Klangforschung Kauz mit SittichSeite 2/2

Anfänglich, in den Sechzigern, war Tietchens Musik noch von den Phänomenen der Zeit, namentlich dem Free Jazz, beeinflusst. Später, in den siebziger Jahren, wachsen Verbindungen zur Krautrockszene, und Tietchens erforscht die Möglichkeiten von Moog-Synthesizern. Peter Baumann von der Gruppe Tangerine Dream ist begeistert und veröffentlicht Tietchens erste Solo-LP Nachtstücke mit Arbeiten aus den Jahren 1975-1978.

Was man den Nachtstücken anmerkt, ist Melodienseligkeit und der Versuch, eine gewisse Inkompetenz am Instrument zu überwinden. Dabei ist es eine sehr ausgereifte klangliche Arbeit, und letztlich wird durch den eigenwilligen Sound der hölzernen Melodieführung sogar so etwas wie Schönheit verliehen. Tietchens beschreibt diese Schaffensphase im Rückblick als „gescheiterten Versuch, unterhaltsam sein zu wollen“.

Allmählich verschiebt sich nun sein Fokus. Mehr und mehr widmet er sich Klangquellen und Verfahren zu ihrer Bearbeitung: am Tonkopf vorbeigezogene Tonbänder, menschliche Stimmen, Feldaufnahmen der Stadt, Wasser und Unterwasseraufnahmen, Schiffsschrauben, Sinusgeneratoren und immer wieder der Synthesizer. Seine Musik wird mutiger und auch wissenschaftlicher. Tietchens findet zu seiner Stimme.

Den popüblichen Hang zum Starschnitt teilt Asmus Tietchens nicht, weshalb wir diesen Text mit einem Scherenschnitt illustrieren, den Thomas Koener von ihm anfertigte.

Hören Sie hier das vor vierzig Jahren aufgenommene Stück A Quarter to Ten von der Doppel-CD Adventures In Sound + Nachtstücke, erschienen bei Die Stadt .

Teilmenge 35a heißt die zweite Kostprobe . Sie kommt von der CD Eine Ganze Menge, erschienen bei Tausendfüssler /A-Musik

 
Leser-Kommentare
  1. 'die Trophäe der Klangkunst schlechthin, den Karl-Sczuka-Preis.' ..

    Komisch = wieso hab ich von diesem Preis noch nie gehört? ...nach fast 50 Jahren in der Musikszene, davon 37 Jahre professionell ...

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  • Quelle (c) ZEIT online 16.11.2005
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  • Schlagworte Musik | MIT | Hamburg
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