Computerspiele

Alles nur ein Spiel?

Die Große Koalition will die so genannten Killerspiele verbieten. Welche Gefahr geht tatsächlich von ihnen aus?

Ein beliebtes und öffentlichkeitswirksames Thema in der Politik ist Gewalt in Computerspielen. Die Horrorszenarien von Amokläufern, die vorher in Counter Strike, Quake und Doom geübt haben, sind wissenschaftlich jedoch umstritten. Nun sollen Killerspiele, die Anfang der 1990er Jahre als so genannte Ego-Shooter erstmals auf den Markt kamen, verboten werden, was die Spieler natürlich ablehnen, sie werfen der Politik Doppelzüngigkeit vor.

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Als Beispiel für einen Zusammenhang zwischen Ballerspielen und realer Gewalt muss oft der Amokläufer von Erfurt im Jahr 2002 herhalten. Reflexartig wurde nach dem Blutbad in einem Gymnasium erst einmal den Computerspielen die Schuld zugewiesen, der Schüler soll Egoshooter gespielt haben, eine leicht auffindbare Homepage mit deutlichen Aussagen diente den Medien als Beleg. Dummerweise war die Homepage von einem Trittbrettfahrer ins Leben gerufen wurde, also ein reines Kunstprodukt. Zwar spielte der Amokläufer auch Ballerspiele, doch in seinem Leben gab es genug andere Faktoren, denen man negative Effekte zugestehen kann.

Dennoch fordern Politiker wie Bayerns Innenminister Günther Beckstein: „Es reicht nicht, solche Spiele nur mit Verleihverboten zu belegen“ ( ZeitZuender ). Sein Zugang zu derartiger Software ist jedoch ein sehr distanzierter, seine Mitarbeiter hätten ihm brutale Spiele gezeigt. „Dass solche Killerspiele die Hemmschwelle gegen Gewalt herabsetzen, ist für mich eindeutig, auch wenn wissenschaftliche Belege hierfür noch umstritten sind“", sagte Beckstein. So einfach wie es der bayerische Innenminister formuliert, sieht es Werner Greve, Psychologe an der Universität Hildesheim, nicht: „Dass Computerspiele die Hemmschwelle herabsetzen ist zu schlicht gedacht. Es ist eine Reihe von Bedingungen, die zusammenkommen müssen.“

Die Resilienz, die Widerstandsfähigkeit des Einzelnen, sei mindestens genau so wichtig wie die Tatsache, dass Gewalt konsumiert wird. Das Zusammenspiel sei entscheidend, die Faktoren stünden nicht allein im Raum - mit einfacher Addition der Risiken käme man nicht weit. Er kennt genügend Beispiele, in denen auch mit Risikomarkern Behaftete niemals auffällig werden. „Auch bei Kindern aus ganz riskanten Milieus reicht manchmal ein Schutzfaktor aus, das kann zum Beispiel ein liebevoller Onkel sein.“ Für ihn sind diese protektiven Faktoren entscheidend: „Man muss auf Eltern zugehen, ihnen die Wirkungen von Medienkonsum verdeutlichen.“

Daniel Schellhase ist einer der besten Computerspieler der Welt, ein Spezialist für Sportspiele. Vom geplanten Verbot hält er nichts: „Es werden Vorurteile aufgerollt und verallgemeinert. Auch Action- Filme werden nicht verboten, warum wird in der Computerspiel-Branche anders verfahren?“ Für den selbst in einem intakten Umfeld aufgewachsenen Schellhase ist klar, dass es immer wieder Einzelfälle gibt, die nicht klar trennen können. Auch wenn sie existierten, so seien sie doch zu selten, um ein Komplettverbot zu rechtfertigen. Er ist sich sicher: „Die Werte, die man von Zuhause beigebracht bekommt und der Kontakt mit anderen Jugendlichen, das prägt.“

„Eigentlich müsste man nach etwas anderem als einem Verbot suchen“, sagt Psychologe Greve, der dem Vorhaben vor allem symbolischen Charakter beimisst. Ablehnen wolle er es nicht, doch die Wirkung werde falsch eingeschätzt: „Einerseits darf man keine Illusionen haben, dass es irgendetwas bewirkt. Es macht die Sache allenfalls interessant. Andererseits ist das kein Argument, es zu erlauben.“ Nichts vormachen solle man sich in puncto Verfügbarkeit - das Internet ermögliche jedem an die Software zu kommen, die er haben wolle. „Amokläufe wird man durch die Kontrolle des Videospielmarktes nicht verhindern.“

Das geplante Verbot wirkt wie ein hilfloser Versuch, der Jugendgewalt per Gesetz Einhalt zu gebieten. Was für Gesetzgeber und Gesellschaft bestimmt ein einfacherer Weg ist, als sich mit Fehlern im sozialen Miteinander auseinanderzusetzen.

 
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Leser-Kommentare

  1. Als ob jemand ernsthaft davon ausgehen könnte, dass ein Verbot von sog. "Killer-Spielen" Verbrechen verhindern würde. Ich besitze selbst eine auch eine PlayStation und wenn ich Spiele wie "GTA: San Andreas" spiele, bekomme weder ich noch jemand der dabei zusieht Mordgedanken.
    Eine so einfach zurechtgestrickte Begründung für die zunehmende Verrohung unserer Gesellschaft ist schon nicht mehr lächerlich, sondern eher fahrlässig.
    Ich erinnere mich dunkel (natürlich nicht aus meinem persönlichen Erlebnissen...), dass es kurz nach dem Erscheinen von Werher`s Leiden auch eine Diskussion über ein Verbot gab, weil sich wohl Leute umgebracht haben(ist aber mehr Halbwissen).
    Meiner Meinung nach war sowas damals Schwachsinn und wird es immer bleiben...

  2. 2. \N

    Der Amokläufer war auch Mitglied in einem Schützenverein und ist auch vermutlich über diesen an die Waffe gekommen. Werden deshalb jetzt Schützenvereine verboten? Vermutlich wäre Herr Beckstein ja dann auch Risikokandidat...

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