Strompreis Elektrische Mogelpackung

Hessens Wirtschaftsminister genehmigt den Energieerzeugern im Land ihre Preiserhöhungen nicht. Sein Vorwurf: Die Unternehmen nutzen ihre Monopolstellung aus. Recht hat er.

Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU) sorgte am vierten Adventssonntag für eine Überraschung in den Chefetagen der Energieversorger: Er beschied, die Anträge der fünfzig hessischen Stromlieferanten auf Anhebung der Tarife um durchschnittlich sechs Prozent im kommenden Jahr seien "komplett" abzulehnen. Ein Novum in der bundesdeutschen Energiepolitik! Die Unternehmen hätten nicht den Nachweis erbracht, dass die Preissteigerungen notwendig seien, sagte Rhiel, der schon als Verhandlungsführer der Länder bei der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes durch verbraucherfreundliches Verhalten aufgefallen war.

Allein die acht größten hessischen Stromversorger hätten 2004 bei Umsätzen von 2,9 Milliarden Euro einen Gewinn von 303 Millionen erzielt und so ihre Rendite auf mehr als zehn Prozent geschraubt, sagte Rhiel. Das hessische Ministerium sei der Ansicht, dass diese Gewinne nicht im Wettbewerb, sondern vor allem wegen einer Monopolstellung vieler regionaler Versorger sowie der Energiekonzerne E.on und RWE erwirtschaftet worden seien. Mit dem Abschöpfen der Verbraucher müsse nun Schluss sein.

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Die Elektrizitätswirtschaft reagiert erbost. Wenn dem Kunden der Strompreis nicht zusage, könne er "selbst etwas tun" und den Anbieter wechseln, ließ der Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) umgehend verbreiten. Aber es ist eine Mogelpackung, die der Lobbyverband da anbietet. Tatsächlich kann der Kunde - der sich übrigens wegen des Gebarens der Netz-Monopolisten auch nach sieben Jahren Marktliberalisierung eher noch als Abnehmer fühlen dürfte - seinen Lieferanten wechseln. Einen niedrigeren Strompreis dürfte er damit allerdings nicht erzielen. Denn die Erzeuger und Lieferanten orientieren sich in ihren Kalkulationen am Preis der Leipziger Stromhandelsbörse EEX. Dort wird zwar nur ein Bruchteil des hierzulande verbrauchten Stroms feilgeboten - etwa 15 Prozent - dennoch dient der bei den vergleichsweise wenigen Transaktionen erzielte Preis  als Grundlage für die Verbrauchertarife.

In Leipzig aber steigen die Preise gerade wieder in ungeahnte Höhen . Vergangene Woche überschritt der Terminkontrakt für Grundlaststrom erstmals den Preis von 50 Euro pro Megawattstunde - ohne dass Schneestürme die Leitungen zusammenbrechen oder andere Katastrophen die Kraftwerke kalt ließen. Kein Wunder, dass die Vorwürfe der stromintensiven Industrie nicht verstummen, einige große Akteure in Leipzig würden die Preise durch ihre dominierende Stellung im Erzeugungsmarkt steuern. Um die Preisrallye nach oben zu beenden, drängen die Verbraucherschützer die Politik deshalb seit langem, für faire Rahmenbedingungen zu sorgen.

Dazu gehört eine sorgfältige Prüfung der beantragten Tariferhöhungen in den Länderbehörden. Alois Rhiel hat also Recht getan. Andere Landeswirtschaftsminister sollten  ihm folgen.

 
Leser-Kommentare
    • Taxman
    • 19.12.2005 um 16:42 Uhr

    Es ist schon interessant, dass das Mitglied einer Landesregierung eines Bundeslandes mit absoluter CDU-Mehrheit, das zudem seit 1992 im Landesvorstand der CDU ist (http://www.cduhessen.de/h...) aufgrund seiner Wirtschaftskompetenz der FDP zugeordnet wird :)

  1. Danke für den Hinweis. Natürlich ist Hessens Wirtschaftsminister CDU-Mitglied. Wir bedauern den Fehler und haben ihn behoben. ZEIT online-Redaktion

  2. Schön dass endlich mal ein Politiker nicht nur verbal für den gebeutelten Verbraucher in die Bresche springt. In Bayern hat man sich nicht so ganz getraut aber die Erhöhungswünsche wenigstens halbiert.
    Skandalös ist aber dass die Energieversorger anscheinend jahrelang als Monopolisten kräftig abgesahnt haben und gleichzeitig große Teile ihres Stromnetzes auf Vorkriegsniveau verrotten lassen.

  3. Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel hat den Stromriesen die Krallen beschnitten, Und man höre und staune, Herr Rhiel gehört der FDP an, einer Partei, die bisher immer den Heuschrecken als den Darbenden näherstand. Ich zolle Herrn Rhiel meinen ganzen Respekt.

  4. Da wir jetzt in einer Zeit sind wo Geiz geil ist und viele Ministerien nach Preisbremsen schauen, wäre es doch ein einfaches gleich alle Preise auf dem Stand von heute einzufrieren. D.h. nätürlich auch die Preise für die Arbeit, aber auch die Preise für unseren Staat (landläufig nennt man das Steuern). Auch zusätzliche Abgaben sind natürlich tabu. Wenn ein Lieferant aus dem Ausland kommt, auch der hat sich natürlich an die deutschen Spielregeln zu halten und darf nicht irgendwelche Preise verlangen, die auf dem Weltmarkt gerade en vogue sind.
    Vor allem: in welchem Bereich gibt es eigentlich noch Wettbewerb, der nicht zu Lasten der Arbeitnehmer ausgetragen wird?
    Und meine letzte Frage: Warum verstaatlichen wir nicht so wichtige Bereiche wie Energieversorgung, dann entfällt der riesige Bereich an Renditen für die vielen Aktionäre.

  5. Ein kurzer und prägnanter Artikel, wie immer sehr ansprechend zu lesen. Die Handlungsweise von dem Herrn Wirtschaftsminister ist ein erster Schritt in die richtige Richtung.

    Eine kurze Korrektur: Meines Wissens gehört Herr Rhiel nicht der FDP an, sondern der CDU. So etwas sollte nicht passieren, finde ich.

  6. Bravo, das nenn ich Courage. Diese Monopolisten bedienen sich doch schamlos seit Jahren und wir Verbraucher sind machtlos. Da ist es ein Lichtblick, wenn ein Wirtschaftsminister sich quer stellt und die rote Karte zeigt. Das verdient Anerkennung. Leider hat Ihr Kollege in Bayern nicht das gleiche Format. Er genehmigte heute LEW und EON 3 % Erhöhung und sagt dabei noch ohne rot zu werden, er werde die Entwicklung genau beobachten. Parallelen mit Schröder und Gasprom zu vermuten, ist hier nicht abwegig.

    • kasral
    • 19.12.2005 um 21:41 Uhr

    in erwartung einer genehmigung für höhere strompreise hat die rwe in nrw die monatliche pauschale für 2006 schon einmal vorab erhöht!, trotz! einer nicht geringen zurückzahlung für das zurückliegende jahr... - profitgierige monopolisten sind die rwe aber sicherlich wohl eher nicht, mmh, mmh...oder sollte ich mich irren...?

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  • Quelle (c) ZEIT online, 19.12.2005
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