Immobilien Deutscher Bank droht Klagewelle

Bis zu 300.000 Anleger könnten gegen die Deutsche Bank vor Gericht ziehen, weil diese einen Immobilienfonds geschlossen hat. Es geht um sechs Milliarden Euro. Und darum, wie sicher solche Anlagen noch sind

Der Deutschen Bank drohen Tausende Klagen von Kleinanlegern. Sie reagieren darauf, dass die Bank einen großen Immobilienfonds geschlossen hat. Der Fonds grundbesitz-invest hatte die Rücknahme von Anteilen ausgesetzt. Dies sei rechtswidrig, sagten nun Anwälte der auf Investorenrecht spezialisierten Kanzlei Tilp aus Tübingen. Mehrere Tausend Anleger könnten sich dagegen zur Wehr setzen. In den Fonds hatten rund 300.000 Anleger mehr als sechs Milliarden Euro eingezahlt.

Die Deutsche Bank hatte am Vortag entschieden, dass die Anteile an dem Fonds zunächst weder zurückgegeben noch neue Anteile erworben werden können. Dies gilt so lange, bis das Immobilien-Portfolio des Fonds neu bewertet ist. Anfang Februar soll ein entsprechendes Ergebnis vorliegen, teilte die Immobiliensparte DB Real Estate Investment GmbH  mit. Auf diese Weise sollen alle Anleger gleich behandelt werden. In den vergangenen Tagen hatten schon viele ihr Geld zurückverlangt. Bei anderen Fonds hatten in ähnlichen Fällen die Konzerngesellschaften Geld gegeben, um die Liquidität zu sichern.

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Der betroffene Fonds hat vor allem in deutsche Gewerbeimmobilien investiert. Sinkende Büromieten und viele leer stehende Gebäude machen der Branche zu schaffen. Nach den Problemen bei einem Deka-Immobilienfonds 2004 befürchten Branchenexperten eine Massenflucht aus den vermeintlich sicheren offenen Immobilienfonds.

Nach Ansicht der Anwaltskanzlei können auch Prospekthaftungsansprüche auf eine komplette Rückabwicklung der Anteilskäufe geltend gemacht werden. Der Fonds habe Zahlungen an Dritte nicht ausreichend dargelegt und das Prospekt auch nicht entsprechend der angespannten Liquiditätslage angepasst. Ein Sprecher der DB Real Estate wollte mögliche Klagen nicht kommentieren: "Es ist noch viel zu früh dafür, wir müssen uns erst einmal anschauen, wie die Schadenersatzansprüche begründet werden." Die Rechtsabteilung werde dies prüfen.

Nach einem Bericht der Wirtschaftswoche hat das Vorgehen der Deutschen Bank-Tochter auch zu einem Konflikt mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geführt. Deren Chef, Jochen Sanio, habe erst am Dienstagnachmittag von der Schließung erfahren und sich dagegen ausgesprochen. Die Aufsicht warte jetzt auf die schriftliche Begründung der Deutschen Bank, welche "außergewöhnlichen Umstände" sie zu solchem Handeln gezwungen hätten.

 
Leser-Kommentare
  1. Interessant ist auch die Lektüre des SPIEGEL zu diesem Thema.

    Die DEUTSCHE BANK macht exorbitante Gewinne, baut dennoch Arbeitsplätze ab, fährt lt. Berichterstattung im Spiegel den besagten Immobilienfond möglicherweise mit Absicht vor die Wand.

    Das kann ich nur noch als Kapitalismus der übelsten Art bezeichnen. Es ist an der Zeit, als Kunde entsprechend mit Boykott zu reagieren.

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  • Quelle (c) ZEIT online, 14.12.2005
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