Demografie Wer hat Schuld am Kinderschwund?

40 Prozent aller Akademikerinnen haben keine Kinder, heißt es. Aber stimmt das wirklich? Eine Kontroverse zwischen dem Autor Björn Schwentker und dem Präsidenten des Bundesamts für Statistik, Johann Halen

40 Prozent aller Akademikerinnen haben keine Kinder - eine erschütternde Zahl, die auf Daten aus dem Mikrozensus des Bundesamts für Statistik zurückgeht. In der Diskussion um unsere vergreisende Gesellschaft werden die "40 Prozent" seit ihrer Veröffentlichung immer wieder zitiert und problematisiert. Das kann nicht ohne Folgen für die scheinbar Schuldigen bleiben. Denn: Dürfen Frauen sich heute wirklich frei für ein Studium entscheiden, wenn dabei die Zukunft eines ganzen Volkes auf der Strecke bleibt?

Diese oder ähnlich diskriminierende Fragen muss sich die studierte Bundesbürgerin aber schon deshalb nicht gefallen lassen, weil die viel zitierten 40 Prozent jeder statistischen Grundlage entbehren. Beschrieben hat das ZEIT online-Autor Björn Schwentker in seinem Artikel "Von wegen 40 Prozent" vom 9. Oktober 2005, nachdem er sich Anfang Oktober mit Experten auf einer Demografentagung in Rostock getroffen hatte. Schwentkers Gesprächpartner kritisierten den Mikrozensus als methodisch mangelhaft und legten statistische Analysen vor, nach denen die auffällig hohe Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen schlicht nicht existiert. Es gebe aber eine "Anweisung von ganz oben", über die klaren Defizite der amtlichen Zahlen nicht zu sprechen.

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Auf die Recherchen unseres Autors hat Johann Hahlen, der Präsident des Bundesamts für Statistik, nun mit einer, wie er sagt, "Richtigstellung" reagiert. ZEIT online ist Hahlens Bitte nachgekommen, diesen Brief zu veröffentlichen - jedoch nicht, ohne Björn Schwentker Gelegenheit zu einer Antwort auf die "Richtigstellung" zu geben.

 
Leser-Kommentare
  1. Wie ist das eigentlich mit den Frauen, die sich erst während einer Babypause zu einem Studium entschließen oder den Abschluss eben aus Gründen der Schwangerschaft verschieben - also erst nach Geburt(en) den akademischen Grad erwerben? Offiziell sind dies ja dann keine Akademikerinnenkinder. Die können ja von der Statistik nicht erfasst werden.

    M. Wolff

    • MCVFFO
    • 06.11.2005 um 18:40 Uhr

    Nachweislich hatte die DDR eine wesentlich höhere Beschäftigungsstand von Frauen (fast 90 %) als die BRD und Frauen studierten mit mehr als 30 % Anteil an allen Studierenden. Führungspositionen waren ebenso mit Frauen besetzt. Trotzdem gab es mehr Geburten.
    Also ist das System der Fehler!
    Statistiken sind dabei hilfreiche Aufklärer oder, wenn man das Zahlenwerk falsch interpretiert, das schlimmsten Teufelszeug!
    Schlussfolgerung: Das System muss sich grundlegend ändern oder das Leben von uns homo sapiens wird zur Sinnlosigkeit verdammt.

  2. Eine Politik, die nicht bereit ist, ihre grundlegenden Prinzipien den gesellschaftlichen Entwicklungen anzupassen, hat zur Folge, daß die in der Vergangenheit erzielten Ergebnisse ausbleiben.

    Wenn die Anzahl gut ausgebildeter Frauen weiter zunimmt, dann muß die Politik - auf der Ebene der Städte und Gemeinde - auch bereit sein, einer angemessene Betreuung für Klein-Kinder, Kinder und schulpflichtige Jugendliche gut organisiert zu gewährleisten - von 6:00 bis 20:00 Uhr, auch in den Schulferien.

    Eine hochdotierte SAP-Beraterin mit Kindern, z.B., ist darauf angewiesen, daß ihr Kinder von früh bis spät gut betreut werden. Unter Kohl wurde eine solche Muter noch diskriminiert. Die Mehrzal deutscher Bürgermeister ist auch heute nicht bereit alleinerziehenden Bürgern und Familien ein wirklich angemessenes Betreuungsangebot zu bieten.

    Auch das 'Gegurke' bei der Entwicklung und Projektierung von wirklichen (nicht verkappten) Ganz-Tagsschulen, ignoriert die Notwendigkeit, daß die bundesdeutsche Geburtenrate zunehmen sollte. Die von der Union propagierten Pseudo-Ganztagsschulen führen für die nächsten 10 bis 15 Jahre wieder mal in eine Sackgasse.

    Aber Kinder gibt es ja nicht nur bei 'Akademikerinnen', die eigentlich schon in der Lage sind, ihren 'Familien-Betrieb' irgendwie mit 'viel Geld' zu organisieren.

    Ich meine, daß erheblich größere Problem sind die Familien, in denen den Ernährern von der Politik zugemutet wird für € 1,00, € 2,00, € 3,00, ... beruflich tätig zu sein.

    1-Euro-Jobs und Kinder, das kann nicht funktionieren! Die Verhältnisse in der bundesdeutschen Gesellschaft müssen wieder in Gleichgewicht. Wenige Profiteure lassen unsere Gesellschaft verarmen.

    Statisker könnten einmal folgenden theoretischen Ansatz überprüfen: Der Zunnahme von Eigentumswohnungen, Häusern und Villen im In- und Ausland zu Ferien- und Urlaubszwecken (also Investitionen von Bundesbürgern) steht eine etwa gleichverlaufende Abwärtsbewegung der bundesdeutschen Geburtenrate gegenüber.

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  • Quelle (c) ZEIT online, 6.11.2005
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