"Wir haben alle nur eine Spielzeit und alle sind wir immer nur auf der Durchreise." So hieß es in Hanns-Dieter Hüschs Stück "Ausflügler". Hüschs Reise ist zu Ende - er ist angekommen. In der Nacht zum Dienstag starb er in seinem Haus in der Nähe von Köln. Still geworden war es um ihn, seit er sich 2001 von den Folgen eines Schlaganfalls nicht mehr recht erholen konnte. Einzig und allein die von treuen Fans betriebene Website www.huesch.info hielt gelegentlich über den Gesundheitsstand auf dem Laufenden; das Gästebuch der Website läuft derzeit mit anrührenden Kondolenzbeiträgen voll. Hanns Dieter Hüsch, 1998© Achim Scheidemann dpa/lnw BILD

Hanns-Dieter Hüsch entschied sich schon Ende der 40-er Jahre für eine Laufbahn als praktizierender Humorist. Bedenkt man, welche gesellschaftlichen Zwänge zu jener Zeit herrschten (Kind, du musst doch studieren!), wird klar, dass dies eine mutige und bisweilen wohl auch einsame Entscheidung gewesen sein muss und dass eiserner Willen und Gottvertrauen in die eigenen Talente dazu gehören. Heutzutage kräht es an allen Ecken nach „Comedy“, es braucht weder besonderes Talent noch Durchhaltewillen, um binnen kurzer Zeit ein großes Fernsehpublikum zu erreichen. Das war seine Art nicht. Hüsch hat es stets auf die altmodische Weise gemacht, die da heißt: Ochsentour - auch wenn er dies selbst nie so empfunden haben mag. Mit über 70 Solo-Programmen tourte er kreuz und quer durch Deutschland, nicht selten mit 200 Vorstellungen pro Jahr, brachte Menschen zum Lachen und zum Weinen.

Was ihn wohl am meisten ausmachte, war eine stupende Beobachtungsgabe, gepaart mit einer unglaublichen Liebe und Nachsicht zu den Objekten seiner literarischen Sezierkunst, welche in erster Linie aus Familienmitgliedern und skurrilen Bewohnern seiner niederrheinischen Heimatscholle bestand. Menschen zum Lachen zu bringen, und zwar auch diejenigen, über die gerade gelacht wird, dieses seltene Talent hatte Hanns-Dieter Hüsch.

Seine Gedichte, Texte und Lieder trafen ins Mark und gerade seine Musik, anfangs oft belächelt, entfaltete mit den Jahren eine hohe Strahlkraft. Über Jahrzehnte hinweg war die treue, stets zart nach vertonten Bratkartoffeln klingende Philicorda-Orgel seine einzige musikalische Begleitung. Hüsch schaffte es, mit einigen wenigen, eiernden Tremolo-Tönen und seiner mal ruhig-sonoren, mal hektisch-aufgepeitschten, sich selbst überholenden Stimme Stimmungsgebäude zu schaffen, von denen die Helmut Zerletts dieser Welt mit ihrem obszön teuren Equipment und ihrer ins pathologische lappenden Lackaffigkeit ihr Leben lang nur träumen können.

Mit den Jahren und mit der Gebrechlichkeit kam eine spürbare Hinwendung ins Religiöse, was nicht jedem gefiel. Doch Hüsch war mit Sicherheit kein Missionar. Sondern ein praktizierender und Toleranz lehrender Christ, der sich für Menschlichkeit einsetzte und wider das Rechthaben um jeden Preis. Er lehrte, doch er war kein Oberlehrer. Er war, so sagen die Juden „a Mensch“.

Nun ist er mit dem Nikolaus mitgegangen. Möge sein Plan, mit dem lieben Gott in Dinslaken eine Wäscherei zu eröffnen, in Erfüllung gehen.