Bundeswehr Soldaten marschierten vor Bundestag auf
Bundestag und NATO haben die Bundeswehr im 50. Jahr ihres Bestehens als Grundpfeiler der internationalen Sicherheitspolitik gewürdigt. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik marschierten am Mittwochabend Soldaten zu einem Großen Zapfenstreich - dem höchsten militärischen Zeremoniell - vor dem Bundestag auf
Rund 2000 Sicherheitskräfte schützen die Veranstaltung mit rund 5000 Gästen, darunter Bundespräsident Horst Köhler, Kanzler Gerhard Schröder und NATO-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer. Nach Polizeiangaben demonstrierten 1200 Menschen – vor allem aus der Berliner linken Szene - gegen den Zapfenstreich. Auch mehrere Bundestagsabgeordnete der Linkspartei reihten sich in den Protestzug ein. Sie nannten das Zeremoniell eine „Überhöhung des Militärischen“. Den halbstündigen Zapfenstreich führten das Wachbataillon des Verteidigungsministeriums und zwei Musikkorps der Bundeswehr auf dem Platz der Republik auf.
„Friedenseinsätze sind nötig“
De Hoop Scheffer stimmte Deutschland in einer Feierstunde des Parlaments auf zusätzliche Auslandseinsätze ein und sagte, es müssten mehr Soldaten für Missionen in Krisenländern bereitgestellt werden. Bundeswehr und NATO setzten als Lehre aus der Geschichte Nationalismus und Fundamentalismus eine Alternative entgegen. „Diese Alternative müssen wir auch heute verteidigen ... notfalls auch mit Taten.“ Abschreckung allein reiche nicht mehr. „Entweder wir begegnen den Problemen dort, wo sie entstehen, oder sie kommen zu uns“, sagte De Hoop Scheffer. Nötig seien Friedenseinsätze.
In der heutigen Form wird Große Zapfenstreich seit 1838 zu besonderen Anlässen aufgeführt. Der Begriff stammt aus der Zeit der Landsknechte im 16. Jahrhundert. Damals gingen Offiziere abends mit Pfeifern und Trommlern durch die Schenken. Mit einem Stockschlag (Streich) auf den Fasszapfen gaben sie das Signal zur Nachtruhe. Danach durfte der Wirt nicht mehr ausschenken.
Der scheidende Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sagte im ZDF: „Der Zapfenstreich hat nichts mit den Nazis oder mit der Wehrmacht zu tun, sondern ist eine alte preußische Tradition. Ich kann verstehen, dass jemand, der generell etwas gegen das Militär hat, auch ein solches Zeremoniell angreifen will, aber ich weiß, dass die große Mehrheit der Bevölkerung einen solchen Zapfenstreich für ein gutes Ereignis hält.“ Struck rechnet mit einer Fortführung der unter Rot-Grün eingeleiteten Bundeswehrreform. „Ich sehe eine große Kontinuität auch bei meinem Nachfolger“, sagte er über den designierten Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU). Jung hat dem Vernehmen nach vor der Feierstunde mit de Hoop Scheffer gesprochen.
Vereinzelte gewalttätige Auseinandersetzungen
Der Bundestagspräsident Norbert Lammert sagte hingegen, die Bundeswehr sei „ein Kind des Kalten Krieges gewesen. Aber ohne die Bundeswehr wäre der Kalte Krieg sicherlich nicht überwunden worden“. Bei ihrer Gründung sei sie wie keine zweite Institution umstritten gewesen. Heute stehe sie „außerhalb jedes ernst zu nehmenden Streits“. Die Bundeswehr habe ihre Aufträge immer unter Haushaltsnöten erfüllen müssen. Reformen seien die Regel gewesen.
Bis zum Abend gab es vereinzelte Rangeleien und Steinwürfe. Nach Abschluss der Militärzeremonie vor dem Reichstag kam es dann zu vereinzelten gewalttätigen Auseinandersetzungen. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen. Polizisten wurden mit Flaschen und Feuerwerkskörpern beworfen. Zwei Beamte wurden leicht verletzt. Die Polizei dementierte am Donnerstagmorgen Berichte, wonach sie gegen Demonstranten mit Schlagstöcken vorgegangen sei.
Die Bundeswehr mit derzeit rund 255 000 Soldaten ist international einer der größten Truppensteller bei internationalen Einsätzen. Am 7. Juni 1955 war die Wehrverwaltung gegründet worden. Am 12. November 1955 wurden die ersten 101 Freiwilligen vereidigt.
- Datum 01.04.2009 - 07:37 Uhr
- Serie cvd
- Quelle (c) dpa, 27.10.2005
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