sport Häppchen mit Millionenwert
Die Ausschreibung um die Bildrechte an der Fußballbundesliga könnte die Kräfteverhältnisse im deutschen Fernsehmarkt verschieben
Wer darf künftig zu welcher Uhrzeit welche Bilder von der Fußballbundesliga zeigen? Am Mittwoch sind die Ausschreibungsunterlagen der Deutschen Fußball Liga (DFL) bei den 33 Bietern angekommen. Die weit mehr als hundert Seiten umfassende Ausschreibung wurde markiert, damit sie nicht einfach kopiert und in Umlauf gebracht werden kann. Außerdem besteht die DFL darauf, nur sie allein dürfe später einen „Abschluss von Vereinbarungen bekannt geben“.
Vor allem bei den großen TV-Sendern, vom Bezahlkanal Premiere bis zu ARD und ZDF, beginnt mit dem Eingang der DFL-Post ein großer Poker. Es geht um die Übertragungsrechte für die drei Spielzeiten, die im Herbst 2006 beginnen und zu den wertvollsten Rechten im Fernsehgeschäft gehören.
Besonders brisant ist der „Regelspielplan3“, der den Spieltag der Ersten Fußballbundesliga in vier Etappen teilt und die Fußballkultur in Deutschland nachhaltig verändern würde. Die DFL erwägt, ein Spiel freitags um 20.30 Uhr anzupfeifen, fünf Spiele am Samstag um 15.30 Uhr, ein Spiel am Samstag um 18.30 Uhr und zwei Spiele am Sonntag um 17 Uhr. Dazu heißt es in der Ausschreibung beinahe kaschierend: „Die Entscheidung, welcher Regelspielplan zur Anwendung kommen wird, folgt der Entscheidung über die Annahme der Angebote, die für die verschiedenen Varianten und die damit verbunden Verwertungsszenarien A bis F abgegeben werden.“ Wenn also für „Regelspielplan 3“ besonders viel geboten wird, gibt es demnächst einen Häppchen-Spieltag, an dem vor allem die Bezahl-TV-Anbieter ein Interesse haben müssen. Sie könnten dann ihren Abonnenten beispielsweise die exklusive Live-Übertragung von vier Spielen bieten.
Das Ziel der DFL ist eindeutig. Sie will mehr Geld: Etwa 300 Millionen Euro bekommen die Vereine der Ersten und Zweiten Bundesliga derzeit pro Saison von TV-Sendern, Mobilfunk- und Internet-Anbietern. Diese Summe will die Liga um mindestens ein Drittel steigern.
Noch vor Weihnachten will DFL-Manager Christian Seifert den Zuschlag erteilen, und das Ergebnis wird eine ganze Menge über das Kräfteverhältnis auf dem deutschen Fernsehmarkt aussagen. Wenn Premiere die ARD ausbooten und frei empfangbare Bilder von der Liga weit in den Samstagabend drängen könnte, würden Vorstandschef Georg Kofler und sein Chefunterhändler Hans Mahr endgültig das Nischendasein hinter sich lassen. In freiwilliger Kooperation mit dem DSF könnten sie sogar einen neuen, vierten Senderblock bilden, jenseits der Öffentlich-Rechtlichen, der RTL- und der ProSiebenSAT.1-Gruppe. Das festgefahrene Oligopol auf dem Fernsehmarkt wäre erschüttert – mit Hilfe des Fußballs.
Damit sich die Arbeit auch von Beginn an lohnt, erhebt die DFL im Übrigen eine so genannte „einmalige Bearbeitungsgebühr in Höhe von 0,1 % des höchsten Gebotes des Interessenten“, „maximal jedoch 150.000 Euro“. So könnte schon bald die erste Million Euro bei der DFL zusammenkommen. Quasi als Entschädigung für die Mühe, demnächst vermutlich mehr als 400 Millionen Euro pro Jahr an die Vereine verteilen zu dürfen.
- Datum 09.11.2005 - 12:25 Uhr
- Serie cvd
- Quelle (c) ZEIT online 3.11.2005
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