CIA-Affäre "Recht im Anti-Terrorkampf einhalten"

Bundeskanzlerin Merkel will mit Amerika gegen den Terror kämpfen. Aber internationales Recht müsse eingehalten werden. Zwei CIA-Gefängnisse sollen erst kürzlich aufgelöst worden sein. US-Außenministerin Rice sieht in heimlichen Gefangenentransporten kein Problem

Neue Berichte über Geheimgefängnisse des amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA in Europa überschatten den Besuch von US-Außenministerin Condoleezza Rice in Deutschland an diesem Dienstag. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte nach dem Gespräch mit Rice, das internationale und deutsche Recht müsse im Kampf gegen den Terrorismus eingehalten werden. Wenn dies geschehe, sei dies eine »gute Grundlage« für die Zusammenarbeit insbesondere der Sicherheitsdienste Deutschlands und Amerikas. Rice sagte, dass sich auch die USA zur Einhaltung des Rechts bekennen. Dies schließe insbesondere das Folterverbot ein. Ähnlich wie in den Vortagen betonte Rice aber auch die Herausforderung, die aus Sicht der amerikanischen Regierung vom internationalen Terrorismus ausgehe.

Außenminister Steinmeier beauftragte Merkel, der Parlamentarischen Kontrollkommission im Namen der alten Regierung Bericht über den Fall des vermutlich von der CIA verschleppten Deutschen al Masri zu erstatten. Dieses Gremium sei der richtige Ort, um die Hintergründe des Falls zu erörtern, sagte Merkel.

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Der amerikanische Fernsehsender ABC berichtete unterdessen, zwei geheime Gefängnisse in Polen und Rumänien seien erst wenige Tage vor der Europa-Reise von Rice geschlossen worden. Der Sender beruft sich auf Berichte ehemaliger und derzeitiger CIA-Mitarbeiter. Danach sollen elf mutmaßliche Mitglieder des Terrornetzwerkes al-Qaida aus Osteuropa in die Wüste eines aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannten nordafrikanischen Landes verlegt worden sein.

ABC berichtet weiter, die CIA habe jeden Kommentar zu dem Bericht abgelehnt. Das polnische Verteidigungsministerium habe die Informationen als unwahr zurückgewiesen. Die rumänische Regierung wolle eine Untersuchung einleiten. Nach Informationen von ABC soll im März 2002 das erste Geheimgefängnis der CIA in Thailand eingerichtet worden sein. Terrorverdächtige seien auch nach Ägypten, Jordanien, Marokko und Syrien geflogen worden.

Rice hatte am Montag verteidigt, dass die Vereinigten Staaten Terrorverdächtige mit geheimen Flügen in verschiedene Länder transportieren. Sie machte aber keine Angaben darüber, ob die Berichte über die geheimen Gefängnisse in Europa zutreffen.

Der ehemalige Innenminister Otto Schily gerät derweil immer weiter in Bedrängnis. Sowohl Regierungs- als auch Oppositionspolitiker forderten ihn auf, über seine Rolle in der Affäre aufzuklären. Nach einem Bericht der Washington Post soll der amerikanische Botschafter Daniel Coats Schily im Mai 2004 darüber informiert haben, dass die CIA den Deutsch-Libanesen Khaled El-Masri heimlich verschleppt und gefoltert habe.

Nach einer von Rice auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews (Maryland) abgegebenen Erklärung werden geheime Gefangenentransporte seit Jahrzehnten nicht nur von den USA, sondern auch von anderen Nationen durchgeführt. Sie seien unter dem internationalen Recht zulässig und entsprächen der Verantwortung der Regierungen, ihre Bürger zu schützen. Auf diese Weise gesammelte geheimdienstliche Informationen hätten Terrorattacken verhindert und Menschenleben gerettet, nicht nur in den USA, sondern auch in Europa. Andere Regierungen müssten selbst entscheiden, ob sie mit den USA bei der Verhinderung von Terrorattacken zusammenarbeiten wollten, »und wie viel an heiklen Informationen sie publik machen können«.

Entschieden bestritt Rice, dass die USA Folter zuließen. Sie benutzten »aber jede gesetzesmäßige Waffe«, um die Terroristen zu besiegen und Menschenleben zu retten. »Die USA nutzen weder den Luftraum oder die Flughäfen irgendeines Landes zum Transport eines Gefangenen in ein Land, wo er oder sie gefoltert wird.«

Im Fall El-Masri ermittelt seit Sommer 2004 die Münchner Staatsanwaltschaft wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Nötigung gegen Unbekannt. El-Masri war den Angaben zufolge nach fünf Monaten freigelassen worden, nachdem sich eine Namensverwechslung herausstellte. Die Affäre wird demnächst auch den Bundestag beschäftigen. FDP-Generalsekretär Dirk Niebel sagte, dass der damalige Kanzleramtschef Steinmeier und der frühere Außenminister Joschka Fischer (Grüne) nicht informiert worden seien, glaube "kein Mensch". Die FDP will Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) anhören. Entsprechende Anträge für die Sitzungen von Innen- und Justizausschuss am 14. Dezember seien am Montag gestellt worden.

 
Leser-Kommentare
    • orplid
    • 06.12.2005 um 11:02 Uhr

    joergstefan, was ist denn da gemeint? Ich bewundere Sie, dass Sie scheinbar eine "Werteskala" zum Ablesen von "Gut und Böse" Ihr eigen nennen! Wenngleich es offenbar wird, dass Sie nicht wissen, wie herum man diese halten und ansetzen sollte!

  1. Wenn der ehemalige Innenminister Schily tatsächlich von der Verschleppung und Misshandlung von Gefangenen wusste und nichts gesagt hat, offenbart er damit ein zweifelhaftes Rechtsverständnis. Allerdings ließ bereits der so genannte "Otto-Katalog" Zweifel an seinem Demokratieverständnis erkennen. Dafür ist er in Washingtoner Regierungskreisen der beliebteste deutsche Politiker - das ist doch immerhin etwas.

    • orplid
    • 05.12.2005 um 19:42 Uhr

    Nun ist es also klar: Es gibt Gefangenentransporte. Es gibt Folter. Es gibt die Rechtfertigungen aus Gründen der "eigenen Sicherheit", "Schutz" der Bürger u.s.w. (ekelhaft). Selbst ein Teufel der annimmt, dass die USA damit begonnen haben… doch wer wars´und wer bitte, kann noch zur Rechenschaft gezogen werden – der, der damit begann oder die, die es heute noch tun?
    Es gibt die Menschen, die ihre "eigene Sicherheit" so weit missachten, dass sie Entführung und Folter strikt ablehnen. Es gibt Menschen, die "noch" an Recht glauben und dafür einstehen. Doch haben diese Menschen noch die Mehrheit? Oder sollten sie doch besser verrohen und ebenso kriminell werden wie diese verkommennen Subjekte, die nur mit einem Lächeln über ihre Greueltaten hinweg sehen. Was braucht ihr noch, um aus euren Mauselöchern zu kriechen?

    • Vezina
    • 06.12.2005 um 15:48 Uhr

    Rice lügt so dreist, dass die transatlantische Balkan sich biegen.

  2. Wer mit soviel Deutschlanderfahrung wie Condoleeza Rice ausgestattet ist, muss sich natürlich ganz und gar keine Sorgen machen, hier mit allzu viel Kreuzverhörfragen konfrontiert zu werden.
    Wahrscheinlich werden die Vereinigten Staaten versprechen, im WM-Jahr 2006 besonders grosszügig mit der Weitergabe von Geheimdienstinformationen zu sein und damit sogar richtig punkten wollen.
    Gute Voraussetzungen also für einen CIA - Condoleeza's interessanten Auftritt.

  3. ach und das hat uns nun alle soo gewundert. Ich weiss nicht was an diesen nachrichten so mitreisend sein soll. Was soll man den tun wenn die eigenen bürger und das land bedroht werden, warten bis etwas passiert und sich dann das genöle der betroffenen anhören und sich auch noch vorwürfe wegen versäumnissen machen lassen? Natürlich wäre es schoener wenn es ohne folter gehen würde und noch besser wenn alle sich lieb hätten. Nein ich kann nicht sagen dass es richtig ist zu foltern und zu kidnappen. die menschen denen soetwas widerfährt, haben unser vollstes mitgefühl verdient. es bleibt nur zu bedenken dass diese methoden vielleicht doch leben schützen, auch wenn sie unschuldige in mitleidenschaft ziehen und fehler entstehen wenn unter zeitdruck ermittelt wird. terroristen ist es halt auch schwer beizukommen, und obwohl sie sich nicht als soldaten öffentlich ausgeben, sind sie als solche trainiert worden und würden nicht zögern zivilisten zu töten und die freiheit anderer massiv einzuschränken. es ist eine extrem komplexe Situation für eine rechtsstaat und als bürger würde man sich natürlich wünschen dass der staat trotz dieser problematik seine rechte achte und eine saubere weste behielte. Schön wär's ja schon ich aber noch viel besser ist es zu wissen, dass einige denen wir unsere sicherheit und die des staates anvertraut haben auch kompromisse eingehen, ihr eigenes ansehen und ihre karriere auf's spiel setzen um eben dieses best möglich zu schützen. in dieser hinsicht hat man es mit patrioten zu tun die alles auf's spiel setzen obwohl sie keine aussicht haben selbst davon zu profitieren. das wir erwarten dass nur der innenminister bescheid wusste ist ist eine unverschäntheit, wozu sollte man denn einen solchen staatsapparat finanzieren wenn brisante informationen beim innenminister versumpfen, ich hoffe mein kanzler hat davon gewusst und ich finde es richtig dass er sich zur diskretion entschieden hat. Denn sonst wäre ja nur wieder rumgenölt worden, deutshcland hätte nach pisa einen weiteren bauchnabel gefunden, in dem es popeln können um sich mies zufühlen und halt zu nölen. denn genölt wird jetzt auch werden, und wie, bis wir halt auch einpaar busse mit hackfleisch beklagen können, und dann werden die vorwürfe kommen ob man den nichts hätte tun können aber dann wird gefragt werden wie lieb man sein kann.

    • orplid
    • 06.12.2005 um 10:51 Uhr

    Ich war noch recht jung, da ertönte es ringsum: "Ami go home" – ja, ich erinnere mich noch… Heute möchte ich hinzufügen: "And please, stay there!"
    An einem denkwürdigen Tag wie heute erscheint mir das wie ein Stoßgebet. Dabei bin ich gar nicht gläubig – oder doch? Wie sollte ich denn sonst all das ertragen?
    Während ich hier völlig wirr meine tatsächlichen Ängste zu vertreiben versuche, wird anderenorts der Balz- und Totentanz der Marionetten und Kolaborateure getanzt. Ekelhaft!

  4. "Nun ist es klar"--so lautet letzterer Brief eines Kommentators wiedermal, ohne uns die Beweise vorzuzeigen. Hat er/sie Zugang zu heimlichen Protokolle der CIA, des BND, des Weissen Hauses, des Pentagons? Gute Frage! Welche Quellen hat er/sie? Ach ja, die "Post", die sich allerdings auch heimliche Quellen beruft. Schily sollte sich nicht auf die "Washington Post" verlassen, die Leserschaft dieses Blattes auch nicht. Mal abwarten, bis Ausschuesse hueben/drueben mal was vorzuzeigen haben, dann ran an die politischen Dimensionen. Ausserdem muss man in diesem Falle grundsaetzliche Fragen stellen u. beantworten muessen im Sinne einer Definition von Folter und Durch-und Ueberflugsrechte per NATO bzw. internationale Vertraege.

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