HOCHSCHULMEDIZIN Berliner Ärzte streikenSeite 2/2
Die Gründe für die desolate Finanzsituation der Klinik sind vielfältig: Vor allem ist sie historisch bedingt, denn das Land Berlin hat unter dem Dach der Charité 2003 sämtliche Institutionen der vormals geteilten Berliner Universitätsmedizin vereint, so dass in der Hauptstadt praktisch eine doppelte Ausstattung vorhanden war. Andererseits will die Charité Spitzenmedizin für die rund sechs Millionen Einwohner von Berlin und Brandenburg bieten - unter diesem Aspekt ist sie nach Einschätzung der Klinikleitung nicht überdimensioniert.
Seit 2003 gibt es an der Charité keinen Tarifvertrag mehr, weil die Tarifpartner sich nicht einigen konnten. Der Charité-Vorstand und die Klinikärzte sprechen sich grundsätzlich für einen eigenständigen Haustarifvertrag aus. Allerdings klafften die Vorstellungen der beiden Parteien zu den Bedingungen des Tarifvertrages weit auseinander. Während der Vorstand ab 2006 eine Lohnerhöhung im Wert von 21 Millionen Euro pro Jahr vorschlägt, fordert der Marburger Bund eine Gehaltserhöhung für alle Ärzte von 30 Prozent. „Der Streik ist unsere Antwort auf die Absenkung der Ärztegehälter um bis zu 15 Prozent. Wir werden keinesfalls hinnehmen, dass die Charité auf dem Rücken der Ärzte saniert wird“, sagt Dr. Matthias Albrecht, Landesvorsitzender des Marburger Bundes. Vielen der angestellten Mediziner wären jedoch bereits mit der Vergütung aller Ärzteleistungen und sichereren Verträgen einverstanden.
In einem Interview sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery der tagesschau , mit der Erhöhung der Ärztegehälter seien auch höhere Ausgaben für die Kassen verbunden. Für eine gute Gesundheitsversorgung sei es unerlässlich die Politik von der Lebenslüge zu trennen, „dass man immer mehr Leistungen mit immer weniger Ärzten für immer weniger Geld haben kann“.
- Datum 01.04.2009 - 07:37 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie cvd
- Quelle (c) ZEIT online, 28.11.2005
- Kommentare 4
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Auf einem der Plakate ist zu lesen: Achtung müder Arzt!
Das erinnert mich an eine Situation letzte Woche, in der eine Assistensärztin uns - wir hatten Kurs in der Charite, der eineinhalb Stunden gehen sollte, wovon allerdings nur eine Stunde ein Dozent anwesend war - darum bat, sich dem Streik anzuschließen. Letztendlich beträfe dieser Streik auch die Studenten, was wir ja gerade gemerkt hatten, da wir schließlich eine halbe Stunde auf den Lehrenden warten mußten.
Man kann einem abgekämpften Assistenzarzt gegenüber nur schlecht seinen Unmut darüber äußern, dass der Kurs doch schon längst begonnen habe.
Dies ist an der Charite bei weitem kein Einzelfall. Die Lehre ist vorallem in den drei Haupthäusern so schlecht - was kein Vorwurf an die Ärzte sein soll, die den Studentenunterricht mit unbezahlten Überstunden am Nachmittag ausgleichen müssen - ,dass wir glücklich sind, wenn wir z. B. nach Buch fahren dürfen, da sich dort der Ärztemangel noch nicht ganz so drastisch auszuwirken scheint.
Die Ärztin meinte auch, sie habe ja kein Problem mit der vielen Arbeit, im Gegenteil, fast jeder Arzt sei gerne
Arzt, doch sollte es einen wenigstens einigermaßen angemessenen Ausgleich dafür geben, dass man seine Freizeit in der Klinik verbringe. Sie sei täglich mindestens 12 Stunden dort, wobei 8 bezahlt werden.
Außerdem ist eine Politik der Kurzzeitarbeitsverträge nicht unbedingt förderlich, um über manche Missstände hinwegzusehen.
Das ist nicht unbedingt die beste Werbung für einen Studiengang, bei dem mehr als die Hälfte abbrechen.
Ein frustrierter Medizinstudent
Die Ärzte von Heute sind eher mit den Todesengeln vergleichbar.
Denn sie handeln nicht in deren Sinne.Weniger Zeit für Kranke.
Schneller Tod für Gesunde !
Geld ist dieses Gift das Hippokartes Vesuchte zu Umschreiben.
Auch Ärzte sind Krank!Krank im denken nur an sich.Und Reich an
Ausreden mit genügend Bildung im Hintergrund.
Das sind wahrliche Thesaurrier,vor dennen ich mich als schwer
Kranker einmal Retten konnte.Und Gesund wurde.
Hat zwar lange gedauert und sich dafür gelohnt.Das geht nur wenn ein Kranker Selbstständig werden will!
Also Kranke rennt weg vor solch falschen Göttern in weiss.
k.Stanelle
Man muss die Sache auch mal aus Patientensicht betrachten. Uebermuedete und frustrierte Aerzte sind nicht geeignet, fuer das umfassende Wohl der Patienten zu sorgen. Ich moechte nicht von einem Arzt operiert werden, der mit 14 Euro brutto schlechter beahlt wird als meine Putzfrau, die 15 Euro brutto bekommt. Ausserdem wuensche ich mir einen freundlichen, ruhigne, ausgeschlafenen und nicht uebernaechtigten Arzt.
Es ist die Pflicht der Arbeitgeber, also der Krankenhaeuser, dafuer zu sorgen, oder aber dicht zu machen und mitzuteilen, dass es zu den Preisen, die die Kassen zahlen, nicht geht. Aber lieber als den eigenen Arbeitsplatz aufzugeben quetschen die Verwaltungsdirektoren Aerzte aus wie Zitronen.
Das hätte man von den deutschen Ärzten nie gedacht-die streiken ja tatsächlich!
Unglücklicherweise werden unsere Forderungen immer nur unter den "30% mehr Gehalt" subsummiert-eine Tatsache, die uns immer wieder polemische Kritik beschert. Es wäre enorm wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, wie diese Forderung zustandekommt-eben nicht als einfacher "Inflationsausgleich" wie in anderen Tarifstreitigkeiten.
Den Herren in der Vorstandsetage des kommunalen Arbeitgeberverbandes, die zur Zeit damit drohen, gegen striekende Ärzte mit einstweiligen Verfügungen vorgehen zu wollen sei klar gesagt:
allein unseren Dienst nach Vorschrift und nach den für jeden einzelenen Bereich bestehenden Qualitätskriterien konsequent durchzuführen würde schon eine erhebliche Einbuße für die Krankenhäuser nach sich ziehen-ohne jede rechtliche Handhabe auf Seiten der Arbeitgeber! Niemandem ist mit einer Eskalation der Situation gedient-aber die Zeiten, in denen wir alles irgendwie ertragen haben, sind endgültig vorbei.
Leider bleibt ein bitterer Nachgeschmack: alle möglichen positiven Veränderungen,die unsere Berufsausübung wieder besser gestalten könnten, resultieren nicht aus der Einsicht, daß es einfach nur anständig ist, diese Verbesserungen umzusetzen. Ohne den Druck, der durch den Mangel an Ärzten entsteht, wäre kein Arbeitgeber auch nur im entferntesten daran interessiert, unser Lage zu verbessern.
Die späten 80er Jahre waren ein gutes (schlechtes) Beispiel dafür, wieviel Willkür wir ertragen mussten-ohne daß ver.di (damals DAG) Dinge wie den "Art im Praktikum" verhindert hätten.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren