USAVerdeckte Folter

Weltweit soll der amerikanische Geheimdienst CIA Al-Qaida-Verdächtige in geheimen Gefängnissen misshandeln von Wurst

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In der vergangenen Woche berichtete die Washington Post, die CIA halte im Ausland mehrere führende Al-Qaida-Extremisten in geheimen Gefängnissen fest. Solche Lager soll es bereits seit vier Jahren in insgesamt acht Ländern geben - auch in Osteuropa, und dort vermutlich in Polen und Rumänien. Die Regierungen beider Länder haben der EU-Kommission zwar versichert, dass die Vorwürfe nicht zuträfen. Dennoch zieht die Affäre nun ihre Kreise.

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In einem Interview mit ZEIT online spricht die Direktorin von Human Rights Watch, Lotte Leicht, von ihr vorliegenden Beweisen - sowohl für die Existenz der Gefängnisse, als auch für Transporte der Gefangenen. Sie ruft alle europäischen Länder auf, das Ende der geheimen Inhaftierungen zu verlangen. Der Europarat hat bereits angekündigt, die Vorwürfe untersuchen zu wollen. Für die EU wären derartige Einrichtungen, falls es sie wirklich gibt, eine Blamage. Sie fordert von ihren Mitgliedern die Achtung der Menschenrechte und verbietet geheime Haftanstalten. Polen ist der EU im vorigen Jahr beigetreten, Rumänien will 2007 Mitglied werden.

Am Mittwoch leiteten die Regierungen Schwedens und Norwegens offizielle Nachforschungen zu angeblichen Zwischenlandungen von US-Flugzeugen mit geheimen Gefangenentransporten ein. Die schwedische Luftfahrtbehörde erklärte zwar, sie habe keine Kenntnis darüber, dass eines oder mehrere CIA-Flugzeuge in Schweden zwischengelandet seien. Die Regierung beauftragte die Behörde aber mit einer umfassenden Untersuchung.

Madrid hatte am Vortag ähnliche Untersuchungen angekündigt. Innenminister José Antonio Alonso sagte, solle sich der Verdacht auf geheime Gefangenentransporte bestätigen, wäre das ein "schwerwiegender Vorgang".

Darüber hinaus haben ehemalige und noch aktive Agenten der CIA die brutalen Verhörmethoden des amerikanischen Geheimdienstes kritisiert. In mindestens einem Fall sei ein Verdächtiger nach seinem Verhör gestorben, berichtete der US-Fernsehsender ABC am Samstag. Die Verhörmethoden führten zu äußerst fragwürdigen Geständnissen: "Die Folter muss nur schwer genug sein, dann bekommt man von jedem jedes Geständnis", sagte der ehemalige CIA-Vertreter Bob Bear.

ABC beschrieb unter Berufung auf mehrere CIA-Vertreter sechs fragwürdige Techniken: Sie reichen von Schlägen in die Magengrube über Stehfolter bis zur Scheinhinrichtung. Bei der Stehfolter müssten die Häftlinge nach Aussage der Informanten mit gefesselten Händen und Füßen mehr als vierzig Stunden lang aufrecht stehen. Eine Variante ist die "Kalte Zelle": Der Häftling wird gezwungen, nackt in einer zehn Grad Celsius kalten Zelle zu stehen und wird regelmäßig mit kaltem Wasser übergossen. Besonders brutal erscheint das "Water Boarding": Der Gefangene wird kopfüber auf ein Brett gefesselt und sein Kopf in Zellophan gewickelt. Sobald er dann mit Wasser übergossen wird, glaubt er nach Aussage der Zeugen, ertränkt zu werden - und gesteht.

Laut ABC wurden diese Verhörmethoden bei rund einem Dutzend Häftlingen angewendet, die nach Auffassung des CIA hochrangige Vertreter des Al-Qaida-Terrornetzes sind. Die von einem CIA-Agenten als "erweiterte Verhörtechniken" bezeichneten Methoden kamen demnach auch in den geheimen Gefängnissen in Asien und Osteuropa zum Einsatz. Die CIA verweigerte der ABC jeden Kommentar zu den Vorwürfen. Die US-Regierung hat bisher stets bestritten, mögliche Al-Qaida-Mitglieder zu foltern, um Informationen aus ihnen herauszupressen.

Am Donnerstagabend erhob ein ehemaliger Direktor der CIA zudem aber schwere Anschuldigungen gegen den amerikanischen Vizepräsidenten Dick Cheney. Admiral Stansfield Turner, Chef der CIA in den 70er Jahren, sagte, der Stellvertreter des Präsidenten beaufsichtige die Folter der Terrorverdächtigen. Cheney beschädige damit das Ansehen der USA. "Wir haben die Linie überschritten und ein gefährliches Gebiet betreten", sagte Turner dem britischen Fernsehsender ITV. "Ich bin beschämt, dass die USA einen Vizepräsidenten für Folter haben. Das ist verwerflich. (...) Er befürwortet Folter, was sonst sollte es sein?"

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  • Quelle (c) ZEIT online, axw, 20.11.2005
  • Schlagworte Dick Cheney | CIA | Europarat | Folter | Gefängnis | US-Regierung
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