rock Jacketts aus, Krawatten abSeite 2/2

An dieser Stelle muss deshalb noch einmal gefragt werden: Warum wird alles, was seine Wurzeln im Vertrauten hat, so heruntergemacht? Wir mögen es, wenn Bands nach den Achtzigern klingen – so sie sich, wie Maximo Park, besser anhören, als alles, an das wir uns aus den Achtzigern erinnern können. (Und übrigens auch besser klingen als Bloc Party, mit denen sie immer in einem Atemzug genannt werden.) Wir mögen es, wenn Bands nicht gelangweilt über ihre Mikrofone in die Menge glotzen. Wir mögen es, wenn schlaksige Briten ihre Jacketts ausziehen, die Krawatten ablegen und sich nach jedem Applaus brav bedanken.

Die Menge in Hamburg tobte schon, als Smith sie in den Tonrausch von Limassol stürzte. Die Leute kannten, was sie da hörten, und sie kannten es eben nicht aus den Achtzigern. Harter Rhythmus, klare Melodie, mitreißender Gesang und dann diese Texte. Selbst wenn die Band genau weiß, warum sie so fabelhaft ist, und diese Attitüde in dem kleinen Club in L.A. noch ausgestellt hatte: Vor großem Publikum scheinen Maximo Park noch Neues über sich zu erfahren.

Die Bandmitglieder begannen im Verlauf der neunzig Minuten verlegen zu lächeln, sie schienen überrascht, welche Leidenschaft sie auf so viele Menschen übertragen können, vielleicht haben sie zu oft in Amerika gespielt. Und irgendwann muss es dann wohl vorbei gewesen sein mit dem Kunststudentengehabe. Keyboarder Wooller ersparte uns die oscarreife Darstellung eines Menschen unter schwerem Drogeneinfluss aus L.A. und bekam in Hamburg sogar rote Bäckchen. Duncan Lloyd an der Gitarre, Archis Tiku am Bass und Tom English am Schlagzeug strahlten, Paul Smith schlug die Hände vors Gesicht und schrie seine gute Laune heraus. Ausgesprochen luvly sei das Publikum, jubelten sie in ihrem Newcastle-Akzent, bevor sie es mit Going Missing nach Hause schickten. Danke, gleichfalls.

 
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    • Quelle (c) ZEIT online 27.11.2005
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    • Schlagworte Rock | Musik | Jarvis Cocker | USA | Hamburg
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