Internet Google kauft sich bei AOL ein
Die größte Suchmaschine ist beim größten Internetprovider eingestiegen. Das Nachsehen hat Mitbewerber Microsoft
Google ist mit AOL-Besitzer Time Warner handelseinig geworden und hat ein fünfprozentiges Aktienpaket mit einem Wert von etwa eine Milliarde Dollar erworben. Dafür will America Online Werbebanner für 300 Millionen Dollar bei Google platzieren. Das Nachsehen hat Mitbewerber Microsoft, der mit Time Warner fast einig schien. Mit dem Einstieg bei AOL geht ein Imagewandel bei Google einher: Nicht mehr jeder sieht in der Suchmaschine das Gute im Kampf gegen den Giganten Microsoft.
" Don't be evil " (Tu' nichts böses) lautet das vielzitierte Motto von Google. Doch eben dieses glauben viele Nutzer den Kaliforniern nicht mehr: Die Tatsache, dass Google im Suchmaschinengeschäft marktbeherrschend ist, löst Misstrauen aus. Mehr als 80 Prozent der deutschen Internetnutzer vertrauen den Algorithmen der größten Suchmaschine der Welt. "Was mit Google nicht zu finden ist, existiert auch nicht", denken viele. Die Expansion Googles erstreckte sich in den vergangenen Jahren nicht nur auf den Suchmaschinenmarkt: Auch andere Dienste wie Google Earth , der Bloganbieter Blogger.com und der Maildienst GMail gehören mittlerweile zum Portfolio des Konzerns. Mit rund 4000 Mitarbeitern bedient Google mehr als 380 Millionen Nutzer rund um den Globus.
Bei der geplanten AOL-Werbung handelt es sich nicht um die optisch unaufdringlichen Textkästen, wie die Nutzer der Suchmaschine sie kennen. Entgegen der alten Google-Regel, keine Bilder oder animierte Grafiken als Banner zuzulassen, soll es bei der Suchmaschine künftig nun doch flackern und blinken. Ein Zugeständnis an den neuen Partner - und erstes Anzeichen dafür, dass Google sich neu orientiert? Auf einschlägigen Seiten wird das Geschäft jedenfalls heftig diskutiert .
Für Microsoft, das mit seiner Suchmaschine MSN Search ebenfalls am Markt partizipieren will, kommt die Google-Offerte ungelegen: Nahezu einig sollen die Redmonder mit dem Time Warner-Konzern über ihren Einstieg bei AOL gewesen sein. Ein entscheidender Punkt war die Integration der Suchtechnologie in die AOL-Software. Für MSN Search, das Ende Januar 2005 offiziell an den Start ging, hätte sich die Nutzerbasis vergrößert. Während Google seine Marktposition nun weiter festigen und seine laufenden Einnahmen erhöhen möchte, kämpft America Online um Nutzer. Die seit Mitte der 1980er-Jahre bestehende Firma hat in den USA einen Marktanteil von etwa 10 Prozent am Geschäft mit Internetzugängen.
Widerstand gegen das Geschäft regt sich nun von unerwarteter Seite. In einem offenen Brief fordert der Time Warner-Großaktionär Carl Icahn, auf den Verkauf an Google zu verzichten und stattdessen eine Kooperation zwischen AOL und eBay anzustreben. Er sieht hierin eine deutlich profitablere Option.
- Datum 21.12.2005 - 12:24 Uhr
- Quelle (c) ZEIT online, 21.12.2005
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