Weltklimakonferenz Ein langer Weg

Am Montag kommen im kanadischen Montreal mehrere tausend Delegierte und Experten zum Klimagipfel zusammen, um über die weitere Verringerung der Treibhausgase zu diskutieren

Die erste Weltklimakonferenz seit Inkrafttreten des so genannten Kyoto-Protokolls beginnt an diesem Montag in der kanadischen Stadt Montréal. Das UN-Klimasekretariat erwartet 8000 bis 10 000 Teilnehmer. Nach dem Vertrag von Kyoto sollen mehr als 30 Industriestaaten den Ausstoß ihrer Treibhausgase von 1990 bis 2012 um insgesamt mindestens fünf Prozent reduzieren. Wie sie das im einzelnen schaffen, soll endgültig in Montréal vereinbart werden.

»Das Treffen wird nicht nur eine der größten Klimakonferenzen sein, es wird auch eine Anzahl substanzieller Ergebnisse bringen«, sagte Richard Kinley, amtierender Chef des UN-Klimasekretariats. Der Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP), Klaus Töpfer, rief industrielle Schwellenländer wie China und Indien auf, sich ihrer Verantwortung beim Klimaschutz zu stellen. Töpfer sagte in einem Interview der Frankfurter Rundschau (Montagsausgabe): »Sie müssen es schaffen, das fossile Zeitalter deutlich zu verkürzen und schnell zu sauberen, effizienten Technologien überzugehen«. Die Hauptverantwortung liege allerdings weiterhin bei den Industriestaaten.

Der Naturschutzbund NABU forderte die Bundesregierung in Berlin auf, ihre Vorreiterrolle beim Klimaschutz zu behaupten und weiter auszubauen. »Dazu wird gehören, dass sich die Industriestaaten zu sehr viel weiter gehenden CO2-Reduktionen verpflichten und weitere Staaten - insbesondere China und Indien - mit ins Boot geholt werden«, betonte Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Das entscheidende Ziel sei, die globale Erwärmung in diesem Jahrhundert unter zwei Grad zu halten. Dazu seien in den kommenden Jahrzehnten weltweit drastische Emissionsreduktionen notwendig. »Das Kyoto-Protokoll ist nur ein kleiner Anfang, auf dem man aber aufbauen kann und muss«, erklärte Miller.

Im Kyoto-Protokoll von 1997 verpflichteten sich die 38 führenden Industrieländer auf eine Verringerung der Emissionen von sechs klimaschädigenden Gasen um insgesamt 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990. Die Europäische Union versprach eine Reduzierung um acht Prozent, schaffte nach den jüngsten Daten aber erst 1,4 Prozent. Trotzdem hält die WWF-Klimaexpertin Regine Günther die Einhaltung der Zusagen noch für möglich, falls der politische Wille dafür da sei. »Aber es ist ein langer Weg.«

Um die Verringerung zu erreichen, erlaubt das Protokoll den Industriestaaten »flexible Instrumente.« Dazu zählt der Handel mit Emissionsrechten. Danach kann ein Industrieland, das sein Soll an Emissionsverringerung mehr als erfüllt hat, die überschüssige Quote an ein Land verkaufen, das seine Ziele verfehlt. Ferner kann ein Industriestaat Reduktionspunkte erreichen, indem es sich an Klimaprojekten in Entwicklungsländern (Clean Development Mechanism, CDM) beteiligt. Erlaubt ist zudem die »gemeinsame Umsetzung« (Joint Implementation) von Klimaschutzmaßnahmen in Industrieländern.

Die US-Regierung unter Präsident George W. Bush schockierte 2001 die Partner mit der Ankündigung, sie werde das Protokoll nicht ratifizieren. Die USA allein verursachen ein Viertel der Emissionen. Um das Protokoll trotzdem in Kraft zu setzen, mussten deshalb praktisch alle anderen wichtigen Industriestaaten ratifizieren. Ende 2004 vollzog Russland nach langem Zögern den Schritt. Damit nahm das Abkommen die so genannte doppelte 55-er Hürde, das heißt, dass mindestens 55 Staaten mit mindestens 55 Prozent der Emissionen beitraten.

»Von Montreal sollte die eindeutige Botschaft ausgehen, dass die Regierungen angesichts der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und den multilateralen Prozess zum Schutz des Klimas voranzubringen«, heißt es in einem Positionspapier des WWF. »Es ist die Aufgabe der Regierungen, den Gipfel von Montreal zu einem Meilenstein auf dem Weg zur Rettung des Weltklimas zu entwickeln.«

 
Leser-Kommentare
  1. Mit Blick auf den Welt-Klimasuender Nummer eins, die USA, koennen die westlichen Laender wohl kaum ueberzeugend fuer eine Emissionsverringerung in Indien und China werben. Diese beiden werden mit dem Finger auf den grossen "Heilsbringer" (Frieden, Demotratie, McDonalds) zeigen und die gleichen Schritte erstmal im Westen einfordern, dort wo die Laender und Leute sich das leisten koennen muessten.

    Im Westen wird es aber erst zur Verringerung von Emissionen kommen, wenn es sich fuer die Verursacher "lohnt", wenn es also ihren Geldbeutel beruehrt. Das einzige Mittel hierfuer ist und bleibt, die Steuern auf Treibstoffe im speziellen und auf Energie im allgemeinen konsequent und kontinuierlich zu erhoehen; nicht in einem Schlag, damit der Markt sich anpassen kann, aber vorraussehbar, so dass z.B. sparsamere Autos entwickelt werden und sich fuer die Unternehmen auch rechnen, weil solche Autos fuer die Kunden nun fianziell interessant werden. VW hat mit dem Drei-Liter-Lupo eigentlich schon den Anfang gemacht; nur leider hat sich das Model beim Kunden nicht durchgestzt, da die Spriteinsparung (3l/100km statt 6l/100km) den hoeheren Kaufpreis nicht aufgewogen hat.

    Und zu dem Argument, dass hoehere Spritpreise besonders die "kleinen Leute" beeintraechtigt: natuerlich werden die Reichen sich immer mehr leisten koennen, eben auch mehr Spritverbrauch mit ihren Pajeeros und X4 und wie die Vierradgetriebenen alle heissen; und natuerlich werden die weniger Bemitelten als erste nach sparsameren Alternativen suchen muessen (Personennahverkehr; sparsamere Autos, Elektrogeraete, Haeuser, Heizeung). Im uebrigen kommt jemandem mit einem Spritfresser von 15l/100km eine Verteurerung der Treibstoffe dreimal teurer zu stehen, als einem Druchschnittsverbraucher von 5l/100kM. Und wenn wir alle die Herausforderung zum Sparen und zum Umdenken unseres Lebenswandels nicht annehmen, dann werden wir alle zugrunde gehen, die Reichen und die Armen, und die Armen zuerst!

  2. 2. \N

    ".... um über die weitere Verringerung der Treibhausgase zu diskutieren"

    Lese ich recht: Weitere "VERRINGERUNG"?

    ad tobiashenzler:
    "Das einzige Mittel hierfuer ist und bleibt, die Steuern auf Treibstoffe im speziellen und auf Energie im allgemeinen konsequent und kontinuierlich zu erhoehen"

    Na, wenn der Westen sich dann wegen hoher Steuern ganz vom Ölmarkt verabschiedet hat, ist der Ölpreis wieder niedrig genug für die anderen, um lustig weiterzumachen und wir sind in vielen Bereichen (zB Aluminiumindustrie) deindustrialisiert.

    Wenn wir wenigstens die Gelder aus den Steuern nicht in den Verbrauch (Renten), sondern konsequent in die Entwicklung energiesparender Techniken stecken würden.

    Aber allein mangels manpower werden wir wohl auch auf diesem Gebiet den Anschluß verlieren, wenn die Amerikaner erst einmal richtig aktiv werden. Bm Bereich der Nutzung von Solarenergie scheint das bereits der Fall zu sein.

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  • Quelle (c) ZEIT online, dpa, 27.11.2005
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  • Schlagworte Forschung | Natur | Klimaschutz | Umweltpolitik | Umwelt | Klimapolitik
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