EU-Gipfel Vom Ende einer FreundschaftSeite 2/2

Doch für den offenen, irreparablen Bruch sorgte Europa. Wobei es ironischerweise anfangs gerade auf diesem Feld ausgesehen hatte, als wollten Tony und Gerhard stärker an einem Strang ziehen und ein Dreieck Berlin - London - Paris kreieren. Doch es kam ganz anders. Blair vermochte Schröder nicht aus der Umarmung von Chirac herauszulösen. Schröder wiederum bezichtigte Blair, sein Versprechen, Großbritanniens europäischen Zwiespalt zu überwinden, nicht eingelöst zu haben.

Der Bundeskanzler schob dem Briten die Schuld am Scheitern der europäischen Verfassung zu, weil Blair durch die Ankündigung eines britischen Referendums Frankreich indirekt zu seiner fatalen Volksabstimmung gezwungen habe. Auch fiel der Bundeskanzler beim Streit um das EU-Budget, den britischen Rabatt und die Agrarsubventionen ins Lied vom geizigen, unsolidarischen Britannien ein, das Chirac angestimmt hatte, um Blair zu isolieren. Tief verärgert revanchierte sich Downing Street, indem man über den „Gesang der Halbtoten“ in Paris und Berlin spöttelte.

Man darf mit Fug und Recht vermuten, dass Blair auf die Anwesenheit seines einstigen Freundes beim europäischen Sozialgipfel insgeheim wohl lieber verzichtet hätte. Zumal sich Gerhard Schröder vor dem Treffen in Hampton Court einige ziemlich deutliche Spitzen gegen Tony Blair nicht verkneifen mochte, in einem Artikel in der ZEIT erneut den Vorwurf mangelnder britischer Solidarität bei den Budgetverhandlungen anklingen ließ und generell den Eindruck erweckte, Blairs Konzept zur weiteren Liberalisierung könnte das europäische „Sozialmodell“ untergraben. Europa brauche „Wettbewerb, aber kein Sozialdumping“.

Sätze, die in 10 Downing Street mit großem Ärger vernommen wurden. Hatte Tony Blair doch vor dem Gipfel in Reden vor dem europäischen Parlament und in Seminaren über die „soziale Dimension“ alles daran gesetzt, den vermeintlichen Gegensatz zwischen ökonomischer Effizienz und sozialer Fairness zu entkräften. Was immer in Hampton Court herauskommen mag – ein versöhnliches Ende für die einstigen Kampfgefährten und Reformer wird es wohl kaum geben.

 
Leser-Kommentare
  1. war/ist ein Gelegenheitsarbeiter und Taugenichts.

    Blair hat Ueberzeugungen und er ist ihnen treu geblieben.

    Einen groesseren Unterschied gibt es nicht.

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  • Quelle (c) ZEIT online, 27. 10. 2005
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