Demografie Im Schoß des Hörsaals
Frauen sollen schon während des Studiums Kinder bekommen. Dann haben sie später Zeit für die Karriere, und leisten dennoch ihren reproduktiven Beitrag zur Gesellschaft
Zum Glück ist bald Weihnachten, dann darf man sich wieder etwas wünschen. Die deutsche Familienpolitik zum Beispiel wünscht sich mehr Kinder. Und weil der Weihnachtsmann diesen Wunsch kaum persönlich erfüllen wird, müssen neue Quellen her.
Eine besonders schöne Idee stammt aus dem zuletzt noch von Renate Schmidt geführten Familienministerium: Man hat das noch fast ungenutzte Gebärpotential der Studentinnen entdeckt. Warum nicht Kinder kriegen, wenn das Studium gerade angefangen hat? Die Idee trägt den Namen Twenty Mom, Mutter mit zwanzig, und sie bricht mit der Vorstellung, dass Akademikerinnen naturgemäß später Nachwuchs bekommen als andere, weil zu aller erst mal der Abschluss dran ist.
Wir müssen diese Erst-Mal-Mentalität überwinden, die vor das Kind erst mal Berufseinstieg, Hausbau, Heirat und ein großes Finanzielles Polster setzt, so gab es Renate Schmidt den künftigen Akademikerinnen mit auf den Weg. Mittlerweile hat sie ihren Posten für Ursula von der Leyen geräumt jene Frau, die nicht nur Vereinbarkeit von Beruf und Familie fordert, sondern auch noch vorzuleben scheint, dass ein Erst mal gar nicht nötig ist: Von der Leyen hat auf ihrem Weg zu drei akademischen Titeln und im Zuge einer steilen politischen Karriere sieben Kinder zur Welt gebracht.
So ähnlich sollen es nun also die jungen Studentinnen machen, und dieser angestrebte kulturelle Wandel interessiert nicht nur die Politiker: Demografen, Sozialwissenschaftler und Statistiker trafen sich kürzlich unter dem Motto Ihr Kinderlein kommet an der Universität Hohenheim, und auch hier wurde das Konzept der Twenty Mom kontrovers diskutiert.
In der Debatte über Vereinbarkeit von Beruf und Familie treten wir auf der Stelle, sagt Kathrin Dressel vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Es wird viel geklagt, aber der große Ruck bleibt aus. Das Hauptproblem liegt ihrer Ansicht nach in der so genannten Rush-Hour mit Anfang Dreißig. Innerhalb weniger Jahre müssten sich Akademikerinnen einen Partner suchen, sich im Beruf etablieren und beides dann noch mit der Geburt der Kinder unter einen Hut bringen. Die Konsequenz: Die Frauen verzichten zugunsten der Karriere schließlich ganz aufs Kind - oder sie steigen zum Wohl der Familie dann doch aus dem Beruf aus.
Einen Ausweg aus dem Dilemma sehen auch Dressel und die Direktorin des IAB, Jutta Allmendinger, in der vorgezogenen Mutterschaft der besagten Twenty Mom. Die beiden Wissenschaftlerinnen entwickelten die Idee der gewonnenen Jahre: Da Frauen immer älter werden, haben sie, wenn sie mit 60 in Rente gehen, noch 20 Jahre vor sich ungenutzte Zeit, die sich umverteilen ließe, um den gedrängten Lebenslauf zu entzerren. Etwa, indem Frauen später länger arbeiten und das Kinderkriegen nach vorne ziehen am besten ins Studium hinein. Wer dann nach den ersten Jahren der Mutterschaft in den Beruf eintrete, sagt Kathrin Dressel, habe die sehr zeitintensive Phase hinter sich. Die Frauen seien befreit von dem Druck, die Familiengründung noch irgendwie unterbringen zu müssen, und träten mit gerade abgeschlossenem Studium und darum frischen Qualifikationen auf den Arbeitsmarkt. Das ist ganz klar ein Wettbewerbsvorteil.
- Datum 01.04.2009 - 07:37 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT online, 6.12.2005
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... aber in Zeiten knapper Kassen wirklich ausführbar?
In Zeiten in denen immer öfter von Studiengebühren geredet wird kann ich mir das kaum vorstellen.
Man bedenke das Kinderbetreuung in unserem Land ein Job von maximal 8 - 16 Uhr ist.. wie und wann man studieren will kann man sich oft kaum aussuchen, vor allem nicht wenn man das Studium in einer moderaten Zeit schaffen will. Man kann ja auch mal von 8 - 10 Uhr Vorlesung haben und von 20 - 22 Uhr, wer schaut denn da aufs Kind? Den ganzen Tag unterwegs, lernen, Kind erziehen usw.... also ich will das keiner Frau zumuten... wenn jemand der Meinung ist er schafft das, okay, aber in meinen Augen ist es nicht durchführbar und den Kindern gegenüber verantwortungslos.
ist maßgebend. Die bei uns propagierte "Fun"- Gesellschaft lacht doch jeden aus, der sich angeblich zu früh oder überhaupt mit Kindern "belastet".
Soviel Geld verdienen wie möglich und sich anschließend damit amüsieren auf Single- Kreuzfahrtsschiffen, auf Club- Urlauben, Abenteuerreisen mit dem Rucksack in Nepal, Sex- Urlauben in Thailand (oder anderswo) oder zum Betrinken auf Mallorca / Ibiza. DAS ist doch das wahre Leben! So wird es uns jeden in der Werbung suggeriert: konsumieren und Spaß haben! Alle anderen sind Spießer, die sich ihr Leben durch übernahme von Verantwortung "versauen".
Was die Kinder angeht, sind die Frauen von der Natur nunmal dazu auserkoren worden die Babys in die Welt zu setzen. Das läßt sich auch von Feministinnen nicht aus der Welt schaffen. Aber man muß als Gesellschaft die Leistung der Frauen (und ihrer Männer natürlich)anerkennen und unterstützen, weil sie diese Leistung für die gesamte Gesellschaft erbringen. Denn alle profitieren von Kindern. Die Älteren (weil jemand für ihre Rente arbeitet), die Industrie (weil neue Konsumenten heranwachsen und Familien mit Kindern (zwangsläufig) mehr und regelmäßiger konsumieren als Singles), Kinderlose, weil Kinder eine Gesellschaft einfach am Leben erhalten. Und die Gesellschaft insgesamt, weil Kinder und Jugendliche Lebendigkeit, Freude und frischen Wind hinein bringen.
Aber solange man als Familie mit Kind(ern) gleich als potenzieller Sozialfall belächelt wird, Vermieter lieber an kinderlose Singles / Paare vermieten, Behörden, Ämter und Gesetze eher Hürden aufstellen als zu unterstützen, solange werden nur Menschen Kinder aufziehen, die wirklich die Kraft haben gegen all dies Anzukämpfen (und das werden immer weniger) oder Menschen, die "ausversehen" Eltern werden.
Dies reicht aber nicht aus, um eine Gesellschaft, eine Volkswirtschaft am Leben zu erhatlen. Sie wird langsam aussterben, was ja in vielen Ländern Europas, besonders in Deutschland auch der Fall ist zur Zeit.
Die Politiker sind also angehalten, die Rahmenbedingungen zu ändern. Kinderlose müssen eben, da sich sich persönlich (als Eltern) nicht engagieren wollen (oder auch nicht können), finanziell beteiligt werden, da auch eben sie von den Kindern anderer profitieren.
Das Grundrecht mag einem vllt. keiner absprechen, aber das Wort Pflicht geht doch ein wenig zu weit. Was Frauen nämlich von dieser Pflicht halten, sieht man in der Geburtenstatistik. 30 Jahre Frauenbewegung haben ihre Spuren hinterlassen, die Frauen denken Lebensorienterter, sind selbstbewusst geworden, möchten auch die Dinge erreichen, die ihnen bisher vorbehalten waren. So haben Schichten berufstätiger und gut ausgebildeter Frauen Töchter in die Welt gesetzt, die zum Teil noch ein wenig anders denken als ihre Mütter, aber ähnlich selbstbewusste und starke Charaktäre haben - das sind aber junge Frauen, die sich nicht mehr diktieren lassen wann sie ihre Kinder gebären sollen. Da gilt das Prinzip: wenn es in die Lebensplanung passt, dann wirds was, wenn nicht, dann eben nicht.
Die Gesellschaft hingegen hat einen Schritt in eine verherende Richtung gemacht, weil eine fast schon kinderfeindliche Stimmung innerhalb der Wirtschaft entstanden ist. Der Staat hilft dabei auch noch, indem die gegenbeneen Rahmenbedinungen alles andere als kinderfreundlich sind. Ich respetiere daher jede Frau, die unter diesen Vorraussetzungen sich dennoch den Kinderwunsch erfüllt, einfach wirds jedenfalls einem nicht gemacht und wenn das weitergeht, dann wirds düster.
Wieso sind immer nur die Frauen gefragt? Die Entscheidung für ein Kind kann eine junge Frau leider nicht allein treffen. Dazu gehört vor allem eine funktionierende Partnerschaft und ein Partner, der sich auch für ein KInd eintscheiden würde.
Wenn sich durch diese Debatte die Männer angesprochen fühlen, dass ein Kind auch ohne guten Job und fertig gebautes Haus in die Welt kommen kann, dann begrüße ich das.
Bekommt Kinder, wann ihr dafür bereit seid..
Und wenn es mit Kind und Karriere nicht so klappt, weil mal wieder die Betreuuungsmöglichkeiten fehlen, geht doch nach Frankreich oder Skandinavien.
Damit wird der Wunsch vielleicht erfüllt und in Frankreich lebt es sich sowieso entspannter, oder?
Der Staat hat dass zwar wieder nix davon, aber man führt vielleicht ein glückliches, selbstbestimmtes und erfülltes Leben. Ob mit Kind oder ohne. Darauf kommt es doch am meisten an.
Der reproduktive Beitrag zur Gesellschaft?
Und welchen Beitrag gibt die Gesellschaft der Frau?
Ich habe keine Kinder, und will auch keine, ist mir zuviel Arbeit alleine[1] und auf Armut habe ich auch keine Lust.
Cinnamon
[1] Ich wuerde mich garantiert nicht darauf verlassen das the Vater zu gleichen Teilen hilft. Das wird zwar immer an Anfang so geplant, aber das ist leider nicht die Realitaet, und dann bleibt es halt ebend an der Frau kleben. Wenn ich mich schon selbst sabotiere, dann garantiert nicht mit sowas.
...und zwar durchaus auch aus den im Artikel genannten Gründen. Allerdings muss man dazu den richtigen Partner haben, was in diesem Alter eine Rarität ist und es muss beiderseits ein Kinderwunsch bestehen. Wir bekommen bald unser drittes Kind, mein Mann promoviert gerade im letzten Jahr. Bei Nr. 1 war ich im 3. Semester BWL an einer FH, mittlerweile bin ich im 11. Semester (habe allerdings auch nie ein Urlaubssemester genommen bislang) und werde voraussichtlich noch locker 2 Jahre brauchen bis ich mit all meine Diplomprüfungen fertig bin. Das ist ein Aspekt, der in diesem Artikel leider überhaupt nicht zur Sprache kam: Das Studium verzögert sich sehr, sicher auch weil gerade angehende Akademikerinnen um die Bedeutung des Stillens und des Bedürfnisses des Kleinstkindes nach Mutternähe wissen. Ich bekomme meine Kinder ja nicht als Programmpunkt, der abgehakt werden kann, sondern weil ich mit ihnen leben will.
Gefehlt hat mir in diesem Artikel aber auch die Erwähnung der, auch fürs Studium und späteren Job, wichtigen Talente,
die man als studierende Mutter so erfährt: Man entwickelt sich zwangsläufig zum Profi im Organisieren, Delegieren, Führen, Durchsetzen und nicht zuletzt im nächtlichen Arbeiten!
Also, ich würde mich freuen, bald nicht mehr die einzige (Mehrfach-)Mutter in meinem Fachbereich zu sein. Leicht ist es aber sicherlich nicht, das muss jedem vorher klar sein.
Ob man es später von der Arbeitswelt gedankt bekommt, bleibt abzuwarten. Ich werde berichten;-).
Annanas
Anstatt hier eine Debatte darüber zu führen, ob Studentinnen im Studium Kinder kriegen sollten oder nicht (ich denke, dass wird jede für sich am besten in ihrer ganz persönlichen Lebensituation entscheiden müssen und können), sollte man lieber über den IST-Zustand nachdenken -denn, es gibt sie schon! Ja, tatsächlich, auch ohne dass Poltiker es ihnen gesagt haben...
Man sollte die Diskussionsenergie lieber darauf verwenden, wie man Studenten mit Kind unterstützen kann, anstatt auf poltischer oder sonst welcher Ebene über persönliche Entscheidungen zu entscheiden.
Aber die Bedingungen müssen verbessert werden.
Mehr Ganztagsbetreuung, vor allem kostenlose Ganztagsbetreuung. Anerkennung der Gesellschaft von Ganztagsbetreuung. Keine Studiengebühren für Eltern (die finanzielle Belastung ist nun wirklich hoch genung). Abgemilderte Prüfungsbedinungen was Fehlzeiten (Krankheiten des Kindes) angeht, usw. usf.
Ob oder ob nicht - wie gesagt - persönliche Entscheidung.
Aber allen, die sich dafür entscheiden, sollte es nicht noch schwerer gemacht werden, als es ohnehin schon ist.
Deshalb - verbessert die Bedingungen!
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