H5N1 Immer mehr Verdachtsfälle

Die Vogelgrippe scheint sich in Europa auszubreiten. Nach Großbritannien und Kroatien hat es nun Schweden mit seinem ersten verdächtigen Vogel zu tun

In Europa werden offenbar immer mehr Fälle von Vogelgrippe entdeckt. Nachdem in Großbritannien ein Papagei aus Südamerika verendete und in Kroatien sechs tote Schwänen entdeckt wurden, schlagen nun auch die Behörden in Schweden Alarm. In der mittelschwedischen Stadt Eskilstuna fand man eine tote Ente, erste Tests bestätigten die Infektion mit einem Vogelgrippevirus. Das Tier war gemeinsam mit sechs Artgenossen auf einem Teich verendet. Wie der Rundfunk am Samstag meldete, sollen genaue Laboranalysen noch am Sonntag klären, ob es sich bei dem in der Ente gefundenen Erreger um den gefährlichen Virustyp H5N1 handelt. Auch für den toten Papagei und die Schwäne in Kroatien, sowie für den seit einer Woche bekannten Verdachtsfall aus Griechenland, steht eine solche Analyse noch aus. Eine Vogelgrippe kann durch verschiedene Subtypen ausgelöst werden, wirklich gefährlich ist derzeit nur der Subtyp H5N1.

Die staatliche Veterinärbehörde in Schweden erklärte, es sei nicht ungewöhnlich, dass Enten mit einem Vogelgruppenvirus infiziert seien. Im Spätherbst würden etwa 20 Prozent schwach pathogene, für Menschen völlig ungefährliche Vogelgrippe-Viren tragen. Diese Viren können durch erste Tests allerdings nicht sofort von H5N1 unterschieden werden. Grippeviren sind unter Wildvögeln seit jeher weit verbreitet. Auch an deutschen Küsten hat man bei Wildvögeln bereits vor Jahren H5- und H7-Viren entdeckt.

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In Deutschland gilt seit Samstag ein bundesweites Freilaufverbot für Geflügel. Sämtliches Federvieh muss im Stall verbleiben. Erste Kontrollen der am Mittwoch verhängten Stallpflicht ergaben noch keine Verstöße. Unterdessen trat die Tierseuche erneut im asiatischen Teil Russlands östlich des Urals auf. Auch dort steht bisher allerdings nicht fest, ob es sich um das H5N1-Virus handelt. Experten fürchten dennoch, dass Zugvögel aus Russland das heimische Geflügel mit H5N1 infizieren könnten. Die Schwärme ziehen gegenwärtig Richtung Westen. Das Freilaufverbot gilt in Deutschland deshalb bis zum 15. Dezember, dem Ende des Vogelzugs in diesem Jahr. Fachleute meinen, dass neue Gefahr dann erst wieder im Frühjahr droht. Dann kehren möglicherweise infizierte Zugvögel aus Afrika in den Norden zurück.

Auch die Schweiz, Österreich, Polen und die Niederlande erließen ein Freilaufverbot. Der Erreger war ausser im europäischen Teil Russlands zuvor auch im rumänischen Donaudelta sowie in der Türkei nachgewiesen worden. Testergebnisse von Proben aus Griechenland sollen Montag oder Dienstag vorliegen. Deutschland und Italien untersuchen unterdessen auch Wildvögel auf Vogelgrippe, um das Übertragungsrisiko besser eingrenzen zu können.

Die staatliche Tierschutzgesellschaft Großbritanniens fordert von der Europäischen Union unterdessen ein Verbot sämtlicher Importe von Wildvögeln. In Großbritannien war ein Papagei aus dem südamerikanischen Land Surinam verendet, nachdem er sich mehrere Wochen mit einigen Hundert anderen Vögeln in einer Quarantänestation aufgehalten hatte. Unter den anderen Tieren befanden sich auch Vögel aus Südostasien. Bei dem Papagei wurde bisher allerdings nur ein H5-Virusstamm nachgewiesen, bei dem es sich nicht zwangsläufig um H5N1 handeln muss. Vorsorglich wurden dennoch alle importierten Wildvögel in britischen Bioquarantäne-Stationen getötet. In Kroatien wurde die Vogelgrippe bei sechs toten Schwänen 200 Kilometer östlich der Hauptstadt Zagreb festgestellt. In einem Umkreis von drei Kilometer um den Fischteich wurde am Samstag vorsichtshalber mit der Tötung des Geflügels begonnen, obwohl es sich nach Angaben der EU-Kommission auch bei diesem Virus nicht sicher um die gefährliche Form H5N1 handelt. Gleichwohl bereitet die EU ein Importverbot für Geflügel aus Kroatien vor, das an diesem Montag in Kraft treten soll. In der gesamten EU sollen Geflügelmärkte und -ausstellungen nur noch unter strengsten Auflagen erlaubt und Zoovögel gegen Vogelgrippe geimpft werden.

Bundesverbraucherminister Jürgen Trittin forderte, die Schutzmaßnahmen in der Europäischen Union zu verschärfen. »Wir werden uns in Brüssel dafür einsetzen, dass der Import von Wildvögeln unterbunden wird«, sagte er am Samstag in Berlin. Nach Einschätzung des Ministeriums sind die neuen Fälle aber keine zusätzliche Bedrohung für Deutschland. Bei der letzten großen Vogelgrippe-Epidemie in Europa waren 2003 in den Niederlanden 30 Millionen Tiere verendet oder getötet worden. Seit das H5N1-Virus Ende 2003 in Südostasien mit seinem Seuchenzug durch die Hühnerställe begann, mußten viele Millionen Stück Geflügel sterben. Auch 61 Menschen fielen dem Virus zum Opfern. Der Erreger wird nach bisherigen Erkenntnissen aber nur in Einzelfällen, und dann auch nur durch extrem engen Kontakt mit infizierten Tieren auf den Menschen übertragen. Zwischen Tieren verbreitet sich das Virus hauptsächlich über den infektiösen Kot.

 
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