frankreich "Reißt die Ghettos ab"Seite 4/4
Diese Leute wohnen in Ghettos. Für sie ist ein weißer Typ einer, der Kohle hat. Aber in diesen Vierteln leben auch Weiße. Der Rassismus, der sich gegen Weiße richtet, ist Teil des Diskurses, der vom eigentlichen Problem ablenkt. Sicherlich gibt es Leute, die die Weißen nicht mögen, das leugne ich nicht, aber es ist doch offensichtlich, dass nur wenige Weiße wegen ihrer Hautfarbe Probleme haben, eine Wohnung oder ein Hotelzimmer zu finden. Und nur wenige Weiße können am Samstagabend nicht ausgehen, weil sie weiß sind.
Was erwarten Sie von den Moslems?
Nicolas Sarkozy dachte, dass die Moslems in den Vierteln die Situation regeln könnten. Man hat gesehen, wohin das führte. Die Moslems haben interveniert, und sie wurden auch mit Steinen beworfen. Sie sind nicht in der Lage, die Gewalt zu reduzieren, obwohl sich einige muslimische Vereine so darstellen, als könnten nur sie die Jugendlichen wieder zur Vernunft bringen.
Ist die Integration gescheitert?
Die Diskussion über das Scheitern der Integration ist extrem gefährlich, denn was sagt uns das eigentlich? Dass man nicht weiter integrieren sollte. Ich würde sagen, Frankreich bezahlt sein eigenes Versprechen teuer. Man kann den Leuten nicht Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit versprechen und sie dann jahrelang in der Scheiße leben lassen, ohne dass sie irgendwann die Gleichheit fordern. Diese Leute wollen nur wie alle anderen leben, also einfach Teil der Konsumgesellschaft sein. Aber für sie gibt es nicht die Vermittlungsinstrumente, wie es sie woanders gibt, in Form von Gewerkschaften zum Beispiel. Daher diese Gewalt, die sich Bahn bricht.
Die Fragen stellte Alain-Xavier Wurst
Aus dem Französischen von Christiane Behrend
- Datum 16.11.2005 - 12:25 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT online, 10.11.2005
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Es gibt kein französisches Modell. Kinder brauchen überall auf der Welt Liebe und Jugendliche erwarten stets Respekt. Respekt bedeutet z.B. AusBildung und Arbeit. Liebe kann nur in einer Familie gelingen, wenn die 'Kohle' einigermaßen stimmt. Menschen wollen leben, aber nicht ständig am Rande des Existenzminimums. Mittendrin ist das gültige Motto, so wie im Fernsehen. Frankreich hat zwei Probleme: die Nachteile des praktizierten Zentralismus und das eingeschränkte Bewustsein seiner Eliten.
Frankreich kämpft - um (sozialen) Frieden im Land und um seinen Ruf als "Grande Nation"
Selbstverständlich kann man die jugendlichen Gewalttäter nicht gewähren und laufen lassen, selbstverständlich muss sich der Staat wehren, für Ordnung sorgen, die Täter festnehmen. All diejenigen, die das anders sehen, möchte ich hören, wenn das eigene Auto in Flammen aufgeht.
Gewalt können allerdings auch Worte sein. Innenminister Nicolas Sarkozy ist hierfür ein Beispiel.
Zweifellos hat der französische Spitzenpolitiker eine sehr schwierige Aufgabe zu bewältigen. Das Fehlverhalten einiger seiner Polizeibeamten macht diese Aufgabe nicht gerade leichter.
Wenn Sarkozy aber zum wiederholten Male die Jugendlichen als "Gesindel" bezeichnet, wird dies sicher nicht zur Deeskalation beitragen.
Wer Öl ins Feuer gießt, der braucht sich nicht zu wundern, wenn die Lage immer heißer wird.
Mag ja sein, dass Sarkozys Sprüche bei seiner Wählerschaft gut ankommen, auf diese Weise wurde er wohl auch einer der populärsten Politiker Frankreichs. Der Situation sind sie aber keineswegs dienlich.
Die Lage in Frankreich ist und bleibt kritisch. Mit Härte allein und mit noch mehr Polizei wird man vielleicht kurzfristig Erfolg haben, mehr aber wohl nicht. Das kann nicht die Lösung sein.
Der soziale Sprengstoff muss entschärft werden, falsche politische Entscheidungen in der Vergangenheit rächen sich nun. Zur Zeit kann man keine Hoffnung auf Besserung haben - für keine Seite.
Frankreich wird einer schweren Prüfung unterzogen, die die Dimension des Landes überschreitet. Man kann sagen, dass dort um die Zukunft ganz Europa geht, dass man in Paris auch um das Schicksal der Demokratie kämpft. Das säkularisierte laizistische Staat wird von einem militanten Islam angegriffen, der die Entwurzelungsgefühle der nichteuropäischen Einwanderer aus der Zeit nach dem 2. Weltkrieg für sich ausnützt. Die islamischen Fundamentalisten benutzen die Methoden, die sich schon im Falle Irans im Jahre 1979, der palästinensischen Intifada usw. bewährten.
Wenn mann Diskussionen darüber verfolgt, findet man, dass ihre westeuropäischen Teilnehmer eher Selbstkritik üben und meistens bereit sind, Zugeständnisse zu machen. Wir können also in absehbarer Zeit Zugeständnisse zugunsten des Islams und der islamischen Minderheit in Frankreich erwarten, was wenigstens eine Umverteilung des nationalen Reichtums bedeuten wird. Der Islam wird für sich vielleicht im laizistischen Lande einen Sonderstellung erreichen. Er wird dann zu einem Staat im Staate. Wird der Konflikt damit gelöst sein?
Die Geschichte des Zwischenkriegszeit belehrt uns von etwas anderem. Die westlichen Demokratien Großbritannien und die Vereinigten Staaten von Amerika machten sehr lange Zugeständnisse an das angriffslustige Japan. Den Frieden erretteten sie dadurch nicht, weil ihre Strategie zu Pearl Harbour führte. Die Japaner wähnten nur, dass sie schwach und feige seien.
Ähnlich machten die westlichen Großmächte Zugeständnisse an Hitler. Am 28. September 1938 unterschrieben sie das Münchener Abkommen in Hoffnung, dass sie damit den Frieden erretten würden. Sie unterstützten damit nur den Angreifer
Ob der demokratsche Staat in seiner neuzeitlichen Wiege imstande ist, die Interessen der Mehrheit ihrer Bürger zu schützen, und ihre Kompetenz so unter Beweis zu stellen, werden wir bald erfahren.
Mit Verlaub, aber "Hellwach" hat wirklich gar nichts verstanden. Es geht nicht im Geringsten um den Islam in Frankreich. Er spielt nur eine kleine eher zu vernachlässigende Rolle als identitätsstiftender Lückenbüßer. Wie bereits im Artikel erwähnt wurde, scheißen diese Jungs genauso auf den Islam und irgendwelche Imame, wie auf alles andere (was umso bedenklicher ist).
Und diese Verirrung mit dem Hinweis auf die "Durchsetzung der Mehrheitsbevölkerung" ist genau das Problem der europäischen Gesellschaften und vielleicht der Gesellschaft generell. Es bedeutet Anti-Immigrationsrassismus in reiner Form: Eine äußerlich erkennbare Mehrheit, diskriminiert eine (ethnische) Minderheit, erkennt ihnen die eigens propagierten Werte der westlichen Gesellschaften wie Freiheit und Gleichheit ab. Lesen Sie doch den Artikel und begreifen Sie was dieser aussagt! Es ist so einfach:
Die republikanische Gesellschaft lehrt diesen französischen Jugendlichen die Werte wie Freiheit, Brüderlichkeit und vor allem Gleichheit. In der Realität werden ihnen diese Werte jedoch durch soziale Diskriminierung auf grund ihres Aussehens und ihres Namens verwährt.
Wie bereits im Artikel erwähnt möchten diese jungen Menschen lediglich teilhaben an dieser Konsumgesellschaft (auch traurig, aber das ist ein anderes Thema). Sie wollen keinen Gottesstaat errichten, sie möchten weder den französischen Staat zerstören, noch sich selbst in die Luft sprengen, sie möchten LEBEN...im Übrigen ein anthropologisches Grundcharakteristikum des Menschen (selbst des muslimisch-gläubigen).
Dieser durchklingende Rassismus in einigen Kommentaren ist das Wahre woran Europa -und nicht nur Europa- krankt.
om mani padme hum
A propos Demokratie:
Zitat: "...Die räumliche Durchmischung der Bevölkerung kann doch nicht angeordnet werden. Die Leute wollen das nicht.
Aber natürlich kann das angeordnet werden. Indem der Staat das Ganze in die Hand nimmt. Politik heißt doch nicht, immer das zu wollen, was die Bevölkerung will. Glücklicherweise nicht..."
Na da hör her!
Auch Laurent Fabius hat kürzlich so in etwa gemeint, die Sozialisten würden gottseidank nicht aufs Volk hören, sondern nur auf intelligente Vertreter desselben...
Da wird Le Pen wieder ein leichtes Spiel haben!
Zur "Durchmischung"
Die "mixité sociale" wurde schon öfter ausprobiert: Problem-Jugendliche wurden mitsamt Jugendarbeitern aufs Land oder zum Skifahren geschickt, wo sie alles mögliche anstellten, und Problem-Familien in Sozialwohnungen in Kleinstädten angesiedelt, wo sie die Nachbarschaft unsicher machten. So wird das Problem nur über ganz Frankreich verteilt, ohne gelöst zu werden. Denn nicht nur in den Banlieus nimmt die Zerstörungswut und Kriminalität zu.
Und diese (Klein)kriminalität wird aufgrund der mittellosen und politisch links orientierten Justiz sehr wenig geahndet. Auf Prozesse muss jahrelang gewartet werden, wenn nicht die Anzeigen schon vorher zu den Akten gelegt werden. Dadurch wird das Gefühl erzeugt, dass die Nichteinhaltung der Gesetze bis zu einem gewissen Schweregrad keine Konsequenzen hat. Die Ehrlichen sind die Dummen. Das schafft eine sehr gespannte Stimmung, auch außerhalb von Paris.
und warum schreien dann die lieben Jungs bei ihren Angriffen "Allahu akbar" ????
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