Enzyklopädie Viele KöcheSeite 2/2
Zwar erschienen immer wieder kritische Betrachtungen zur Qualität und Verlässlichkeit der Wikipedia - so nannte die Süddeutsche Zeitung das Projekt "Brockhaus des Halbwissens" -, dies konnte den Siegeszug aber nicht stoppen. In Enzyklopädievergleichen (so auch in einem Test auf ZEIT online ) erntete die Wikipedia gute Noten und konnte die kommerzielle Konkurrenz in die Schranken weisen. Auch Journalisten nutzten die bequeme und kostenlose Informationsquelle. Wo immer schnelles Wissen gefragt ist, ist heute ein Wikipedia-Link nicht fern.
Der Fall Seigenthaler zeigt nun die Grenzen des Qualitätsmanagements der Wikipedia. Offensichtliche Fehler oder systematischer Vandalismus werden von den freiwilligen Helfern in der Regel schnell entdeckt und beseitigt, bei komplizierten Sachverhalten dauert es jedoch wesentlich länger - falls die Fehler überhaupt auffallen. So wurde im Seigenthaler-Artikel zwar ein Rechtschreibfehler korrigiert, den bizarren Vorwurf der Beihilfe zum Präsidentenmord und eine angebliche Übersiedlung in die Sowjetunion übersahen die Wikipedianer indes. Der anonyme Autor des falschen Lebenslaufs wurde inzwischen identifiziert. Er gibt an, er habe die Wikipedia für eine Jux-Website gehalten.
Der korrekte Gebrauch der Wikipedia ist heute ein Prüfstein der Medienkompetenz. Quellen für die Angaben muss sich der Leser aus dem Artikeltext, aus Diskussion und Versionshistorie zusammensuchen - wenn sie überhaupt angegeben sind. Angesichts der öffentlichen Reaktion auf die Seigenthaler-Kritik entschloss sich Wales zu handeln: Er beschränkte den Zugang für anonyme Nutzer in der englischen Wikipedia. Diese können zwar noch mitarbeiten, aber keine neuen Artikel mehr anlegen.
Diese Maßnahme soll den ehrenamtlichen Korrektoren etwas Luft verschaffen. Doch das Problem wird damit nicht gelöst. Erst der Aufbau einer völlig neuen Qualitätssicherung - im Gespräch ist ein Bewertungssystem und die Einrichtung stabiler Artikelversione n - kann der Wikipedia den Weg vom populären Internetlexikon zur verlässlichen Enzyklopädie ebnen.
A false Wikipedia 'biography'
- Artikel in der USA-Today
Selbstbeschreibung der Wikipedia
(deutsch)
Debatte in der Wikipedia
(englisch)
- Datum 14.12.2005 - 12:26 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle (c) ZEIT online, 12.12.2005
- Kommentare 2
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Zu erstaunlich, das sich der "Mr.Check" offensichtlich ausschiesslich auf Dienste des Bibliographischen Institut bezieht (Duden, Brackhaus). Das hinterläßt bei dem ganzen Bericht einen faden Beigeschmack.
Das man einen Artikel in der Wikipedie schlecht zementieren kann ist bekannt. Ebenso ist bekannt, das sich Hunderttausende von Artikeln sich nicht von einem kleinen Häuflein engagierter Benutzer unter Kontrolle halten läßt. Zumal jeder einzelne Benutzer seine eigenen Favoriten hat.
Je "schwammiger" das Gebiet ist, um das es geht, desto eher werden Artikel aus diesem Gebiet "verdorben", wie es die "Zeit" so schön ausdrückt.
Als gegenteiliges Beispiel läßt sich der Bereich der Mathematik nennen. Auch hier ist nicht alles "heile Welt", aber man hat die Artikel dieses Bereichs so ziemlich unter Kontrolle.
Hat das das Bibliographische Institut auch? Ich entsinne mich, kürzlich in einem Buch, ich meine es war ein Mathematik-Duden, gelesen zu haben, das Pseudoprimzahlen Carmichael-Zahlen sind. Nun sind Carmichael-Zahlen tatsächlich Pseudoprimzahlen. Aber es sind nicht die einzigen Arten von Pseudoprimzahlen. Es gibt da unzählige andere. Aber das ist dem Bibliographischen Institut wohl nicht relevant genug.
Gruß, Arbol01
Ihr sogenannter Skandal hat sich schon lange aufgelöst! Der Täter hat sich gemeldet und hat sich für seinen "Scherz" entschuldigt.
Natürlich gibt es jede Menge Fehler und Fehlerquellen in Wikipedia (und nicht nur durch die Organisationsform) aber auch in anderen Enzyklopädien. So schreibt Nature am 14.12.2005:
Jimmy Wales' Wikipedia comes close to Britannica in terms of the accuracy of its science entries, a Nature investigation finds.
... eight serious errors, such as misinterpretations of important concepts, were detected in the pairs of articles reviewed, four from each encyclopaedia. But reviewers also found many factual errors, omissions or misleading statements: 162 and 123 in Wikipedia and Britannica, respectively.
Rufen Sie jetzt auch einen Britannica Skandal aus?
Zu Themen von denen ich meine etwas zu verstehen, käme ich nie auf die Idee eine Enzyklopädie als Autorität zu nutzen. Und für Themen die ich nicht verstehe, nutze ich das was dort steht, als Ausgangspunkt ...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren