The Morning (Kreidefelsen auf Rügen, 2000) Die Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004 in Asien und Afrika hat den Blick auf den Horizont verändert. Der offene Blick zum Horizont hat mit den Flutwellen einen Teil seiner romantischen Unschuld verloren, ähnlich dem Blick in den städtischen Himmel nach dem 11. September 2001. Seit 1997 hat der Berliner Künstler Tom Fecht seinen fotografischen Blick immer wieder auf den Horizont gerichtet und mit seinem Bildzyklus „Finis Terra“ die Linie zwischen Himmel und Meer untersucht. Das lateinische Finis Terra bezeichnete auf antiken Karten das Ende der bekannten Welt, Küstenlinien also. Sie beziehen ihre gefährliche Schönheit aus den Grenzen, die sie beschreiben: zwischen dem Vertrauten und Unbekannten, berechenbarem und verlässlichem Grund und unsicherem Terrain. Die Bilder sind Teile eines wachsenden Zyklus, sie entstanden zwischen 1997 und 2005 und wurden überwiegend im Umkreis des Ateliers des Künstlers an der Atlantikküste der Bretagne aufgenommen, dem französischen Finistère.

Text: Tom Fecht und Nayeli Zimmermann © Tom Fecht

The Evening (Kreidefelsen auf Rügen, 2000)Der romantische Blick sucht nach einem passenden Loch in der Wirklichkeit. Was hat sich also seit Caspar David Friedrich verändert?© Tom Fecht

Finistère (Ile de Ouessant 2002)Das Bild erinnert nicht zufällig an die bizarren Gefahrenlandschaften im Filmepos „Herr der Ringe“. Die Insel gehört zu den gefährlichsten Schiffspassagen des nördlichen Atlantiks und liegt unmittelbar an der größten Öltanker-Autobahn der Welt, direkt an der Einfahrt in den Ärmelkanal. Ölkatastrophen wie die der Amocco Cadiz von 1978 sind Naturkatastrophen, allerdings von Menschenhand angerichtet. Die Spuren der Zerstörungen von Flora und Fauna in der Region sind auch nach 27 Jahren noch zu sehen. Wegen der täglich vorbeifahrenden Riesentanker unter Billigflaggen bleiben Katastrophen weiterhin unausweichlich.© Tom Fecht

The Blue Room (Finistére 2004)„An einem unsicheren Ort macht Blau Angst“ - Derek Jarman© Tom Fecht

Anatomy of a Second (Finistère 2004)© Tom Fecht

Tide (Finstère 2002)Röntgenbilder haben in Medizin, Wissenschaft und Sicherheit geholfen, das zu sehen, was unsichtbar zu sein scheint. „Dieser Ozean in schwarz-weiss wirkt für mich wie eine Röntgenaufnahme des Meeres, sein Gesicht tiefgründig und eindringlich wie der Mond.“ - Antonio Skarmeta© Tom Fecht