Entführung Kriminelle Hintergründe?

Sicherheitsexperten sehen im Entführer-Video eher die Handschrift von Gangstern als von politisch motivierten Tätern

Der irakische Präsident Dschalal Talabani will sich persönlich für die Befreiung der deutschen Geisel im Irak einsetzen. Das kündigte Talabani in der Neuen Osnabrücker Zeitung am Donnerstag an. »Wir wollen so schnell wie möglich herausfinden, wo sie sich aufhält, um sie aus der Gewalt der Extremisten zu befreien«, sagte der Präsident. Er verurteilte die Entführung der deutschen Archäologin Susanne Osthoff auf das Schärfste. Ziel der Extremisten sei, den Wiederaufbau des Landes und den Demokratisierungsprozess im Irak zu zerstören.

Deutsche Sicherheitsexperten zweifeln jedoch an, dass es sich bei den Entführern um islamistische Terroristen handelt. Das der ARD übermittelte Video sei völlig untypisch für ein Bekennervideo von Extremisten, berichtete die Süddeutsche Zeitung . Nach zwei Tagen Prüfung hätten Sicherheitsexperten das Band als »improvisiert« und »eher schlicht« charakterisiert. Es könne deshalb sein, dass es sich bei den Entführern Osthoffs um Gelegenheitstäter handele. Im Irak versuchten viele Kriminelle, durch Aufsehen erregende Aktionen in den Kreis des mutmaßlichen Terroristen Abu Mussab al-Sarkawi zu kommen, auch um Beute - Geld und Waffen - gegen westliche Geiseln zu tauschen.

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Auch der Irak-Experte und Professor an der Berliner Humboldt-Universität, Peter Heine, vermutet einen kriminellen Hintergrund. »Das von der ARD veröffentlichte Standbild sieht mir nicht nach einer radikalislamischen Gruppe aus, eher nach Gangstern, die Geld erpressen wollen unter dem Vorwand des Patriotismus«, sagte Heine am Donnerstag der Berliner Zeitung . An der Wand seien keinerlei Zeichen wie Kalligrafien oder Fahnen zu sehen gewesen. Sollte es eine Lösegeldforderung geben, könne er nur raten, »schnellstmöglich zu zahlen, sonst könnten die Kidnapper nervös werden«.

Nach Informationen des Tagesspiegel haben die Entführer möglicherweise Hinweise von Terrorsympathisanten in den irakischen Sicherheitskräften erhalten. Osthoff habe den Behörden mitgeteilt, wann und wohin sie fahren wollte, berichtete die Zeitung unter Berufung auf deutsche Sicherheitskreise. Das Ziel sei eine Ausgrabungsstätte gewesen, die etwa 300 Kilometer von Bagdad entfernt liegt. »Nachdem ihre Reise angekündigt war, konnte sie leicht ausgespäht werden«, hieß es weiter.

Von der am vergangenen Freitag verschleppten 43-jährigen Osthoff und ihrem irakischen Fahrer fehlt weiter jede Spur. Im Auswärtigen Amt in Berlin tagte am Mittwochabend erneut der Krisenstab. Man stehe weiterhin in Kontakt mit allen relevanten Stellen im Irak, hieß es.

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