euromed Gipfel des allerkleinsten NennersSeite 2/2

Die Staaten im Norden Afrikas und im Nahen Osten haben in den vergangenen Jahren zwar 20 Milliarden Euro Hilfe von der EU bekommen, sehen aber ihre Hoffnungen auf einen Status als gleichberechtigte Partner der Europäischen Union enttäuscht. Stattdessen hat sich das Gefühl ausgebreitet, von der EU bevormundet zu werden. Erst vier Tage vor dem Treffen von Barcelona hatte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso mit kraftvollen Worten jenen Ländern, die besonders tief greifende Reformen durchsetzten, aus einem gesonderten Finanztopf reichlich Belohnung versprochen.

Der algerische Minister Abdelaziz Belkhadem sprach aus, was auch seine Kollegen umtrieb. »Wir finden es manchmal demütigend, wenn uns die Europäer sagen 'Wenn ihr Reformfortschritte macht, dann geben wir euch ein paar Euro'«. Und er wetterte: »Sie sollen doch ihre Euros für sich behalten.«

Spätestens als sich von den zehn geladenen Staats- und Regierungschefs der arabischen Mittelmeerstaaten nicht weniger als acht wegen schlechter Gesundheit oder anderer dringender Staatsgeschäfte entschuldigen ließen und rangniedere Chargen in der ersten Reihe Platz nehmen ließen, wurde gemutmaßt, die Chefs wollten den Eindruck vermeiden, auf den Finanzdruck der EU einzuknicken. Der Gipfel löste bei den Gästen aus den arabischen Ländern keine Begeisterung aus: Sie verließen Barcelona ohne ein einziges Wort.

 
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    • Quelle (c) ZEIT online/dpa, 28.11.2005
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