Rundfunk Leidenschaftliches Radio

Am 25. Oktober 2004 starb John Peel von der BBC. Zum Jahrestag eine Erinnerung an den berühmtesten DJ der Welt.

Er war kein Missionar, er war ein Forscher, ein Suchender. Einer, der sich über Jahrzehnte hinweg stets eines Besseren belehren zu lassen bereit war. Und dann war er plötzlich nicht mehr da. Seit John Peel vor einem Jahr im Urlaub in Peru völlig überraschend starb, trauern seine Fans in aller Welt. Er hatte eine Herzattacke, mit 65.

Bis zu 500 neue Alben soll Peel wöchentlich auf seinen Schreibtisch bekommen haben. Und immer hatte er den Anspruch, möglichst viele davon auch zu hören. Ohne ein Geschmacksdiktat aufzubauen, einfach nur getrieben von der Angst, etwas zu verpassen und dem Wunsch, den einen oder anderen da draußen teilhaben zu lassen an seinem Privileg: großartige Musik entdecken zu können. Und wenn Bands wie You've Got Foetus On Your Breath oder Napalm Death diesen Anspruch erfüllten, dann spielte er sie eben. Er hatte keine Angst vor Musik.

Anzeige

Punk, Happy Hardcore, Chanson, Techno, Death Metal, Country – was auch immer ihn faszinierte, es fand den Weg in seine Sendungen. Wenn er das Gefühl hatte, ein Album müsste mal in Gänze gespielt werden, dann tat er es. Legenden ranken sich um die Songs, die er rückwärts oder in der falschen Geschwindigkeit spielte. Und selbstverständlich auch um die Größe seiner Plattensammlung.

Seit seinem Tod am 25. Oktober 2004 feiert die BBC ihren Moderator. Den Tag seiner letzten Sendung hat sie zum Peel-Day erhoben. Was die vielen jungen Moderatoren am 13. Oktober 2005 Tag feierten, war allerdings hauptsächlich der Exotismus ihres Vorbilds. Was ihn bewegte, scheinen nur wenige seiner Nacheiferer zu verstehen. Die Güte und Wärme, mit der er der vierzehnjährigen Gwen ihren sehnlichen Wunsch nach einem Stück von My Bloody Valentine erfüllt, weil es ihnen “beiden gut tun” würde, bleibt ihnen eine Pose. Seine Begeisterung war authentisch, er war den Künstlern gegenüber loyal. Country passte neben Death-Metal, weil jemand da war, der noch das Unterschiedlichste kraft seiner Person zusammenführen konnte.

So ist da, wo er war, eine Lücke, noch immer. Hoffnungsträger gibt es kaum. Vielleicht Steve Lamacq. Er ist einer, dem man den Respekt vor Peel und das Geschichtsbewusstsein anhört und abnimmt. In seinen Sendungen für BBC Radio 1 und BBC 6 Music lotet er die Möglichkeiten von Musik aus. Doch wo Peel das Abseitige in die Mitte rückte, geht Lamacq eher vom – nicht selten durch Peel – Etablierten aus. Ersetzen kann er ihn nicht.

Leser-Kommentare
  1. Es mag sein, dass ein Großteil, wenn nicht sogar die erdrückende Mehrheit der weltweiten Radiosender nicht den Anspruch erfüllen kann, den Peel und viele andere weltoffene Menschen an ein Musikprogramm stellen würden.
    Ich hab für mich aber meinen Frieden gefunden, seitdem ich den österreichischen "Jugendsender" fm4 entdeckt habe.
    Hier hört man Musik, die man aus Deutschland kaum kennt. Hier wird sich nicht auf einzelne Musikrichtungen sklavisch festgelegt. Und man darf dem Sender übers Internet lauschen.
    fm4.at
    Zwar ist dort nicht eine Überperson wie Peel alleine verantwortlich, aber im bunten Team schaffen sie das gemeinsam, was Peel wohl alleine geschafft hat.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
  • Quelle (c) ZEIT online 24.10.2005
  • Kommentare 1
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Radio | Rundfunk | Medien | Musik | Peru | Country | Sendung
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service