COMEBACKVERSUCH Brutaler, schneller, anders

Zehn Jahre nach ihrem Welterfolg treten die Fugees wieder auf. Wie würden sie ihre alten Hits spielen? Eindrücke vom Auftritt in Hamburg

Die Fugees in Hamburg - hier eine Bildergalerie »

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Das Sensationswerk, wie lang ist es her? The Fugees mit The Score - 1996! "Die Härte des Rap, die Leichtigkeit des Reggae und die Wärme des Soul verschmelzen zu einer verblüffenden Vision schwarzer Musik", so schrieb damals die ZEIT . Die drei Fugeelas gingen nach ihrem Welterfolg Solowege, die Platte blieb.

Im Dezember 2005 kommen Lauryn Hill, Wyclef Jean und Prakazrel "Pras" Michel in der Hamburger Color-Line-Arena wieder zusammen - "Fugees The Reunion Tour 2005". Hurra. Nur eines von zwei Konzerten in Deutschland. Noch in diesem Monat soll auch ein neues Fugees-Album erscheinen. Große Spannung.

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Ein DJ im Rampenlicht. Er rackert sich an den Bässen ab. Die Nackenhaare vibrieren, das Herz vibriert, die Trommelfelle vibrieren. Das Publikum in der viertelvollen Halle murrt, ist unzufrieden. 45 Euro haben die 3500 Leute für eine Karte hingeblättert, das sind fünf Euro pro Jahr Wartezeit auf die Fugees. Oder fünf Euro alle zehn Minuten. Denn mit der Bühnentechnik stimmt was nicht; Lauryn, Wyclef und Pras kommen erst nach anderthalb Stunden auf die Rampe.

Wyclef ist der Erste, ganz in Weiß. Dann Pras, mit Jeans und Baseball-Cap. Lauryn hat seit The Score nie wieder einen Friseur besucht, eine gewaltige Mähne trägt sie, das ist schlecht für die Seitenränge und die hinteren Reihen. Sie hat ein kleines Pelzjäckchen und Hosen mit Stilettos an. Um die Hüften ist rotweißes Berbertuch gewickelt, das sie immer wieder richten muss. Sie tritt erst beim dritten Stück des Abends in Erscheinung, aber erhält den meisten Jubel. Doch der Gesamtauftritt ist auf Wyclef zugeschnitten, er nimmt sich den meisten Raum, ist Frontmann, erzählt, kommentiert, leitet an.

The Fugees - The Score , das war gestern. Und gestern ist fast zehn Jahre her. Aus dem schwarzen Ross, das elegant durch die Charts trabte, ist eine aufgemotzte, brüllende Rennmaschine geworden, die hinter sich die Pflastersteine hochfliegen lässt. Zwei Schlagzeuger, zwei DJs, zwei Gitarren und unzählige Boxen fahren die Dezibels hoch bis an die Schmerzgrenze. Harter Rap des neuen Jahrtausends zerdröhnt die Schmeicheleien der guten, alten Zeit.

Lauryn, Wyclef und Pras spielen in Hamburg fast alle ihre Hits, und das Publikum ist sofort mit wiegenden Armen und Hüften dabei, wenn es Bekanntes hört. Doch es scheint, als ob die Begeisterung nicht weit trüge. Vielleicht zu wenig Reunion, vielleicht zu viel zehn Jahre Musikentwicklung auf einmal.

Die 96er-Fugees waren was für den Sonntagvormittag, die Reunion wäre an einem wilden Sonnabendabend besser angesiedelt. Gegen die Kraft der Technik haben Killing Me Softly, The Beast oder No Woman, No Cry keine Chance. Die Show ist jedoch einmalig. Wyclef lässt sich auf Schultern durch die Menge tragen, die schönste Szene des Abends. Der Song dazu ist ruhiger. Und es ist einer aus seiner Solokarriere.

Sie sind also brutaler, schneller, anders geworden. Gegen Entwicklung ist ja nichts zu sagen. Nur Nostalgiker tun sich schwer damit. Schon die Beatles und ABBA, selbst Elvis hätten ein Entwicklungsverbot erhalten, wenn's nach ihren Anhängern gegangen wäre. Dem haben sie sich auf die eine oder andere Weise entzogen. The Fugees und The Score , das ist zweierlei.

Leser-Kommentare
    • zwan
    • 12.12.2005 um 16:35 Uhr

    Am 5.12. habe ich das Fugees Konzert in Oslo gesehen und war bitter enttaeuscht. Nicht dass ich hohe Erwartungen hatte...nach ewiger Wartezeit kamen drei Einzelkuenstler mit einer gemeinsamen Vergangenheit aber wenig Enthusiasmus bezueglich ihrer Zukunft. Pras stand die meiste Zeit teilnahmslos im Hintergrund und hat nach seiner "Ghetto Superstar" Performance und einem kleinen Stage Dive sein Handy verloren, woraufhin die Lichter angingen und die armen Security Leute danach suchen mussten- vergeblich. Ms. Hill sieht beim Zahnarzt wahrscheinlich froehlicher aus. Only Wyclef Jean hat die Show ertraeglich gemacht- und er schien Spass zu haben. Fazit: schlechtestes Investment fuer 50 Euro und einen Sonnatgabend

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  • Quelle (c) ZEIT online, 8.12.2005
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  • Schlagworte Wyclef Jean | Musik | Reggae | Hamburg | Köln
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