Energie „Klimapolitik umsteuern!“

Ein soeben veröffentlichtes Gutachten der Deutschen Physikalischen Gesellschaft fordert längere Laufzeiten für Kernkraftwerke.

Die deutsche Klimapolitik verfehlt ihre Ziele, wenn sie nicht umsteuert. Das ist der Tenor einer Studie der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), die am Dienstagvormittag veröffentlicht wurde. Zwar stammten nur drei bis vier Prozent der globalen Emissionen so genannter „Treibhausgase“ aus bundesdeutschen Anlagen - am deutschen Klimaschutz wird die Welt also nicht genesen - , aber das Land müsse mit gutem Beispiel voran gehen. Die Forderungen der Physiker sind konkret: Zu einer klimaschonenden Energiewende komme es nur, wenn die Politik den Bau solarer Wärmekraftanlagen („solarthermischer Kraftwerke“) in südlichen Partnerländern betreibt – und wenn sie die Laufzeiten der bestehenden Kernkraftwerke verlängert.

Ein Jahr lang hatte eine Expertengruppe die vergangenen 15 Jahre Klimapolitik und die Optionen für die kommenden 15 Jahre untersucht. Bis zum Jahr 2020, das ist die immer noch gültige Festlegung der Politik, sollten die Emissionen 40 Prozent unter dem Stand von 1990 liegen; ein Ziel, das Fachleuten als eher moderat gilt. Doch das Ergebnis der ersten 15 Jahre Klimaschutz fällt mager aus, schreiben die DPG-Gutachter. Die Verringerung der klimarelevanten Emissionen ist überwiegend auf den Zusammenbruch der Industrie in der ehemaligen DDR zurückzuführen – und reichte dennoch nicht hin, die Klimaschutzziele zu erreichen. Minus 1,5 Prozent pro Jahr wären nötig gewesen, noch nicht einmal die Hälfte wurde erreicht. Das sei „deshalb so enttäuschend“, heißt es in der DPG-Studie, „weil dieser niedrige Wert das Endergebnis einer hohen Bemühung ist. Man kann weder der Regierung noch der Industrie Untätigkeit bei der Effizienzverbesserung und der Einführung erneuerbarer Energien vorhalten, im Gegenteil.“ Aber das Bisherige genüge eben nicht.

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Punkt für Punkt rechnet die DPG-Studie die Möglichkeiten durch, die der Klimapolitik gegeben sind. Photovoltaik (Solarzellen) und Windkraft beispielsweise, zwei sichtbare und politisch symbolkräftige Techniken, werden für die Zeit bis 2020 als wenig klimarelevant eingeschätzt. Techniken zur Energieeinsparung könnten da bedeutend mehr Klimaschutz pro Euro bewirken.

Ein großes Potenzial für die weitgehend emissionsfreie Energiegewinnung sehen die DPG-Physiker in der Solarthermie: Spiegel konzentrieren die Sonnenstrahlung auf einen Erhitzer, der ein Arbeitsmedium wie beispielsweise Wasser enthält, mit dem sodann wie in konventionellen Kraftwerken über Turbinen und Generatoren Strom erzeugt wird. In äquatornahen Weltregionen steht die dafür geeignete Energie in Hülle und Fülle zur Verfügung, überdies ist die Technik beherrscht und gut zu optimieren. Die gewonnene Energie sollte primär den dortigen Ländern zur Verfügung stehen, heißt es in der Studie, ließe sich aber auch immer noch preisgünstig über Hochspannungsleitungen in den Norden verfrachten. Als mittelfristige, eben bis 2020 und die unmittelbare Zeit danach berechnete Lösung würde diese Technik – der Studie zufolge - pro eingesetztem Euro weitaus mehr Klimaschutz bewirken als Solarzellen oder Windkrafträder.

Doch alle diese und anderen Bemühungen würden zunichte gemacht, wenn Deutschland am gegenwärtigen Fahrplan für den Ausstieg aus der Kernenergienutzung festhalten würde. Das jedenfalls rechnen die Physiker in ihrer neuen Studie Punkt für Punkt vor. Sie plädieren für eine Verlängerung der Laufzeiten des bestehenden Kraftwerksparks; das würde weder Probleme der Reaktorsicherheit mit sich bringen noch das Problem der Abfallbeseitigung wesentlich verschärfen.

Leser-Kommentare
  1. Die Lobby rührt sich.

    1. Der Betrieb von Atomkraftwerken ist mit erheblichen Betriebs-Risiken behaftet, mit sogenannten Großrisiken (Auswirkung auf Fläche und Dauer). Ein Gau bedeutet das Ende für eine ganze Region, auf Jahrzehnte. Jeder Ingenieur lernt: Verlängerung von 'Maschinen-Laufzeiten' erhöhen Ausfälle, Fehlersituationen, Kosten, ... und in jedem Fall die betrieblichen Risiken.

    2. Die Abfallbeseitigung ist ein Problem, das von der Atomindustrie bisher überhaupt nicht gelöst ist. Er wird auch bei Verwendung der derzeit zum Einsatz kommenden Technologie nicht zu lösen sein. Die Situation der Atommüll-Beseitigung kann also, wegen der ausserordentlich nachhaltigen Wirkung, tatsächlich nicht weiter 'verschärft' werden.

    Bürger wehrt Euch!

  2. Wir können doch nicht wirklich mittelfristig auf fossile Brennstoffe bauen! Erstens werden uns diese sehr bald ausgehen, und die Verteuerung durch Verknappung wird unsere energieintensive Industrie und Lebenshaltung in den Ruin führen. Zweitens war da doch noch ein problem mit dem CO2 ... Drittens leben wir doch den Chinesen und später Indern vor, wie deren dramatisch steigender Energiebedarf zu decken wäre, und damit potenzieren wir die erstgenannten Probleme der Knappheit und des Treibhausgases.

    Kurzfristig, mittelfristig und langfristig werden wir auch nicht durch Einsparungen um den "Verbrauch" von Energie umhinkönnen, auch wenn es ein löblicher und durchaus äußerst unterstützenswerter Ansatz ist, beispielsweise isolierende Baumaßnamen und verbrauchsarme Beförderungsmittel zu fördern und zu fordern, ich stelle hier das grüne Ideal gar nicht in Frage. Durch Einsparungen produzieren wir noch nicht, was wir an anderer Stelle weiterhin an Energie benötigen.

    Kurz- und mittelfristig werden die "alternativen" Energieträger Wind, Sonne und Wasser nicht das Loch stopfen können, dass die fossilen und nuklearen Energieträger hinterlassen. Wir können auf längere Sicht sicher einen honorablen Prozentsatz, sagen wir, optimistisch, 25%, der "Energieerzeugung" damit anvisieren, aber auch langfristig wird das weder bei uns, noch in den aufstrebenden Industrieländern China und Indien den Energiebedarf decken können.

    Die Kernenergie ist nicht die entgültige Alternative, auch Uran wird in fernerer Zukunft zur Neige gehen und solange wir mit der Lagerung größerer Mengen langfristig radioaktivem Materials leben müssen (das muss nicht der letzte Stand der Dinge sein), begrenzen auch zur Verfügung stehende Lagerkapazitäten die Verwendung der Kernenergie. Für die konkreten Zahlen sind solche Studien wie die hier von der DPG vorgelegte zuständig, aber ich möchte hier behaupten, dass trotz der genannten Probleme, die ich nicht unter den Teppich kehren möchte, die Kernenergie die sicherste, sauberste und kostengünstigste Möglichkeit der Energieerzeugung ist, und das sowohl kurzfristig (durch Verlängerung der Laufzeiten) für die kommenden Jahre, als auch mittelfristig (durch Neubau) für die nächsten Jahrzehnte.

    Ja, ich halte die Kernenergie (deutscher oder französischer Façon) für sicher, das überrascht immer den Bürger, der ein sehr emotionales Risikoverständnis hat. Es ist bei diesen Mitbürgern bei der Kernenergie wie mit den Flugzeugabstürzen: ein tragischer Unfall mit 100 Toten läßt sie vergessen, dass die Wahrscheinlichkeit , bei einem Flug ums Leben zu kommen, deutlich geringer ist, als wenn man die gleiche Strecke alternativ mit einem Auto führe. Wenn der Betrieb eines 1GW-Kohlekraftwerkes mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeint im Laufe seiner Laufzeit von 50 Jahren 10000 Menschen das Leben kosten wird, aufgrund von kleineren Unfällen (10), von den Gefahren des Bergbaus (100), durch die Emission von - unter anderem - Treibhausgasen, die mitverantwortlich für den Klimawandel und damit (anteilig) für 1000 ertrunkene und 3990 verhungerte Bangla-Deshi und 5000 Hurrican-Opfer sein wird, dann zählt das viel weniger, als wenn in der gleichen Zeit das gleich große Kernkraftwerk mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit 10 Todesopfer im Uranberbau und beim Kraftwerksbau (4 Tote allen duch gewalttätige Demonstrationan ;-) fordern wird, mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/10 (1 mal in 500 Jahren) durch einen mittelgroßen nuklearen Unfall 100 und mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/100 (einmal in 5000 Jahren) durch einen GAU 1000 Totesopfer fordern wird. Allein die Tatsache, dass in einem sehr unwahrscheinlichem Fall EINMALIG eine größere Zahl Menschen getötet werden sieht diesr Mitbürger als sehr viel problematischer an als dass im Falle des Kohlekraftwerkes 10 mal so viele Menschen mit Sicherheit, nur nicht alle auf einmal (und weit weg von uns) getötet werden. Rein mathematisch ist das Risiko in diesem Gedankenexperiment beim Kohlekraftwerk 10000 und beim Kernkraftwerk 10+100/10+1000/100=30, also etwa 300 mal geringer.

    Die Zahlen sind dabei reine Fiktion (und das wird mir vorgeworfen werden), doch ich möchte mit diesem Beispiel einmal das Problem der menschlichen Risikobewertung beleuchtet haben, die die Kernenenergie häufig in einem zu schlechten Licht dastehen lässt.

    Noch ein Grund für deutsche Kraftwerke: Sie werden zu den sichersten und damit wünschenstwertesten Kraftwerken auf dieser Welt gehören, deutsche Gründlichkeit oblige, und das ist allemal besser, als die Energieerzeugung Drittländern zu überlassen. Ausserdem dienten unsere Kraftwerke als Modell für ähnlich sichere in anderen Ländern, auch China, mehr noch, interessanter Nebenaspekt (ganz und gar nicht die Hauptsache), Deutschland würde diese Kraftwerke exportieren.

    Was die Lagerung von radioaktiven Stoffen angeht, so gibt es bessere Wege, doch hier ist Forschung notwendig, die muss auch gewollt und finanziert sein, sie ist aber nötig, selbst wenn man am Atomausstieg festhalten möchte. Es gibt - unter anderem - ein potentielles Verfahren unter Energiegewinnung (!) diese "Abfälle" durch hochenergetische Neutronen (durch "Spallation" erzeugt) zu "verbrennen" (transmutieren). Dabei bleibt am Ende wenig, aber hoch-radioaktiver Abfall übrig, der den Vorteil (sic!) einer sehr kurzen Halbwertzeit hat (also lediglich eine kurzfristige Lagerung geringer Mengen über wenige Monate - wenn man nicht noch etwas besseres - nein, keine Bomben - mit diesen "Wertstoffen" machen kann).

    Langfristig ist aber selbst bei einer Lösung des Problemes des nuklearen Abfalls kaum Land in Sicht. Da ist der Hoffnungsschimmer Fusion, und mit Glück, wenn es denn wirklich physikalisch machbar ist, haben wir da in frühestens 50 Jahren eine operative (und dann unerschöpfliche) Technik vor uns. Wenn nicht, dann werden unsere Enkel eine schwere Zeit haben, aber selbst wenn die Fusion kommt, werden nachfolgende Generationen ein massives Problem haben: die Erwärmung der Erde findet nämlich in jedem Fall statt, Treibhausgase beschleunigen diese zwar massiv, aber wir müssen uns vor Augen halten, dass jede "Energiegewinnung" immer eine teilweise Umwandlung von Energieträgern in Wärme (neben Elektrizität, mechanischer Energie, etc.) mit sich bringt. Und mit steigender Überbevölkerung wird diese Wärmeerzeugung expotentiell ansteigen. Wenn es nachfolgenden Generationen nicht gelingt, die Erdatmosphäre (Vorsicht beim Spielen mit der Geosphäre!) dahingehend zu verändern, dass die Erde mehr Energie in den Weltraum abstrahlt und weniger aufnimmt (was auf einen umgekehrten Treibhauseffekt hinausläuft), dann stirbt die Menschheit den Wärme- oder auch Entropietod (obwohl mein unverwüstlicher Optimismus mich glauben läßt, dass die Menschheit bis zu jenem fernen Tage mit höheren Ozeanen, verschobenen Klimazonen und turbulenterem Wetter zu leben gelernt haben wird).

  3. Was nützen Gutachten wie das der Deutschten Physikalischen Gesellschaft, wenn politische Entscheidungsträger ohne Skrupel versuchen Ihre Auffassung durchzusetzen,entweder mit manipulierten Daten oder koste es was es wolle.

    Zwei Beispiele : MDB Scheer ist Mitglied der SPD Verhandlungskommission zur Regierungsbildung.

    1) Scheer behauptet in einem ZEIT Artikel aus dem Jahre 2004 (http://www.zeit.de/2004/3...) dass es bisher in Tschernobyl 70.000 Tote gegeben habe und man noch von mehreren zehntausenden Spätopfer ausgehen müsse.

    Das Tschernobyl-Forum, Mitglieder sind 8 wichtige UNO Organisationen, die Weltbank und drei betroffene Regierungen, spricht dagegen von lediglich 50 Toten, und 2000 an Schilddrüsenkrebs erkrankten Kindern mit einer 99 %igen Heilungschance .

    2) Scheer fördert mit allen Mitteln die Gewinnung von Energie mittels Photovoltaik. Die Kosten spielen dabei offensichtlich überhaupt keine Rolle. Bei einem garantierten Förderungspreis für Solartechnik von etwa 0,54 Cent pro kW über 20 Jahre, einem derzeitigen Preis für konventionell erzeugten Strom von 0,04 Cent pro kWh und einer jährlichen, angenommenen Preissteigerungsrate von 5 % für den konventionellen Strom ist der Solarstrom 6 mal so teuer wie bei konventioneller Herstellung. Bezahlen müssen das die Verbraucher mit Ihrer Stromrechnung. Gleichzeitig wird davon gesprochen, die Renten langfristig nicht zu erhöhen, möglicherweise sogar zu kürzen.

    Beide Tatsachen spielen in der öffentlichen Diskussion keine Rolle.

    Gegen solche Irrationalitäten kommt auch Gero von Randow mit seinen sachlichen Argumenten nicht an.

  4. Angst, ob man sie selber hat, oder ob man sie anderen macht, ist eine schlechte Grundlage, um Probleme zu diskutieren oder zu lösen.

    Seit dem Unfall von Tschernobyl hat man es verstanden, der Bevölkerung nicht nur in und um Tschernobyl die angeblich tödliche Strahlenbelastung zu suggerieren. In Deutschland operieren die Atomkraftgegner mit Argumenten von mehreren Hunderttausenden von Toten.

    Die Hauptursache von Suiziden um Tschernobyl sind Stresstode, Leute denen man erzählt hat, dass sie aufgrund der erlittenen Strahlenbelastung nur noch kurze Zeit zu leben hätten. Und 200000 Menschen leben weiterhin in der Ungewissheit, ob Tschernobyl gesundheitlich Folgen für Sie haben wird. Dabei rechnet das Tschernobyl Forum mit lediglich einem Prozent, also 2000.

    Aber keiner der "Menschenfreunde" aus der Umweltbewegung hat den Mut, die wirklichen Verhältnisse in Tschernobyl auch nur zu erwähnen. Was würde auch aus dem Einfluss der Atomkraftgegner, wenn man bekennen müsste, dass Tschernobyl in seinen Auswirkungen maßlos übertrieben wurde?

    Auf den Einfluss auf die öffentliche Meinung will man aber auf keinen Fall verzichten.

  5. Was nützen Gutachten wie das der Deutschten Physikalischen Gesellschaft, wenn politische Entscheidungsträger ohne Skrupel versuchen Ihre Auffassung durchzusetzen,entweder mit manipulierten Daten oder koste es was es wolle.

    Zwei Beispiele : MDB Scheer ist Mitglied der SPD Verhandlungskommission zur Regierungsbildung.

    1) Scheer behauptet in einem ZEIT Artikel aus dem Jahre 2004 (http://www.zeit.de/2004/3...) dass es bisher in Tschernobyl 70.000 Tote gegeben habe und man noch von mehreren zehntausenden Spätopfer ausgehen müsse.

    Das Tschernobyl-Forum, Mitglieder sind 8 wichtige UNO Organisationen, die Weltbank und drei betroffene Regierungen, spricht dagegen von lediglich 50 Toten, und 2000 an Schilddrüsenkrebs erkrankten Kindern mit einer 99 %igen Heilungschance .

    2) Scheer fördert mit allen Mitteln die Gewinnung von Energie mittels Photovoltaik. Die Kosten spielen dabei offensichtlich überhaupt keine Rolle. Bei einem garantierten Förderungspreis für Solartechnik von etwa 0,54 Cent pro kW über 20 Jahre, einem derzeitigen Preis für konventionell erzeugten Strom von 0,04 Cent pro kWh und einer jährlichen, angenommenen Preissteigerungsrate von 5 % für den konventionellen Strom ist der Solarstrom 6 mal so teuer wie bei konventioneller Herstellung. Bezahlen müssen das die Verbraucher mit Ihrer Stromrechnung. Gleichzeitig wird davon gesprochen, die Renten langfristig nicht zu erhöhen, möglicherweise sogar zu kürzen.

    Beide Tatsachen spielen in der öffentlichen Diskussion keine Rolle.

    Gegen solche Irrationalitäten kommt auch Gero von Randow mit seinen sachlichen Argumenten nicht an.

  6. Ein AKW-Gau in der Bundesrepublik Deutschland würde wohl auf Dauer das Ende der Wirtschaftsmacht Deutschland bedeuten? Ende der Wohlstandsgesellschaft. Die Höhe der Stromrechnung wird dann keine Rolle mehr spielen. In Frankfurt werden dann endlich keine Flugzeuge mehr landen.

    Längere Laufzeiten für Kernkraftwerke bedeuten auch eine deutliche Erhöhung des Risiko-Spektrums. Für die Bürger, nicht für die DPG. Da hilft dann auch kein Zweitwohnsitz in Süd-Europa und der Wert des persönlichen Aktienpaketes geht gegen Null. Die Versicherungen zahlen übrigens bei einem AKW-Unfall, weil die Risiken in der Totalperiode nicht zu beherrschen sind, auch nicht.

    Wenn in der Vergangenheit alle kritischen Zwischenfälle in den AKW's den Bürgern bekannt gegeben worden wären, dann gäbe es über dieses Thema auch keine Diskussion mehr.

    AKW's sind kein 'Spielzeug'. Auch wenn viele Atom-Ingenieure nicht darauf verzichten wollen.

  7. Atomkraft und die Klimakatastrophe

    „Atomkraftwerke schützen das Klima“. Damit werben die Atomkonzerne und Atomparteien fürden scheinbar CO2-freien Atom-Kraftwerkspark. Diese geschickte Werbebotschaft der AKW-Betreiber soll Akzeptanz für alte und neue AKW schaffen. Im Zeitalter der organisierten Desinformation erleben wir hier ein spannendes Exempel. Die Forderung nach neuen Atomkraftwerken dient auch der psychologischen Entlastung viele Politiker der Atom- und Kohleparteien. Sie tragen die Hauptverantwortung für die bisherige und zukünftige Verschwendung von Energie, Rohstoffen und für die drohende Klimaveränderung. Die Werbeabteilungen der Atomkonzerne bieten Ihnen jetzt eine schöne Illussion, sich scheinbar aus der Verantwortung stehlen zu können. Mit vorgeschobenen Umweltargumenten wird Umweltschutz verhindert und umweltgefährdente Anlagen "grüngewaschen". Die Propaganda der Umweltzerstörer ist besser geworden. Die Nutzung der Atomenergie ist nicht nur lebensbedrohend, sondern auch die teuerste Art von Klimaschutz. Der Bau neuer AKW kommt uns wesentlich teurer als das Energiesparen oder die Errichtung moderner Gaskraftwerke. Umweltforscher haben berechnet, dass sich durch Investitionen im Bereich Energieeinsparung mehr als die doppelte Menge an Kohlendioxid vermeiden lässt als bei vergleichbaren Investitionen in den Bau neuer AKW. Atomenergie soll angeblich der Schlüssel zum Klimaschutz sein, da sie kein Kohlendioxid (CO2) emittiert. Dies ist nur auf den ersten Blick richtig. Auch Atomenergie ist nicht CO2-frei zu haben! Denn der Betrieb von Uranerzminen und Urananreicherungsanlagen, der Transport von Atommüll und nicht zuletzt der Bau und Abriss von Atomkraftwerken verursachen CO2-Emissionen. Das Freiburger Öko-Institut hat eine interessante Bilanz erstellt: Die CO2-Emissionen eines AKW betragen etwa 25-50 Gramm/Kilowattstunde.
    Stromsparmaßnahmen und regenerative Energien "emittieren" nur 0-20 Gramm/Kilowattstunde. Die Atomkraft zieht also eindeutig den Kürzeren! Mit falschen Argumenten nutzen AKW-Befürworter die berechtigte Sorge der Bevölkerung vor dem Klimawandel, um mehr Akzeptanz für die atomare Technologie zu schaffen. Nur der Dreiklang aus erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und Energieeinsparung kann den Klimawandel stoppen. Aus Techinikoptimisten und Förderern in Sachen Atomtechnologie werden Technikpessimisten und Verhinderer, wenn es um Sonnenenergie und Windkraftwerke geht.
    Die ökologische Ärzteinitiative IPPNW hat berechnet, dass bis zum Jahr 2050 1000 neue AKW gebaut werden müssten (bisher gibt es weltweit 442), um 10 % der fossilen Energie zu ersetzen. Die endlichen Uranreserven wären dann in Kürze erschöpft.
    Axel Mayer

    Mehr Infos: Atomkraftwerk, AKW, Klima und Klimaschutz: www.bund-freiburg.de/proj...

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