Ach, Depeche Mode und ich: eine dieser Beziehungen, die irgendwann in Enttäuschung enden. Sie waren immer Helden, irgendwann aber ging der Lack ab, seitdem haben sie es schwer bei mir. Exciter – ihr letztes – war kein gutes Album, genaugenommen war keine ihrer drei Platten seit Violator 1990 wirklich klasse. Und Playing the Angel?

Na, ja. Ganz schöne Songs. Der wabernde, verkleisterte Sound von Exciter ist kaum mehr vorhanden, zum Glück. Und auch die selbstmitleidige Attitüde, das Zähe und Lahme der letzten Alben, ist gewichen. Depeche Mode klingen immerhin wieder nach Depeche Mode, beispielsweise Precious und The Pain I’m Used To , die schnelleren Sachen. Sämtliche Balladen hingegen – leider ziemlich viele – sind dick aufgetragen, süßlich und langweilig, wie billige Pralinen. Würde mich nicht wundern, wenn Depeche-Mode-Songs dick machen würden.

Dass es anders geht, zeigen einerseits Depeche Mode selbst – in letzter Zeit veröffentlichen sie Vollkorn-Versionen alter Violator -Songs auf den Rückseiten ihrer Singles. Welchen Reiz solche Reduktion haben kann, zeigt andererseits der Franzose Sylvain Chauveau, der sich mit seinem fünften Album einen Traum erfüllt: Er interpretiert zehn Depeche Mode-Songs aus den Jahren 1984 bis 2001 neu, Down ToThe Bone, nackt bis auf den Knochen.

Beinahe kammermusikalisch dargeboten, vom Bombast befreit, entkernt, tritt die Qualität der Originale zutage. Alle Songs – sogar solche treibenden, düsteren wie Blasphemous Rumours oder Policy of Truth – klingen hervorragend ohne Synthesizer, Drumcomputer und Gahans eindringliche Stimme. Mehr noch, manche scheinen wie geschrieben für eine Interpretation mit Piano, Oboe, Cello oder Flöte.

Immer wieder bricht Monsieur Chauveau die Arrangements durch Disharmonien, Samples und andere technische Spielereien, trotzdem wirkt die Zusammenstellung homogen. Und wenn man sich einmal an seinen französischen Dialekt gewöhnt hat, klingen manche seiner Versionen sogar besser als die Originale, Freelove beispielsweise wird zu einem richtig guten Song.