h5n1 China unter VerdachtSeite 2/2

ZEIT online : Hätte das H5N1 dort nicht trotzdem schon viel mehr Menschen infizieren müssen?

Stöhr : Für den Sprung vom Tier auf den Menschen braucht es eine große Menge Viren. Der Impfstoff für Hühner kann zwar nicht verhindern, dass die Vögel etwas krank werden. Aber Sie scheiden deutlich weniger Viren ab als ungeimpfte, kranke Tiere. Die Impfung verhindert also nicht, dass das Virus zirkuliert, aber sie verringert das Ansteckungsrisiko für den Menschen vermutlich drastisch.

ZEIT online : Sie glauben also wirklich, dass China erst zwei Erkrankungen beim Menschen hatte?

Stöhr : In den Provinzen wird sicher der ein oder andere Fall unter den Tisch gefallen sein. Zwischen den Provinzen und der Zentralregierung in Peking gibt es keinen guten Austausch und die Provinzen sind auch nicht so gut ausgestattet mit Labors etc. In China spricht man von teilweise chaotischen Zuständen in den ländlichen Regionen. Aber solange es sich nur um einzelne Fälle beim Menschen handelt und nicht um längere Infektionsketten, können wir froh sein, wenn es so bleibt.

ZEIT online : Aber solange das Virus weiter Vögel befällt, kann es auch immer wieder auf den Menschen springen.

Stöhr : Das Virus wird in den nächsten drei bis fünf Jahren nicht aus Asien herauszuschaffen sein. Sehen sie sich Thailand an, die haben hundert Millionen Dollar investiert um ihre Hühner zu schützen, und jetzt sind die Enten und Gänse betroffen. In Indonesien ist H5N1 auch endemisch geworden.

ZEIT online : Indonesien hat auch gerade eingeräumt, dass es vermutlich Fälle von Vogelgrippe beim Menschen übersehen hat, weil keine Informationen aus den ländlichen Regionen heraus gelangen. Wie soll man da eigentlich rechtzeitig merken, wenn der Pandemiefall eintritt?

Stöhr : Wenn es erst einmal eine längere Infektionskette gibt, dann ist da nichts mehr zu machen. Deswegen ist der schnelle Austausch von Informationen so wichtig. Die WHO hat in jedem der betroffenen Länder eine Außenstelle um zu helfen und um Ausbrüche schnell unter Kontrolle zu brinegn, im letzten Jahr haben wir außerdem 120 Laborexperten aus diesen Ländern ausgebildet; weltweit gibt es weltweit acht WHO Referenzlabors, die jederzeit Tests durchführen können. Wir haben einen Shipment-Fund eingerichtet - jedes Land kann innerhalb von 24 Stunden Proben zu uns schicken. ..

ZEIT online : Das ist ja gut und schön - aber der Haken scheint doch der Informationsfluss zwischen Dorf und Regierung zu sein, nicht zwischen Regierung und WHO.

Stöhr : Wir können natürlich nicht zufrieden sein. Auf einem Treffen mit Weltbank, FAO und OIE in Genf vor zwei Wochen haben wir bereits gesagt, dass wir 550 Millionen Dollar brauchen, um für alle unvorbereiteten Länder Pandemiepläne zu entwickeln. Und noch einmal 60 Millionen für die zentrale Planung. Wir wissen, was wir tun müssen. Aber das hat auch seine Grenzen. Gehen Sie mal in Deutschland hin und informieren Sie jeden Dorfarzt und jede Schwester über die Falldefinition von Vogelgrippe beim Menschen. Da schickt man Infoblätter, und die erreichen wahrscheinlich sogar jeden Arzt. Und trotzdem wird es einige geben, die faul sind und diese Informationen nicht lesen. Und nun stellen sie sich dasselbe in China vor. Dort führt in 80 Prozent aller Dörfer nicht einmal eine Straße. Die können sie nur mit einem Geländewagen erreichen.

Die Fragen stellte Kathrin Zinkant

 
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