Presseschau FresssuchtSeite 2/2

Ziemlich nett zur neuen Regierung ist auch die Süddeutsche . Der wesentliche Erfolg der Verhandlung sei nicht das dabei herausgekommene Papier, sondern eine Verbesserung der „politischen Kultur“ in Deutschland. „Die vier Wochen gleichen einem gemeinsamen Aufenthalt im Abklingbecken“, so die Zeitung. In Zukunft würden Debatten maßvoller und sachlicher geführt, und dies werde auch zu besseren Ergebnissen führen, hofft man in München. 

Wenn die Koalitionäre sich aber mal so richtig aufbauen lassen wollen, dann sollten sie die Auslandspresse lesen. „Ein historischer Schritt für die Bundesrepublik“, so der Corriere della Sera aus Mailand, „Deutschland versucht den Aufschwung im Zeichen der nationalen Einheit“, jubelt die römische La Repubblica und der Figaro befindet sogar „Deutschland hat es schon geschafft“. Na also, geht doch. 

 
Leser-Kommentare
  1. Bei jedem unklaren Projektzustand gibt es die Besserwisser,
    nicht in der direkten Verantwortung stehend, also risikolos
    palavernd und gestikulierend auftretent.

    Stellt man sie unverhofft in die Verantwortung verhallen
    die Stimmen, die Unterarme heben sich und die Handflächen
    richten sich abwehrend nach außen.

    ’Man müsse das noch einmal diskutieren.’

    Sie haben nie gelernt, daß man mit Worten nicht in
    die Verantwortung des(r) Verantwortlichen treten kann!
    Und schon gar nicht hinter deren Rücken oder deren
    Abwesenheit.

    Wir haben keine Übermenschen gewählt. Lassen wir die doch
    einmal die nun Verantwortlichen regieren.
    Zeit für Kommentare kommt noch genug. Und das politische
    Leben steht sowieso nie still.

    Wenn Gelbe und Grüne sich lauthals äußern... ist ihr Job,
    ihre freie politische Meinung,aber sie sind ebenfalls in
    der öffentlichen Wahrnehmung, wie die hellroten…und sie
    wurden immerhin gewählt.

    Die unbelehrbaren Artikelschreiber jedoch lassen nicht
    einmal einen Augenblick verstreichen – schon wird alles
    farbengetreu verbeurteilt und die lauten Wörter sind
    ihnen schon enteilt.

    Sehr bedenklich, wenn die Farbentreue schon vorgegeben
    und das eigene Wort die Freiheit verlor.

  2. Ich bin echt froh das es wirklich Leute den Kommentaren nach hier gibt, die das aktuelle Verhalten der Medienlandschaft genauso reinschleimend wie verblödend empfinden wie ich selbst.Da werden ja Bilder und Vorurteile über Politik und Demokratie gepflegt wo einem echt mal die Motive interessieren würden.
    Den Politikern wird immer vorgeworfen sie erklären zu wenig; geben zu wenig Perspektive! Nur WO sind die Beiträge der schreibenden Zunft in diesem Reformgetümmel?
    Ich stelle fest immer große Klappe und groß Fordern und wenn es Ernst wird, beim Leser reinschleimen und das dann noch als Fakten verkaufen!Ich empfinde das Verhalten der meisten Medien-Akteure verantwortungslos, profitgeil und vor allen Dingen demokratiezersetzend!
    Hier müßte etwas getan werden! Man müßte offensiv Wadenbeisser spielen: die Redaktionen mit ihren Unwahrheiten, Widersprüchen, Show-Lust konfrontiern um die Qualität der Pressefreiheit für die nächsten Jahre erhalten zu können. Wer interesse hat kann sich ja mal melden für nen Ideen-Austausch!

  3. Die Zeit im Abklingbecken sollte als notwendige therapeutische Massnahme m.E. der Mehrheit der Print- und TV-Journalisten umgehend verordnet werden. Zur Erhöhung der Wirksamkeit: zusammen mit Lobbyisten und so genannten Wissenschaftsexperten, die wie bakterielle Entzündungen offenkundig unsere Medien befallen haben. Dann legen sich ggf.die unangenehmen Sender-Symptome der rhetorisch unangemessenen Aufrüstung und das aufgeregte Getöse. Und nach der Genesung gibt es hoffentlich eine überwiegende Rückkehr zu einer kritisch-konstruktiven und damit zielführenden Begleitung für die Meinungsbildung. Und wenn der intellektuelle Anspruch des "output" dann noch ansteigt, wäre es eine regelrechte Wellness-Kur für Medienkonsumenten und man kann ohne Gefahr einer Infektion wieder auf Empfang schalten.

  4. Die Meinungsmacher zwischen Flensburg und Garmisch-Partenkirchen sollten sich am allerwenigsten darüber wundern, dass das Feuer aus der deutschen Politik raus ist und sich nur noch mühsam neuer Dampf für die Turbine Deutschland auftreiben läßt.

    Wer fast zehn Jahre am Stück mit schlechten Nachrichten die besten Geschäfte macht, den erwischt es dann irgendwann auch einmal selbst. Die Agonie der Presse verleitet nur noch zu aufgeblähter Kritik. Die Ideenarmut, die aus dieser permanten Rechthaberei resultiert, läßt befürchten, dass die Frühvergreisung auch im Journalismus einkehrt.

  5. Es ist tatsächlich eine Einsicht vorhanden, dass Politik als ideologische Schlacht wenig Sinn macht in einer Zeit der pragmatischen Lösungsnotwendigkeiten.
    Deshalb kann man nicht umhin, diese sehr ernsthaften Diskussionen und Verhandlungen zu befürworten. Es fehlt aber der Kennedy-Geist, dass wir nicht nur vom Gemeinwohl etwas erwarten dürfen, sondern auch etwas dafür tun sollten. Geben ist seliger als nehmen. Diese Freiheit in der Einstellung ist von der Donau bis nach Sylt noch nicht durchgedrungen. Christoph Rohde

  6. "Mut und Menschlichkeit" eine gute Überschrift, die Handschrift der SPD! Nun gebt Euch doch mal zufrieden, Ihr Journalisten jedweder Coleur, ich bin sicher Ihr wißt alles, Ihr könnt alles, dann probierts doch mal mit den regieren!!! Der Normalbürger kann nur noch kotzen, schließlich habt Ihr schwere Mitschuld an diesem Dilemma, Schreiberlinge, Umfragelinge und Sendelinge der Nation. Schreibt endlich mal über die wahren Ursachen der immensen Verschuldung wie Einigungsvertrag (Aufnahme einer unüberschaubaren Anzahl Spätaussiedler aus Rußland, keiner hat je in die Sozialsicherungssysteme eingezahlt), Mißmanagement Treuhandanstalt, eine Volkswirtschaft wurde durch drittklassige, aus der deutschen Wirtschaft der Alten Länder "entsorgte" Manager verrubelt. Letztlich die Deutsche Einheit, wieviel kostet sie wirklich? Eine unmoralische Wirtschaft, die ihre vor die Tür gesetzten Beschäftigten zwecks Gewinnmaximierung der Gesellschaft und Politik in feinster "Heuschrecken"-Manier" auf den sozialen Müllberg legt. Das Kapital übernahm früher noch Verantwortung für seine Beschäftigten und heute herrschen die Ackermanns und Konsorten, bitte aufwachen!!!
    Angesichts dieser Problematik MUSS doch endlich mal an einem Strang gezogen werden und nicht schon wieder Jeder gegen Jeden ausgespielt werden!!! Schröders "Entsorgung" habt Ihr gut hinbekommen, wir müssen wahrscheinlich eine Merkel als "Kanzlerin" akzeptieren, es reicht an moralischer Verkommenheit und Verantwortungslosigkeit der Medien und Umfrageinstitute gegenüber dem Bürger!!! Wer macht den Bürgern Mut? Das ständige Miesmachen lähmt die Republik, viele Länder inklusive Amerika würden uns um unsere Probleme (die wir bestimmt haben, aber bei guten Willen lösbar sind) beneiden!

    Herzliche Grüße aus Berlin

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  • Quelle (c) ZEIT online, 14.11.2005
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