Koalition Mehrwertsteuer wird erhöht
Union und SPD wollen die Mehrwertsteuer offenbar auf 18 Prozent anheben
Dass die Mehrwertsteuer angehoben werden soll, wird in den Koalitionsverhandlungen von Union und SPD kaum noch ernsthaft in Frage gestellt. Offen ist nach Angaben der Union nur noch der Zeitpunkt. SPD-Unterhändler widersprachen am Mittwoch dieser Darstellung und verwiesen darauf, dass in der Koalitionsarbeitsgruppe Finanzen überhaupt nicht über die Mehrwertsteuer gesprochen worden sei. »Es gibt keine Einigung.« Umstritten ist inzwischen auch wieder der Konsolidierungsbedarf im Bundeshaushalt bis zum Jahr 2007. Die Union beziffert diesen nun auf 43 Milliarden Euro statt einer bisherigen Lücke von 35 Milliarden. Weiterhin einig sind sich Union und SPD darin, bis 2008 eine umfassende Reform zur Besteuerung von Unternehmen umzusetzen. Dieser Konsens hatte bereits zu Wochenbeginn bestanden. Offen ist dagegen, ob sich damit auch die von SPD und Union auf dem »Job-Gipfel« im März zugesagte Steuerentlastung für Unternehmen um ein Jahr verzögert.
Eine endgültige Entscheidung über die Instrumente zur Sanierung der Staatskassen und damit über eine Mehrwertsteuer-Erhöhung wird erst zum Ende der Koalitionsverhandlungen erwartet. Am 12. November soll der Koalitionsvertrag stehen. Bis dann sollen Vereinbarungen aller Arbeitsgruppen abgeglichen und ihre Finanzierbarkeit ermittelt werden. Alle Ressorts streben bisher Reformprojekte an, die zu Ausgabenerhöhungen beim Bund führen würden. »Es wird zu Steuererhöhungen kommen«, sagte ein hochrangiges Unionsmitglied der Koalitionsarbeitsgruppe Finanzen. Ohne Steuererhöhungen seien die Milliardenlücken in den Haushalten nicht zu schließen, hieß es. Darin seien sich die Unterhändler einig. Eine Option sei die Mehrwertsteuererhöhung. Über eine mehrstufige Anhebung auf bis zu 20 Prozent spreche derzeit aber niemand mehr, hieß es.
Die SPD lehnt bisher eine Anhebung unter Hinweis auf die schwache Konjunktur ab. Die Union hatte für Anfang 2006 eine Erhöhung auf 18 Prozent geplant, um vor allem die Lohnnebenkosten zu senken. Zuletzt mehrten sich Stimmen, mit Mehreinnahmen auch die Staatskassen zu sanieren. Eine Anhebung der Mehrwertsteuer um einen Prozentpunkt führt zu Mehreinnahmen von rund acht Milliarden Euro - etwa je zur Hälfte für Bund und Länder. Wie es nach Verhandlungen der Arbeitsgruppe Finanzen weiter hieß, soll die Lücke im Bundeshaushalt je zur Hälfte über höhere Einnahmen und über Ausgabenkürzungen geschlossen werden. Der künftige Unions- Fraktionschef Volker Kauder und Hessens Ministerpräsident Roland Koch (beide CDU) bekräftigten, dass zunächst das Einsparvolumen ausgelotet werden müsse. Nach dem Umfang der Ausgabenkürzungen richteten sich dann mögliche Einnahmeverbesserungen und Steuererhöhungen.
Um bestimmte Vorhaben einer großen Koalition zu finanzieren, vergrößert sich der Konsolidierungsbedarf nach Meinung der Union um weitere 8 Milliarden auf 43 Milliarden Euro. Die bisher genannte Lücke von 35 Milliarden basiere zudem auf optimistischen Annahmen für das kommende Jahr wie einem Wirtschaftswachstum von 1,8 Prozent und einem Rückgang der Arbeitslosenzahl um 200 000, hieß es in der Union. Auf »Verwunderung« stieß bei den Finanzexperten der Beschluss der Arbeitsgruppe Wirtschaft, die Abschreibungsbedingungen für Unternehmen zu verbessern. Damit soll die Finanzierung von Investitionen erleichtert werden. In den Staatskassen würde dies aber zunächst zu Milliarden-Mindereinnahmen führen.
- Datum 02.11.2005 - 12:24 Uhr
- Quelle (c) dpa, 2.11.2005
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Sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen, das hat bislang nur ein berüchtigter Baron geschafft. Welchen Rat geben Schuldnerberatungsstellen überschuldeten Privatpersonen? Sanierung durch noch mehr Schulden? Oder doch besser konsequentes Sparen? Es gibt natürlich nur einen Weg, um das Vertrauen der Bürger in die öffentlichen Haushalte zu erneuern: Man muss diese Haushalte schnellstmöglich auf eine solide und tragfähige Basis stellen. Will sagen, man muss sie schnellstmöglich auf Nulldefizit bringen. Dann kann der Bürger zu Recht Vertrauen in die weitere Entwicklung haben und wird auch wieder Geld ausgeben, statt es zu horten...
... von wegen höhere Mehrwertsteuer - wie wäre es mit der Übernahme des Schweizer (Staats)Finanzierungs- und Sozialabgabenmodell? Unsere Großkoalitionäre müssten das schon jetzt stark schlingernde Rad nicht neu erfinden - und würden so schon mal mit dem Sparen durch eingesparten Aufwand für unnötige Sitzungen in allen möglichen Gremien beginnen. So könnten unsere Volksvertreter also statt hohl klingender Worte und dem Bedienen des Boulevardjournalismus doch wenigstens einmal etwas Konkretes leisten ... .
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