USA Deutsch-amerikanische Belastungsprobe
Die US-Außenministerin will die europäischen Verbündeten angeblich nicht über die geheimen Flüge der CIA aufklären. Laut Washington Post soll auch ein in Neu-Ulm lebender Libanese deutscher Staatsangehörigkeit verschleppt und gefoltert worden sein. Wie viel wusste Otto Schily?
Der Besuch von US-Außenministerin Condoleezza Rice am Montag und Dienstag in Deutschland wird von einem Thema überlagert: Der CIA-Affäre um angebliche Geheimflüge. US-Sicherheitsberater Stephen Hadley kündigte am Sonntag in einem Interview an, Rice wolle bei ihrer Europa-Visite das Thema Geheimflüge und Geheimgefängnisse »ausführlich ansprechen«. Laut Washington Post will sie aber keineswegs umfassend über die Aktivitäten des US-Auslandsgeheimdienstes informieren. Rice wolle vielmehr vermitteln, dass sich die europäischen Regierungen bei dem Thema zurückhalten sollten.
Die Washington Post berichtet weiter, die USA hätten den früheren Bundesinnenminister Otto Schily im Mai 2004 über die heimliche Verschleppung eines Deutschen durch den Geheimdienst CIA informiert. Der damalige amerikanische Botschafter Daniel Coats habe Schily aufgesucht, da die Angelegenheit zu heikel für normale diplomatische Kanäle gewesen sei, meldet die Zeitung unter Berufung auf mehrere Personen, die von dem Gespräch gewusst hätten. Eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums sagte am Sonntagabend der dpa , sie könne »im Moment nicht für die Vorgänger-Regierung sprechen«.
Der US-Auslandsgeheimdienst soll vor zwei Jahren versehentlich einen in Deutschland lebenden Libanesen El-Masri verschleppt haben. Der im bayerischen Neu-Ulm lebende Mann sei an der mazedonischen Grenze aufgegriffen und fünf Monate lang in Afghanistan festgehalten worden. Nach Informationen der New York Times sollte der unschuldige El-Masri durch Schläge und Drogen zu einem Geständnis gezwungen werden. Der damalige Bundesinnenminister Schily soll von dem Irrtum unterrichtet worden sein.
Die Berichte über geheime CIA-Flüge in Deutschland drohen zu einer Belastung für den Berlin-Besuch von Condoleezza Rice zu werden. Die Bundesregierung bestätigte am Samstag die Existenz einer Liste mit mehr als 400 Flügen, aus der sich aber nicht ablesen lasse, ob es sich um geheime CIA-Flüge handelt.
Laut einem Spiegel -Bericht umfasst die Liste 437 geheime Flüge. Danach nutzten allein zwei auf Privatfirmen zugelassene CIA-Maschinen 2002 und 2003 zusammen 137 und 146 Mal deutschen Luftraum oder landeten auf deutschen Flughäfen vor allem in Frankfurt/Main, Berlin und auf der US-Militärbasis Ramstein. Mit solchen Maschinen sollen Terrorverdächtige entführt und in Lager gebracht worden sein.
Ein Sprecher der Bundesregierung bestätigte der dpa die Existenz einer von der Deutschen Flugsicherung nach einer Anfrage der Linkspartei im Bundestag angefertigten Liste. Er betonte jedoch, die Zahlen der Flugüberwachung »geben keinen Hinweis darauf, für welche Auftraggeber solche Maschinen von privaten Fluggesellschaften eingesetzt worden sind, noch geben die Daten der Flugsicherung irgendeinen Hinweis auf die Zweckbestimmung eines Fluges«.
- Datum 01.04.2009 - 07:37 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT online, 5.12.2005
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Da unsere bundesdeutschen Beteiligten an den Machenschaften der CIA offenbar zu keiner Lösung der Vorgänge in der Lage sind, hier ein konstruktiver Vorschlag:
Rice direkt fragen, wann genau der letzte Flug stattgefunden hat und danach sofort! klarstellen, dass das auch der letzte Flug gewesen ist. Sofern die Dame überhaupt satisfaktionsfähig ist.
Es ist weniger Merkels Malaise als die ihrer Besucherin Condi R. Sie ist es, die sich tief in der Bredouille befindet.
Wenn sie tatsächlich "die" elitäre Vetreterin des schwarzen Amerika ist, für die viele sie ja halten, könnte sie ihrem Land ("God bless America") und seinen Demokraten einen einmaligen Dienst erweisen: im Ausland von ihrem Posten zurücktreten - aus Scham für die Handlungen ihrer Regierung (siehe Artikel von M. Naumann).
Wer hätte das gedacht?
Unsere amerikanischen Freunde sind doch Schlitzohren.
Einerseits wird massiv Kritik an Entführungen im Irak geübt und gleichzeitig wird klar, dass die Amis auch vor Entführungen nicht zurück schrecken.
Frau Merkel wird hier Position beziehen müssen.
Wer hätte das gedacht?
Geheimgefängnisse, Folterkammern, ...
Wer hätte das gedacht?
Und das in Amerika, dem Vorzeigestaat von Freiheit und Gerechtigkeit. Dem Staat, der sich als Weltpolizei immer wieder positioniert.
Frau Merkel wird also sofort außenpolitisch zu einer klaren Meinung und zu klaren Handlungen gefordert!
Wer hätte das gedacht?
Menschen, die unvorbereitet in einen rechtsfreien Raum entführt werden können sich nicht selbst wehren. Umso mehr müssen sich diejenigen, deren Aktionsmöglichkeiten nicht eingeschränkt sind, mit Mut und Standfestigkeit dafür einsetzen, daß Festnahmen ohne richterlichen Haftbefehl und rechtswidrige Behandlung von Gefangenen in geheimen Verhörzentren unterbleiben müssen.
Diese Prinzipien gelten auch für die U.S.A. und Ihre Verbündeten. Sie müssen durchgesetzt werden. Mit Mut und Standhaftigkeit. Und immer wieder neu.
In einer Zeit, in der Ausweitungen des Handlungsspielraums der Exekutive an der Tagesordnung gehören ohne eigentlich wirklich rechtlich Legitimierung zu erfahren, fällt es immer weniger auf, wie gravierend gegen Grundsätze von Verfassungen verstoßen wird. Dabei muss nichteinmal ein begabter Jurist sein Wissen anwenden, verfassungswiedriges Handeln von Regierungen dürften nunmehr selbst einem Leihen bei der einfachen Betrachtung des Grundgesetzes auffallen!
Sollte es also stimmen, dass die deutsche Regierung um die Entführung des Libanesen gewusst hat, dann hat sie sich folgendem schuldig gemacht:
1. Verstoß gegen Art. 1 GG: Die Würde dieses Menschen wurde im Mitwissen der Regierung verletzt, die staatliche Gewalt hat nicht unternommen um die Würde dieses Menschen zu schützen.
2. Verstoß gegen Art. 2 GG: Die Handlungsfreiheit dieses Menschen wurde verletzt und nicht verteidigt.
3. Weiterhin wurden auch die Grundsätze des Völkerrechts, welche nach Art. 25 GG Bestandteil des Bundesrechts sind, großzügig ignoriert.
Das wirft die Frage auf, wieviel uns unsere Verfassung eigentlich wert ist. Auch der Bürger, dem derartige Verstöße auffallen, ist in Deutschland weit davon entfernt tatkräftig einzugreifen und den Rechtsbrüchem Einhalt zu gewähren.
Dann wäre da noch Europa. Gerade in der EU, wo ehemals nationale Kompetenzen durch völkerrechtliche ausgetauscht wurden, ergibt das kein homogenes Bild und stellt die Glaubwürdigkeit des in Zukunft sehr wichtig werdenden Instruments des Völkerrechts zusätzlich in den Schatten.
Martin David
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