Man darf sich das so vorstellen: Zwei Freunde sitzen sich auf einem Hotelbett gegenüber, zupfen und schlagen die Gitarre, zeigen sich Griffe, der eine singt ein paar Zeilen, weiß dann nicht weiter, der andere sagt: „Wart einmal“, und greift den Akkord. „Genau“, sagt der eine, „das ist eine prima äolische Kadenz.“

Als Jahre später ein Kritiker „It Won’t Be Long“ vor sich hinträllert, entdeckt er diesen wundersamen Tonsprung und schreibt in der London Times darüber einen Artikel. Es ist der Beginn einer tiefgreifenden Interpretationswelle, die einen amerikanischen Musikwissenschaftler intensiv an Schubert denken lässt, Leonard Bernstein an Schumann erinnert und ein anderer nichts Größeres seit Beethoven zu hören vermeint. Da John Lennon und Paul McCartney alle drei Monate eine neue Single komponieren müssen, schreiben sie auf dem Weg zum Studio, im Auto, im Zug, „Schulter an Schulter und Auge in Auge“.

Als sie in jener Zeit die Rolling Stones in einem Club in Richmond treffen, und denen ein Song fehlt, kramen John und Paul ein paar Teile zusammen und singen sie ihnen vor: „I want to be your lover, baby. I want to be your man.“ Allerdings vermissen sie noch einige Spezifikationen („Tell me that you love me baby, tell me you understand“), also ziehen sie sich in eine andere Ecke des Lokals zurück und komponieren den Song zuende.

„Mein Gott, schaut euch das an“, soll Mick Jagger gesagt haben, „Die setzen sich einfach in eine Ecke und schreiben das mal eben.“ (Dies war übrigens der Beginn der kreativen Phase der Stones.)

Da weder John noch Paul noch George Noten lesen, noch Noten schreiben können, sind sie ständig am Zupfen und Klimpern und so geschieht es auch, dass sie im Keller von Jane Ashers Haus (Pauls Freundin) vierhändig am Klavier spielen und den entscheidenden Akkord zu „I Want To Hold Your Hand“ finden. „Oh you-u-u...got that something“ singt John und Paul schlägt diesen Akkord an, und John sagt „Spiel das noch mal“ und das war’s.