Fleischskandal Leben auf dem Teller

Kann man sehen oder schmecken, ob Putenmortadella und Hühnerfrikasse einwandfrei sind - und welche Risiken gibt es, wenn man's trotzdem isst?

Gerade erst konnte die hiesige Geflügelindustrie wieder vorsichtig aufatmen: Die Vogelgrippe ist noch immer nicht in Deutschland angekommen, und trotz allgemeiner Aufregung sind die Kunden dem mageren Liebling weiter treu geblieben. Doch kaum, dass sich Entspannung breit machen kann, ereilt die Leichtwurstproduzenten schon das nächste, höchst unappetitliche Problem: Das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz hat zum Wochenende mehrere Tonnen verdorbenes Geflügelfleisch beschlagnahmt.

Zu spät, wie sich herausstellte, denn einige Partien der gammeligen Puten- und Hühnerteile waren bereits ausgeliefert und sind nach Angaben des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums wahrscheinlich auch weiter verarbeitet worden. In welchen Produkten das verdorbene Fleisch gelandet ist, müssen die Staatsanwaltschaften erst noch herausfinden. Auch das Risiko, das solche, sagen wir: Lebensmittel bergen, ist bislang unklar.

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Eine erste Probe des Fleisches wurde direkt nach der Sicherstellung als eindeutig verdorben getestet - dazu reichten Auge und Nase, denn das Fleisch war bereits schleimig-schmierig und stank zum Himmel. Heute hat das Landesamt in Oldenburg bekanntgegeben, dass weitere sieben Proben durch diese so genannte sensorische Begutachtung klar als ungenießbar engestuft wurden. Was aber, wenn nicht wieder eingesammeltes, ungenießbares Fleisch nun doch seinen Weg in den Verbrauchermagen findet?

Im Fall von reinem Fleisch, also Putenbrust und Hähnchenschnitzel, wird auch dem Laien schnell offensichtlich, ob die Ware verdorben ist. Übler Geruch, schmierige Oberfläche, leicht grünlicher Schimmer - sowas legt sich niemand freiwillig in die Pfanne. Anders sieht das schon bei verarbeiteten Produkten aus. "Wenn man das Fleisch veredelt, also mit gutem Fleisch mischt und würzt, dann ist verdorbene Ware nicht mehr so leicht zu erkennen", sagt Horst Siems vom Mikrobiologischen Verbraucherschutz der Stadt Hamburg.

Gut möglich also, dass so verarbeitetes Geflügelfleisch nicht einmal im Geschmack auffällt - und die zahllosen Keime der fauligen Ware in unserem Magen landen. Das kann, muss aber nicht gefährlich sein. "Zunächst einmal vermehren sich da Bakterien, die ohnehin schon auf dem Fleisch vorhanden sind - Milchsäurebakterien, Mikrokokken, Enterobakterien oder Hefen zum Beispiel", sagt Siems. Die meisten dieser Mikroorganismen machen nicht einmal in größerer Menge krank. "Aber es gibt natürlich auch noch die Salmonellen".

"Erst wenn sich bestimmte Keime ganz massiv durchsetzen, wie Salmonellen, Pseudomonas aeruginosa oder Campylobacter, dann wird das Fleisch auch für unsere Gesundheit gefährlich," erläutert Siems. Die Symptome seien in den meisten Fällen dieselben: Durchfall, vor allem; dazu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerz. "Das dauert bei einem gesunden Erwachsenen ein paar Tage, dann hat man's hinter sich." Schlimmer sei es, wenn Immunschwache - kleine Kinder und alte Menschen - von so einer Infektion gepackt werden. "Das kann dann durchaus lebensgefährlich werden."

Ob das Fleisch aus Lastrup, das an Fleischverarbeitungsbetriebe in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Bremen, Berlin und Rheinland-Pfalz geliefert wurde, wirklich schon in einem so bedenklichen Zustand war, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Wer jedoch nach dem Verzehr von Geflügelwurst oder ähnlichem die genannten typischen Symptome an sich beobachtet, sollte auf jeden Fall zum Arzt gehen. Im Mindesten verliert der Körper im Verlauf einer Durchfallerkrankung sehr viel Elektrolyte und kann dauerhaft geschwächt werden.

 
Leser-Kommentare
    • foudoc
    • 08.11.2005 um 6:48 Uhr

    Anklage: vorsätzliche Körperverletzung.
    Strafe: 6 Monate nur eigene aus Profitgier produzierte "veredelte Ware" essen dürfen.
    Öffentlich im Fernsehen.

  1. Frei nach dem berühmten Roman nach Erich Maria Remarque möchte ich es nennen. Bereits seit Beginn der 80er Jahre war bekannt, was für ein explosives Gemisch sich in den erzkatholischen Kreisen Cloppenburg und Vechta entwickelt hat. Der Film "Und ewig stinken die Felder" mitte der 80er Jahre, in dem es u.a. um die Machenschaften eines gewissen A.nton Pohlmann ging, hat damals für reichlich Aufsehen gesorgt. Getan hat sich seitdem nichts - warum auch. Die CDU fährt in den beiden Kreisen Wahlergebnisse ein, von denen die CSU in Bayern nur träumen kann. aber trotzdem: die Globalisiserung und der damit verbundene Kostendruck hat auch diese Region erreicht - und jetzt heisst es infolge schrumpfender Gewinnmargen Geldmachen, auf Teufel komm raus.

    • exi2
    • 05.09.2006 um 19:11 Uhr

    also es kann ja wohl nicht normal sein, wenn ein Fleischstück erst lang und teuer gelagert werden muß, bevor der Preis sinkt!
    Wenn ein Kilo Rind das 8€ kostet auf 2,50€ absinkt, sofern man noch 50ct für Strom, Kühlung, Lagerung hineinsteckt, dann kostet ein Kilo Rindfleisch in Wirklichkeit 2€, mehr nicht. Und dann, wenn der korrekte Preis verlangt wird, dann würde es auch nicht unverkäuflich liegen bleiben.
    Ergänzend dazu hilft noch ein radikales Durchgreifen: Berufsverbot, lange Haftsrafen ohne Bewährung, Enteignung der Verbrecher.
    Und unsere moderne Technik erlaubt nicht nur die Lieferkette jedes Fetzelchens zu verfolgen, sondern auch die Abfrage ob jedes Stück verkauft wurde und an wen. Hier kann man mit landesweiten Datenbanken, die länderübergreifend und ins Ausland vernetzt sind, schnell kontrollieren.

    • majoky
    • 19.11.2005 um 10:15 Uhr

    Solange wir Verbraucher ein Hähnchen kaufen wollen, das 2,99 € kostet, so lange wird es Lebensmittelskandale geben.
    Solange immer mehr regionale Schlachthäuser aus mehr als fadenscheinigen Gründen geschlossen werden und das Fleisch auf unseren Tellern aus Frankreich, Italien, Spanien oder sonstwoher beigekarrt wird (nachdem man die Tiere vorher in LKW lebendig von Lettland bis nach Italien quälte), so lange werden die meisten Leute überhaupt nicht wissen, wie hoch Fleischqualität wirklich sein kann.
    Wir werden weiterhin das sogenannte "veredelte Fleisch" (allein dieser Begriff ist reine Verbraucherverar****)und seine minderwertigen Füllstoffe teuer bezahlen.
    Gehen wir dann zum Arzt (wenn der uns noch einen Termin gibt...) weil das Übergewicht gesundheitliche Probleme macht, die Arterien verfetten, der Blutdruck himmelhoch steigt, dann fragt der nicht nach einer Ernährungsumstellung, sondern wirft uns irgendwelche Pillen ein, an dem sich ein feixender Pharmariese, der nebenher auch noch Lebensmittel (mit)produziert, dumm und dusslig verdient.
    Brutal formuliert: Solange der Verbraucher sich weiterhin wie die dämliche brave Melkkuh der "Menschenfuttermittelhersteller" benimmt, solange wird sich nichts ändern.
    Aber um den dämlichen Verbraucher aufzuklären und fortzubilden, müsste man schon im Kindesalter anfangen - mit Haushaltskunde, Kockkursen, Ernährungslehre in allen Schulen. Stattdessen richtet man die Lehrpläne an Schulen immer weniger auf das "wirkliche Leben" aus.
    Wo man gesellschaftspolitisch betrachtet hinfasst in diesem Land, besteht massiver Veränderungsbedarf, vor allem für die sogenannten kleinen Leute - die, so glaube ich manchmal, absichtlich "dumm" gehalten werden.

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