Es war der wohl größte Fälschungsskandal in der deutschen Wissenschaftsgeschichte: Die Krebsforscher Friedhelm Herrmann und Marion Brach hatten über Jahre zahlreiche Studienresultate manipuliert. Die Arbeitsgruppe befasste sich überwiegend mit der Erforschung von Blutzellen, die durch Leukämien und anderen Bluterkrankungen betroffen sind. Bereits 1997 gab es erste Hinweise auf die Datenmanipulationen. Forschungsgemeinschaft und Krebshilfe gründeten daraufhin eine gemeinsame Task Force, die schließlich in 94 Veröffentlichungen der Forscher getürkte Resultate fand.An den meisten dieser Arbeiten waren Herrmann und Brach maßgeblich beteiligt. Wer für die Fälschungen jedoch im jeweiligen Einzelfall verantwortlich war, konnte die Kommission nicht restlos klären. Nichtsdestotrotz konnte sie wissenschaftliches Fehlverhalten nachweisen. Die DFG verlangte die an Herrmann und Brach gezahlten Fördermittel zurück, verzichtete dabei aber zunächst auf einen Gang vor Gericht. In der Wissenschaft ist diese Handhabe Usus: Wird ein Forscher der bewussten Fälschung verdächtigt, beschäftigen sich damit an deutschen Universitäten in der Regel interne Ausschüsse. Es gibt zudem ein Ombuds-Gremium, das von der DFG finanziert wird und an das sich alle Wissenschaftler im Falle eines Verdachts wenden können. Die Kommissionen überprüfen dann, ob tatsächlich gefälscht wurde, oder ob es sich bei den Unstimmigkeiten um schlichte Pannen handelt. Denn wer sich einfach nur irrt, ist durch das Grundrecht der Forschungsfreiheit geschützt.Doch die beiden Forscher weigerten sich, die DFG-Gelder herauszurücken. Also klagte die DFG erstmals in der Geschichte auf Rückzahlung. Nach mehr als zwei Jahren vor Gericht einigte man sich Ende Oktober 2005 auf einen Vergleich. Herrmann und Brach müssen nun zumindest einen Teil der Fördergelder zurückzahlen.Ein strafrechtlichen Verfahren gegen die Forscher wurde dagegen eingestellt, bevor es zu einer richterlichen Verhandlung kam. Ein Ulmer Staatsanwalt hatte wegen Verdachts auf sogenannten Einstellungsbetrug gegen die Krebsforscher ermittelt: Herrmann soll den Posten an der Universität Ulm aufgrund seiner gefälschten Publikationen bekommen haben. Herrmann hatte sich jedoch 1998 von seiner Professur beurlauben lassen. Frau Brach wurde vom Dienst suspendiert. Das Landgericht stellte das Verfahren deshalb ein und begründete dies unter anderem damit, dass die Beteiligten inzwischen aus dem Beamtenverhältnis entlassen wurden und dem Land kein messbarer finanzieller Schaden entstanden sei. Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft Ulm wurde den Forschern allerdings eine Geldbuße von 8.000 Euro auferlegt. Das deutsche Recht würde es aber ebenso erlauben, strafrechtliche Prozesse gegen Forschungsbetrüger zu führen - und sie bis zu fünf Jahre ins Gefängnis zu sperren. Bisher gab es in Deutschland nicht einen einzigen solchen Prozess. Sollte es jemals dazu kommen, muss der Tatbestand des Betrugs nachgewiesen werden. Zu belegen wäre dann, dass Forschungsgelder in der Absicht eingeworben wurden, sie für betrügerische Zwecke einzusetzen. Oder, dass sich die Forscher mit bewusst manipulierten Arbeiten um die Förderung beworben hatten. Im Fall des Süd-Koreaners Hwang stünde ein deutscher Staatsanwalt also vor dem Problem nachzuweisen, dass Hwang seine Forschungsgelder bereits mit der Absicht zu fälschen beantragt hat. Im Mai 2005 hatte Hwang in Science geschrieben, er habe maßgeschneiderte embryonale Stammzellen von Schwerstkranken geklont. Alle elf beschriebenen Zelllinien waren jedoch gefälscht. Die Kommissionen der Wissenschaftswelt müssen ein betrügerisches Trachten nach Geld hingegen nicht nachweisen. Hier gilt es lediglich zu belegen, dass es sich bei den auffälligen Ergebnissen um Fälschungen handelt. Laut Wolfgang Löwer, Jurist und Ombudsman der DFG, ist dies "nicht schwierig". Ob jemand die Regeln der Wissenschaftsgemeinschaft verletzt habe, sei für experimentelle Versuchsreihen leicht überprüfbar. Nachdem zum Beispiel eine Kommission vor rund zwei Jahren erfolglos versucht hatte, die Forschungsergebnisse des Bonner Chemikers Guido Zadel zu reproduzieren, entzog sie ihm den Doktortitel. Er hatte vorgegeben, die Drehrichtung von Molekülen verändern zu können. Die Kommission war jedoch zu dem Schluss gekommen, dass Zadel geschickt manipuliert hatte: "Das Experiment funktionierte nur, wenn Zadel es persönlich durchführte", sagt Löwer.Sobald feststeht, dass ein Wissenschaftler seine Forschung manuipuliert hat, erlegen ihm die Gremien zunächst Sanktionen auf: Die mildeste Strafe ist ein Verweis, eine Art Abmahnung. Möglich sind zudem der Entzug des Doktorgrades und Gehaltskürzungen. Meist wird der betroffene Wissenschaftler zunächst schlicht vom Dienst suspendiert - mitunter bei voller Gehaltszahlung.Die "härteste Strafe" sei ohnehin "die vollständige Zerstörung der Reputation", sagt Wolfgang Löwer. Ist der Betrug nämlich erst einmal publik, kann der Fälscher seinen wissenschaftlichen Ruf nicht mehr retten und hat in der Welt der Forschung nichts mehr verloren. Der Betroffene wird deshalb über kurz oder lang auch seine Stellung verlieren. Wenn die gewährten Geldzuwendungen zurück gezahlt werden müssen, ergänzt Löwer, dann werde "auch noch die bürgerliche Existenz ruiniert".