Luftfahrt Was China wirklich will
Peking möchte 150 Airbus-Maschinen kaufen. Dem Flugzeugbauer öffnet sich ein großer Markt. Doch es droht auch Gefahr. Fachleute warnen, chinesische Ingenieure könnten sich sensible Technik aneignen. Und dann selbst Flugzeuge bauen
China will bei Airbus 150 Flugzeuge kaufen und im eigenen Land zusammenbauen lassen. Zehn Milliarden Euro soll das Geschäft wert sein und dem europäischen Luftfahrtkonzern in Ostasien einen Vorsprung vor der amerikanischen Konkurrenz von Boeing verschaffen. Ein Vorsprung, der die Europäer dereinst ins Hintertreffen bringen könnte: Gegen die chinesische Konkurrenz.
Davor warnt jedenfalls Margot Schüller, stellvertretende Direktorin des Hamburger Instituts für Asienkunde. "Die Chinesen wollen auf allen High-Tech-Feldern zu
global playern
werden. Und sie wollen einen Technologietransfer erzwingen." Deshalb verpflichte Chinas Regierung im Land produzierende ausländische Unternehmen beispielsweise, bei lokalen Zulieferern zu kaufen und
eigene Landsleute auszubilden
. Das Ziel: Chinesische Firmen sollen technisch hochwertige Produkte ohne ausländische Hilfe herstellen können.
Und dann auf der ganzen Welt vermarkten.
Schon schickt sich China an, Europas Autobauern mit einem preiswerten, wenn auch längst nicht gleichwertigen Billigauto Konkurrenz zu machen. In der
Textilproduktion
hat das Land längst eine Spitzenstellung inne.
Folgt nun der Flugzeugbau? "Die Europäer haben gebilligt, was die amerikanischen Behörden Boeing verboten haben, nämlich den Bau eines Montagewerks", warnt Christian Harbulot, Direktor der Pariser Ecole de Guerre Économique. Boeing durfte nur eine Reparatur- und Wartungswerft bei Schanghai bauen. So will Amerika seine Technik vor chinesischem Zugriff schützen.
Doch Airbus lockt ein großer Markt. Immerhin wollen die Chinesen 150 Maschinen der Typen A319, A320 und A321 abnehmen, die teilweise in Hamburg gefertigt werden. Und das soll erst der Anfang sein. "Bisher stellt Airbus nur 27 Prozent der chinesischen Verkehrsflotte, doch seit drei Jahren haben wir 60 Prozent Marktanteil bei den Bestellungen", sagte der Vorstandsvorsitzende von EADS, Noël Forgeard. 2013 soll der Marktanteil von Airbus fünfzig Prozent erreichen.
"Die richtige Frage ist jetzt: Wie kann man sensible Technologien schützen", sagt Schüller. Eine Antwort: Die Kerntechnologie durch Patente schützen. Doch Airbus sei gewarnt: In China gehört dem das Patent, der es angemeldet hat - nicht dem, der es entwickelte.
Die Wirtschaft treiben solche Sorgen offenbar wenig um. Schon konkurrieren der französische Atomtechnikkonzern Areva und sein amerikanischer Wettbewerber Westinghouse um Aufträge für vier neue Kernreaktoren. Will Frankreich den Zuschlag, muss es aber ein "noch attraktiveres Angebot" machen, sagt Chinas Ministerpräsident Wen Jiabao. Beim Preis - und beim Technologietransfer.
- Datum 07.12.2005 - 12:25 Uhr
- Quelle (c) ZEIT online, 6.12.2005
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:




Ja, gebt alles nach China und Indien.
China wird oft als Bedrohung empfunden.
Aber jeder sollte froh sein, daß dieses Land überhaupt fähig ist, sich zu entwickeln.
Vermutlich ist Patenteklau ein nicht zu vermeidendes Übel auf dem Weg zur Konkurrenzfähigkeit.
Mit den Japanern war es nicht anders, die haben auch jahrzehntelang alles abgekupfert und vieles geklaut (ein Deutscher klagt heute noch gegen das Patenteklau durch Sony -> Walkman).
Es gibt nun mal diese Übergangsphase, in der leider nicht alles den puren Regeln des Marktes und des Justizwesens entspricht.
Eine totale Kontrolle gibt es nur gegenüber Staaten, die westliche Technologie lediglich importieren, ohne eigene tragfähige Strukturen aufzubauen. Und das ist das schlimmste.
Mit zunehmendem Erfolg werden sich diese Mißstände rasch auflösen, das sieht auch Helmut Schmidt so, der alljährlich in einem Kreis von chinesischen Studenten über die Zukunft Chinas diskutiert.
Bei diesen Diskussionen findet man erstaunlich selbstkritische Aussagen junger Künstler und Ökonomen - und einen großen Willen hin zu mehr Demokratie (das erinnert stark an unsere 60er-Jahre).
Einer der besten Punkte in der Politik Schröders (und stark unterschätzt) war das Rechtshilfeabkommen mit China. An dieser Stelle ausnahmsweise: Danke, Alt(bundeskanzl)er!
Die Modernisierung Chinas sollte uns nur in einer Hinsicht beunruhigen: ökologisch.
Der Markt für Umwelttechnologie wird daher immer wichtiger, und es ist zu hoffen, daß die neue Regierung und die dt. Wirtschaft sich weiterhin stark auf diesem Feld engangieren.
Am besten läßt sich die "Angst vor der gelben Gefahr" aber überwinden durch Kulturaustausch.
Noch vor 30 Jahren wütete in China die Kulturrevolution. Inzwischen kann man ganz tiefe Einblicke in das Land nehmen - und dies weniger durch Leitartikel über Handelsabkommen oder 2-Wochen-Rundreisen nach Peking und Ostküste, als vielmehr durch den chinesischen Film:
China produziert, anders als Hongkong, weniger Martial-Acts und Kung-Fu-Filme, dafür aber sehr viel mehr an kleinen, hochwertigen und anspruchsvollen Independent-Filmen, die die internationale Filmlandschaft (wir alle sind versaut durch Hollywood) auf´s Höchste bereichern.
Ich bin seit einem viertel Jahr restlos begeistert von solchen Kleinoden wie "Not one less - Keiner weniger", "Beijing Bicycle", "The Road Home - Heimweg", oder "Xiaos Weg". Solche Filme sieht man sich am besten in chinesischer Sprache mit dt. Untertiteln an.
Nach solchen Filmen wird man süchtig - das ist wie eine Erlösung von jahrzehntelangem Standard-Brei und Barbarei.
Was so großartige, junge und inzwischen vielfach ausgezeichnetete Regisseure wie Zhang Yimou und Chen Kaige da abliefern an tiefem kulturellem (und ungeschminktem) Einblick in´s Landesinnere, immer stilvoll verpackt in kleine Alltagsdramen, das ist absolut einmalig und dringend zu empfehlen.
Allein ein Film wie "Not one less", gestern erst gesehen, ist bedeutsamer als 1000 Sinologie-Seminare.
Beim bewußten Sehen solcher Filme (der letztgenannte sogar mit Laiendarstellern gedreht - alle phantastisch!) werden ehemals fremde Gesichter plötzlich ganz vertraut.
Und man sieht die Mentalitätsunterschiede als Bereicherung, sieht andere Strategien zur Konfliktlösung, begreift auch, daß Schweigen ein bedeutsamer Teil einer Kommunikation sein kann - und sogar verschiedene Bedeutungen haben kann!
Wie schön wäre es, wenn die ZEIT einmal einen größeren Bericht über dieses tolle Phänomen in der Filmindustrie bringen würde, damit mehr Menschen davon hören.
Warum nur? Das die chinesische Regierung gezielt internationale Patente bricht und kopiert wo sie kann ist bekannt. Sich selbst ohne Grund in eine Haifischgrube zu werfen ist noch nicht mal mehr naiv, oder tolkühn, sondern einfach verückt.
Ein Geschäft mit solchen Nebenbedingungen ist einfach abzulehnen. Wollen Sie Flugzeuge haben, dürfen sie kaufen. Wenn sie welche bauen wollen sollen sie selbst entwickeln. Aber nicht so etwas!
Unsere Firma exportiert selbst anlagen nach China wir Bauen diese aber hier in Deutschland. Wer versucht Kerntechnologie in China aufzubauen gehört Europaweit eingesperrt. Wer mal selbst in dem Land war und gesehen hat wie dort mit Kunden und wenn der Kunde es zuläst mit now-how umgegangen wird sollte das wissen. Ich glaube den Chinesen kein einziges von dem was sie uns versichern und nur wenig von dem was sie unterschreiben!
Ich habe nichts dagegen wenn sich daß Land oder ein anderes entwickelt, aber ein Großteil des Geldes das in China investiert wird stammt aus Europa. Wenn die Wirtschaftblase zusammenbricht und sie wird zusammenbrechen, werden all die schönen Zaubersprüche von Finanzzauberen nicht, aber auch garnichts helfen um den Zusammenbruch zu verhindern.
Das ist eine Schande was manche Wirtschaftbosse sich ausdenken, es ist besser Boing verkauft mehr Maschinen als das wir unser teuer erworbenes Wissen wegwerfen. Ein großteil des Chinesichen Staates ist korrupt bis in den Kern, Ideen und Wissensklau bei Ausländern ist dort Staatlich gefördert. Ich hoffe nur der eine oder andere Manager der mit unserem Wissen schindluder Treibt muss später in China Wohnen, am besten im Tibet, als Tibeter.
Gruß, Ulrich Klakow
Ist doch ganz klar und aus Sicht der Chinesen nur verständlich: westliche Technologie.
Und der größte Teil der westlichen Staaten, bzw. ihre Lenker und Manager, sind willing und dumm genug für ein kurzzeitiges, gutes Gerschäft die Technologieführerschaft den Chinesen auf dem Silbertablett zu präsentieren.
Bestes Beispiel für "Technologietransfer": Transrapid.
Und viele kleinere Firmen, die ihre Technologie mit einem chinesischen Partner teilen mußten, um überhaupt eine Niederlassung eröffnen zu dürfen.
Das CCC (die chinesische Variante vom CE- Zeichen) ist der uneingeschränkte Zugang der Chinesen zu neuen Technologien. Wenn man bestimmte Produkte in China verkaufen oder sogar produzieren möchte, muß man sich diese vorher vom chinesischen Staat CCC- zertifizieren lassen. Diese Zertifizierung beinhaltet einen Besuch von chinesischen Ingenieuren bei der beantragenden Firma (natürlich auf Kosten der Firma), sowie "Prüfung" des Produkts auf seine "Sicherheit" für den chinesischen "Verbraucher". Die "Prüfung" ist natürlich nichts anderes als ein Kopieren der Blaupausen. Wer in China verkaufen oder produzieren will, muss also "die Hosen runter lassen".
Und so wird China, ausgestattet mit billigen und willigen Arbeitskräften, modernen Maschinen und immer stärker ausgestattet mit neuster Technologie, den Weltmarkt aufrollen.
Ein chinesischer Ingenieur verdient als Gehalt etwa das, was in Deutschland ein Hartz IV- Empfänger bekommt.
Soviel zu der Zukunft der "westlichen Staaten".
Die USA haben die Pläne Chinas schon ganz gut erkannt, nur die Europäer stehen mal wieder auf dem Schlauch, weil sie Chinesen bisher nur aus dem China- Restaurant kennen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren