt.
"Wir wünschen uns mehr deutschen Ehrgeiz, Deutschlands und Europas internationales Umfeld zu gestalten" sagte er etwa anlässlich des 40-jährigen Bestehens der SWP.
Nun will ich dem nicht entgegenhalten, dass manchen Akteuren der Weltpolitik der deutsche Ehrgeiz, die internationalen Beziehungen mitgestalten zu wollen, schon zu weit zu gehen scheint.
Ich würde dem vielmehr entgegenhalten wollen, dass Deutschland in der Tat in den vergangenen Jahren bei der Gestaltung der europäischen und internationalen Beziehungen Beträchtliches geleistet hat.
Ohne das Engagement der Bundesregierung hätten wesentliche Initiativen nie das Licht der Welt erblickt oder hätten nicht die, aus unserer Sicht positive, Wendung genommen, die wir ihnen geben konnten. Ich nenne beispielhaft:
• den Stabilitätspakt für Südost-Europa,
• die sicherheitspolitische Stabilisierung des westlichen Balkans,
• die Kölner Entschuldungsinitiative für die ärmsten Entwicklungsländer,
• den Rechtsstaatsdialog mit China,
• den Internationalen Strafgerichtshof,
• die sogenannte "Road-Map" im Nahost-Friedensprozess,
• die klare öffentliche Positionierung gegen den Irak-Krieg,
• die Initiative der EU-3 zur Aufnahme von Verhandlungen mit dem Iran,
• den Entwurf einer Verfassung für die Europäische Union,
• die Formulierung einer Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik,
• die strategische Partnerschaft mit Russland,
• die Unterstützung des friedlichen Wandels in der Ukraine,
• die Reform der Bundeswehr und die Erarbeitung neuer sicherheitspolitischer Richtlinien, um die Bundeswehr für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten,
um nur einige wichtige zu nennen. Es gibt keine Veranlassung, diese Bilanz gering zu schätzen.
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich möchte nicht schließen, ohne die Rolle zu würdigen, die Christoph Bertram in den vergangenen Jahren in der Öffentlichkeit gespielt hat.
Er hat nicht nur in vorbildlicher Weise die SWP aufgestellt.
Er ist vielmehr durch seine Präsenz in der Öffentlichkeit, seine engagierten und couragierten Stellungnahmen auch als Person selbst gewissermaßen zu einer öffentlichen Instanz geworden.
Dabei war er zuweilen auch unbequem. Und hat auch die Bundesregierung nicht geschont, wenn er der Meinung war, dass Kritik am Platz ist.
Kein Medium, das er nicht virtuos zu nutzen wüsste: Ob es um Statements vor der Kamera geht, um schriftliche Beiträge, die vom pointierten Leitartikel zur wissenschaftlichen Analyse reichen, um die Teilnahme an oder die Moderation von Podiumsdiskussionen oder Gesprächen, stets ist Christoph Bertram auf der Höhe des Geschehens, leise, treffsicher, niemals polemisch oder verletzend...
Demokratie lebt von Öffentlichkeit.
Doch Öffentlichkeit stellt sich nicht von selbst ein. Sie ist auf Menschen angewiesen, die den Einsatz und auch den Mut aufbringen, ihre Positionen in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Respekt für die Partner im öffentlichen Dialog und für die Pluralität der Anschauungen und Meinungen gehört dazu. Das macht eine lebendige Zivilgesellschaft aus.
- Datum 12.10.2005 - 13:24 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) ZEIT online
- Kommentare 7
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





"Russland ist unser Nachbar" - setzt Herr Steinmeier die Schrödersche Politik fort, die dazu führt, dass sich Polen - unser wirklicher geographischer Nachbar - wiederum vernachlässigt fühlt? Sollen die nationalistischen Strömungen in Polen wiederum Argumente erhalten, die sie auf die unseligen Zeiten verweisen lassen, in denen tatsächlich "Russland unser Nachbar" war?
Ich wünsche mir mehr Vorsicht im Hinblick auf die Empfindlichkeiten der Polen - das gehört zu der historischen Verantwortung Deutschlands und zur Verpflichtung seines Außenministers.
Da mein Vorbeitrag hier leider gelöscht worden ist, hier nochmal eine leicht gekürzte Variante, mit einem allgemeinen Bezug zu einem vermutlichem gewichtigem Denkfehler von Herrn Steinmann. (Hoffe dass es diesmal udn so stehenbleibt, bzw. dass man die Löschung zumindest mir kurz begründet.)
Zitat aus dem Zeit-Beitrag, also dem Fortrag von Herrn Steinmann:
"Kofi Annan, der eloquenteste Verfechter eines erweiterten Sicherheitsbegriffs, hat diese Einsicht jüngst wieder auf die Formel gebracht: "Es kann keine Entwicklung ohne Sicherheit, keine Sicherheit ohne Entwicklung und weder das eine noch das andere ohne die Wahrung der Menschenrechte geben."
Folgerichtig unterteilt Kofi Annan seinen jüngsten Bericht an die Generalversammlung der Vereinten Nationen in die drei Kapitel:
"Freiheit von Not",
"Freiheit von Furcht", sowie
"Freiheit, in Würde zu leben". " (Zitat-Ende.)
Der erste Teil ist richtig, wie dies genauer zusammenhängt, davon schreibe ich auch etwas, der zweite Absatz wirft die Frage der Definition des Begriffes Freiheit auf. Das von Herrn Annan Genannte ist ja keine wirkliche Freiheit, sondern nur als die Beseitigung von schwierigen äußeren Not- und unschönen inneren Missständen anzusehen die man, zumindest im ersten Punkt, sicher als Voraussetzung für die Wahrnehmung von Entscheidungs-Freiheiten ansehen kann und muss. Aus der Sicht des relativ selbstständigen Einzelindividuums, aber auch dem Blick weitgehend selbstständiger, bzw. selbsttragender Gesellschaften sieht das aber anders aus. Hierunter wird zu Recht die Wahl- und Entscheidungsfreiheit in verschiedenen Bereichen verstanden, z.B. bei der Partnerwahl, der Entscheidung zur Fortpflanzung, der Ortswahl, der Arbeitswahl, der Nahrungswahl, der Wahl der Anführer bzw. Gruppenleiter, der Vertragsfreiheit, der Meinungsfreiheit etc. Die individuelle Freiheit kann aber eben durchaus auch darin bestehen, einen anderen zu schädigen. Wer dies tut, was ja eben aus guten Gründen verboten ist, der bekommt Sanktionen, dem wurd eund wird dann oftmals (aber eben nicht mal immer!) die Freiheit (wenn nicht gar das Leben) dann oft entzogen. Der Sieger wurde ja oft sogar gefeiert!
Die bürgerlichen Freiheiten, wie sie in der französischen Revolution formuliert worden sind, sind also ein Produkt einer gewissen Höhe der Zivilisation, der gesellschaftlichen Entwicklung. Frühere Gesellschaftsformen, auch der Sozialismus, haben, auch weil sie die (materiellen) Voraussetzungen für die höheren Freiheiten ihrer Bürger quasi erst (sich) schaffen mussten (das gilt im Feudalismus für die Bauern) bzw. schaffen wollten, die Freiheiten der meisten "Bürger" oft relativ stark eingeschränkt.
Heute redet nun allderdings sogar Herr Westerwelle von der "Freiheit zur Verantwortung", also nicht gegen die Verantwortung Freiheit heißt nun aber eben auch hier die Wahl zu haben...! Die DDR konnte bzw. kann hier mit ihrer Freiheitsdefinition als "Einsicht in die Notwendigkeit" dann durchaus mithalten - man muss (als Führung) dann nur über die Frage der gesellschaftlichen Notwendigkeit einig sein, schon kann man die deshalb notwendige Unfreiheit Anderer einfordern. Es ist aber falsch und verlogen, ja demagogisch dies dann auch noch als Freiheit zu bezeichnen!
Die Verantwortung andere in den Stand der Möglichkeit der Wahrnehmung bürgerlicher Freiheiten (und wenn man so will der Würde) zu versetzen, die ja durchaus zu begrüßen ist, kann, wie in (Groß-)Familien, bei Eltern (Verwandten) und Kindern, völlig freiwillig übernommen werden. Falls dies nicht (ausreichend) möglich ist, kann und muss hier der Staat diese Verantwortung gegenüber seinen Bürgern sicher wahrnehmen, die Lasten also auf alle verteilen. Wenn dies geschieht, so ist damit aber eben eine Verminderung der Freiheit der anderen verbunden, auch wenn dies nur in einer Erhöhung der Abgaben, also der Arbeitszeiten und Intensitäten sich ausdrückt.
Ein Problem ist hier ja, dass Freiheit auch als die Freiheit zur bewussten Repression anderer verstanden werden kann und muss. Wir haben und hatten schon immer auch die Freiheit, einander umzubringen, einander zu bekriegen. Und da kommt es dann halt zu einem gewissen Zielkonflikt der beiden und prinzipiell gleichberechtigten Freiheits-Verständnisse, der Freiheit zum Ausleben eigener Aggressionen zweier Konkurrenten. Dieser sollte, muss und kann in einem friedlichen Kompromiss aufgelöst werden, nach unserem heutigen Verständnis, auch weil uns das Leben als höchstes Gut gilt.
Die Würde wiederum kann einem eigentlich nicht genommen werden. Ein Mensch kann sich nur unwürdig verhalten, z.B. wenn er, zum Erhalt oder zur Erlangung von (noch mehr) Reichtum, einen Armen ausbeutet. Das ist ein unwürdiges Verhalten des Ausbeuters, der Ausgebeutete und Erniedrigte behält letztlich auch dann noch seine Würde, selbst wenn er wegen der Ausbeutung verhungert. Die Situation des Notleidenden ist keine unwürdige, sondern eine elende. Auch der gekreuzigte Jesus behielt z.B. seine Würde bis zuletzt, ja sogar über den Tod hinaus, obwohl man sicher auch formulieren kann, dass sein Tod eines Gottessohnes und Menschen unwürdig war. Besonders sinnvoll ist dies m.E. nicht, und insofern auch nicht folgerichtig. Es ist schon bedenklich, dass auch Herr Steinmann diese zentralen Zusammenhänge, die sich ja durchaus auch bei konkreten außen- (und innen-) politischen Entscheidungen auswirken, offenbar noch nicht so recht verstanden hat.
Ansonsten gefällt mir der Tenor seiner Rede ganz gut, auch wenn auch ich hier noch allzu viele Unklarheiten feststellen muss: Wir haben bei dieser Wahl hier, entgegen allgemeinen Wahlkampf-Versprechungen, offenbar inhaltlich und personell eine weitgehend eingesackte Katze bekommen....
Der Schwerpunkt der deutschen Außenpolitk muss ganz nach volkswirtschaftlichen sowie sicherheitspolitschen Gesichtspunkten gelegt werden. Dies ist zumindest meine These.
Aufgrund der immer größer werdenden Abhängigkeit von Rohstoffen hat die rot-grüne Bundesregierung erkannt, dass nicht Russland auf Deutschland angewiesen ist, sondern umgekehrt!
Polen ist zwar unmittelbarer Nachbar und wird sicherlich auch außenpolitsch und wirtschaftlich berücksichtigt, dennoch hat die deutsch-russische Außenpoltik Vorrang.
Eine nochmalige kurze Ergänzung muss auch hier noch sein.
Sicher gilt die Überschrift auch umgekehrt. Wenn ein Reicher seine Freiheiten wahrnimmt, ohne Rücksicht auf einen Armen zu nehmen, so kann dies für ihn unter Umständen eben durchaus gefährlich werden. Insofern ist bzw. wäre die Hilfe hier nicht ganz uneigennützig. Wäre sie es prinzipiell dennoch, man kann dies heute nicht ausschließen, so ist bzw. wäre dies Ausdruck einer Endzeit-Moral.
(Da wird dann nicht mehr um Vermehrungs-Rechte und Lebensressourcen gekämpft, da sagt dann ein jeder zum anderen, nimm dir nur, vermehre dich nur - aber keiner tut es mehr. Man braucht sich dann aber nicht zu wundern, wenn die Menschheit oder das "eigene" (allzu?) gute Volk ausstirbt.)
Steinmeier hielt seinen Vortrag am 21. September, also zu einem Zeitpunkt da unter seriösen Zeitgenossen schon klar war, dass in der BRD alles auf eine Große Koalition hinauslaufen würde. Und dass dann ER für die Position des Aussenministers in Frage käme, dürfte ihm auch klar gewesen sein.
Wenn das aber so ist, hat er meines Erachtens zu viele rhetorische Fragen gestellt und zu wenige konkrete Antworten gegeben. Etwa: Wie soll Deutschland das durch Schröder angeknackste Verhältnis zu den USA wieder in Ordnung bringen? Was wird Berlin zu Blairs Agrar-Subevntions-Sorgen sagen? Wie stellt sich Steinmeier die Verhandlungen mit der Türkei vor? Und was soll Deutschland zu den Problemen im nördlichen Afrika beitragen - sprich Marokko?
Das wäre er dann also, unser neuer Außenfischer. Nun, er täte gut daran, noch einmal einen Blick auf die Karte zu werfen, eher er auf die außenpolitische Bühne tritt. Bevor er noch in einen der eigens dafür aufgestellten Fettnäpfe tritt. Russland ist zwar groß und geostrategisch von einiger Bedeutung, es ist allerdings definitiv kein (bilateraler) Nachbar Deutschlands. Auch die Frage, ob die deutsche Regulierungen des Arbeitsmarktes abgebaut werden muss (hübsche Umschreibung übrigens), wenn Deutschland international mehr Auftrieb erhalten will, oder ob unsere rechtlichen und informellen Regeln nicht vielmehr gerade eine Stärke Deutschlands ausmachen, hätte man sich bereits vor Harz IV stellen können. Und dass "klassische Fragen" der menschlichen Mobilität wie beispielsweise die Migration sich von solchen der Infrastruktur wesentlich unterscheiden, müsste er mit als Raumplaner sicherlich erst einmal erklären, bevor ich ihn dafür bewundern kann. Aber immerhin: Die Erkenntnis, dass außen- und sicherheitspolitische Expertisen "anschlussfähig" sein sollten, halte ich für eine richtig gute Idee. Selbst, wenn sie nicht von Herrn Steinmeier persönlich stammt, sondern nur von einem seiner Referenten. Starten wir ihn doch (bitte, bitte!) endlich, jenen "Prozess der inneren Selbstverständigung", den einige Menschen schon seit geraumer Zeit als Grundvoraussetzung für eine sinnvolle Zusammenarbeit aller Protagonisten auf der politischen Bühne ansehen. Mehr Ehrgeiz beim Mitgestalten ist gut. In diesem Punkt scheint unser künftiger Außenminister tatsächlich ein legitimer Kanzler-Nachfolger zu sein. Voraussetzen müsste man allerdings dürfen, dass diejenigen, die das größte Maß an Ehrgeiz entwickeln, das Recht darauf nicht ausschließlich sich selber zubilligen. Wir werden sehen, in wie weit Herr Steinmeier als Außenminister mit den vermeintlich entscheidenden und in wie weit er auch mit den weniger wichtigen Nationen der Erde verhandelt. Wir sitzen schließlich alle in einem Boot. Bei offiziell 192 verschiedenen Staaten weltweit wird es nicht immer leicht werden, den Überblick zu behalten. Die Verlockung ist groß, eine Auswahl zu treffen. Ob diese Auswahl letztendlich die richtige gewesen sein wird, kann man in einer globalisierten Welt nur ganz schlecht vorhersehen. Mag sein, ein Jurist wie Herr Steinmeier braucht gute Berater, wenn er als Außenminister nichts verkehrt machen will - und eine große Portion Glück...
Steinmeier ist der richtige Mann. Jeder hat wohl seine eigene Methode, um dergleichen für sich festzustellen. Mein Weg ist die Analyse der Sprache. Steinmeier spricht in klaren prägnanten Sätzen, seine Rede war sauber gegliedert, dabei sehr informativ, und er kann wichtiges von unwichtigem unterscheiden. Sehr wohltuend unterscheidet er sich von seinem Vorgänger durch jeden Verzicht auf Pathos und Schachtelsätze und Füllwörter.
Es gibt keinen theatralischen Gestus bei ihm. Auch ist er kein totalitärer Charakter (man findet keine Ausdrücke wie "absolut", "total", "uneingeschränkt", "in höchstem Maße bedenklich", "darüber muß sich jeder klar sein","ohne jeden Zweifel" usw. bei ihm). Steinmeier ist kein Ideologe, sondern ein Managertyp. Er scheint ein gut strukturierter Mensch zu sein - und die haben es im Leben bekanntlich leichter.
Ich jedenfalls freue mich auf den Neuen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren