amerika Türöffnerin der Freiheit
Die schwarze Bürgerrechtlerin Rosa Parks ist im Alter von 92 Jahren in Detroit gestorben.
Am 1. Dezember 1955 weigerte sich die schwarze Näherin Rosa Parks in Montgomery, Alabama, ihren Sitzplatz im Bus für einen Weißen herzugeben. "Als er mich noch immer dort sitzen sah, fragte er, ob ich aufstehen würde und ich sagte ‚Nein, das werde ich nicht.’ Und er sagte: ‚Wenn Sie nicht aufstehen, werde ich die Polizei rufen müssen und Sie verhaften lassen.’ Ich sagte: ‚Tun Sie das’", berichtete die Bürgerrechtlerin 1987 in einer Fernsehsendung. Dieser kleine Zwischenfall markierte den Beginn der Bürgerrechtsbewegung gegen die Rassentrennung in den USA; Martin Luther King wurde ihr bedeutendster Anführer.
Entgegen der meist verbreiteten Erzählung, Parks sei damals im Winter 1955 nur müde gewesen und wollte deswegen den Platz nicht frei machen, schrieb sie in ihrer Autobiographie My Life , sie hätte es satt gehabt, ständig nachgeben zu müssen. Parks wurde verhaftet und sollte eine Geldbuße zahlen. Ihre heute fast harmlos wirkende Form des zivilen Ungehorsams war damals riskant, denn sie konnte nicht nur gesetzliche Sanktionen nach sich ziehen. In vorangegangen Jahren waren Schwarze für ähnliche Auflehnungen getötet worden.
Kaum war Parks angeklagt, begann der berühmte Montgomery Bus Boykott, der über ein Jahr andauern sollte. Mit Hilfe von 35.000 Flugblättern und einer schwarzen Tageszeitung organisierten Bürgerrechtler den Boykott. Am 5. Dezember, dem Tag der Gerichtsverhandlung gegen Parks, forderten sie die schwarze Bevölkerung auf, "keinen Bus in die Stadt, zur Schule oder sonst wohin" zu benutzen. Von diesem Tag an bildeten Schwarze in Montgomery Fahrgemeinschaften. Andere nutzten Taxen, deren schwarze Fahrer nur die für Busse üblichen 10 Cent verlangten. 40.000 schwarze Pendler bestritten den Weg zu ihren Arbeitsstellen zu Fuß. Die Schwarzen der Stadt beschlossen außerdem, den Boykott so lange fortzuführen, bis ihnen ihre Bürgerrechte offiziell zugesprochen würden. 381 Tagen vergingen, bis das oberste Gericht der Vereinigten Staaten 1956 die Rassentrennung in Bussen verfassungswidrig nannte.
Obwohl Parks nach dem Vorfall 1955 keinesfalls den Gedanken hegte, "die Mutter der Bürgerrechtsbewegung zu werden", wie sie später einmal sagte, wird sie heute dennoch als Symbol und Gründungsfigur dieser Bewegung angesehen. Der Bürgerrechtler und Politiker Jesse Jackson sagte am Montag: "Ihre Verhaftung öffnete uns die Türen zu unserem langen Weg zur Freiheit." Von 1965 bis 1988 arbeitete Rosa Parks für den demokratischen Abgeordneten John Conyers. Der lobte sie ebenfalls: "Es gibt nur sehr wenige Menschen, die von sich sagen können, ihre Taten und ihr Benehmen hätten das Angesicht der Nation verändert. Und Rosa Parks ist eine von ihnen."
Neben ihrem Beruf als Näherin war Parks eine aktive Mitarbeiterin der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), einer der ältesten Bürgerrechtsorganisationen der Vereinigten Staaten.
Präsident Bill Clinton ehrte Rosa Parks 1996 mit der Freiheitsmedaille, der höchsten zivilen Auszeichnung der USA. 1999 erhielt sie zudem die Goldmedaille des Kongresses. Am Montag ist Parks ist im Alter von 92 Jahren in Detroit gestorben.
- Datum 01.04.2009 - 07:37 Uhr
- Quelle (c) ZEIT online, 25.10.2005
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