Mannesmann Richterwillkür?
Ein Teil der Presse springt Ackermann und Co. bei. Mit fragwürdigen Argumenten. kommentiert das aktuelle Meinungsbild
Der Fall Mannesmann
muss neu verhandelt werden. Das Düsseldorfer Landgericht hat zu prüfen, ob die Zahlung von Prämien und Abfindungen von insgesamt 57 Millionen Euro ein Fall von Untreue war. So urteilte der Bundesgerichtshof am Mittwoch. Für was steht nun das Urteil?
Dafür, dass in Deutschland die Verstaatlichung der Wirtschaft weiter vorangetrieben werde, schreibt die
Neue Züricher Zeitung
: "Im heutigen Deutschland sind es eher Staat und Justiz, die das Unternehmensinteresse definieren."
Und die
Welt
führt aus: "Erstens: In Deutschland müssen Manager, die aufgrund ihrer Leistung mit dem Einverständnis ihrer Firmeneigentümer Sonderprämien erhalten, strafrechtliche Verfolgung fürchten. Zweitens: In Deutschland dürfen die Richter darüber entscheiden, worin das wahre Interesse privatwirtschaftlich tätiger Unternehmen liegt. Drittens: Der deutsche Staat verfügt über ein Arsenal an juristisch dehnbaren Kampfbegriffen, mit denen er weit in den betrieblichen Alltag eindringen darf. Die wertschöpfende Klasse wird behördlicher Willkür ausgeliefert zum Nachteil des Standorts."
Was für eine Verkennung der Realität. Es geht im Urteil ja gar nicht darum, ob Manager für gute Arbeit gutes Geld bekommen dürfen. Sondern darum, ob sie Gesetze achten und sich daran erinnern, dass nicht Vorstände und Aufsichtsräte, sondern Aktionäre die Eigentümer sind. Die nach ihrer Meinung zu fragen jedem Vorstand freisteht, beispielsweise während der Hauptversammlung.
Ausgerechnet in Rechtssicherheit und einer unabhängigen Justiz einen Nachteil für den Standort Deutschland zu sehen, zeugt schließlich von einem merkwürdigen Verständnis dessen, wie freier Wettbewerb funktioniert. Marktliberale sollten das wissen.
Es will auch niemand Unternehmen einer verschärften staatlichen Aufsicht unterwerfen. Verlangt wird nur, dass Vorstände und Aufsichtsräte im Interesse des Unternehmens handeln. "Eine Prämie aber, für die es keine vertragliche Grundlage gibt und die zu einem Zeitpunkt gewährt wird, zu dem bereits feststeht, dass der Empfänger sehr bald aus dem Unternehmen ausscheidet - eine solche Prämie liegt auf gar keinen Fall im Interesse des Unternehmens, und zwar weitgehend unabhängig von ihrer Höhe", schreibt die
Süddeutsche Zeitung
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- Datum 28.12.2005 - 12:24 Uhr
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- Quelle (c) ZEIT online, 22.12.2005
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Dieselbe Frage wie "Troll" stelle ich mich auch. Allerdings auch die Frage, ob man ehrlichkeithalber manchmal nicht auch von einer "Wertabschöpfende Klasse" sprechen sollte...
So wenig wie Nachmittags-Talkshowgäste erkennen, dass sie sich blamieren, so wenig erkennt Herr Ackermann, dass er gefehlt hat. Nicht strafrechtlich, hier steht das Urteil ja noch aus. Auch und gerade geschäftlich hat Herr Ackermann ordentliches geleistet, Ertrag und Kurs der Deutschen Bank stimmen. Wieso wird er so heftig kritisiert? Abgesehen von seiner Victory-Geste, die leicht als arrogant angesehen werden kann, hat er auf einer Pressekonferenz ein absolut angemessenes Renditeziel und den gleichzeitigen Abbau von 6400 Arbeitsplätzen verkündet. Als Dreingabe lässt er einen Immobilienfond schließen und verspricht erst nach heftiger Kritik Entschädigung. Nehmen wir kurz an, Herr Ackermann hätte diese drei PR-Stümper unterlassen. Er wäre ein geachteter Vorstandsvorsitzender, der in einer bestimmten Sache vor Gericht steht. Mehr nicht! Es sieht so aus, als ob seine mediale Kompetenz nicht (mehr) den Ansprüchen an einen Vorstandsvorsitzenden genügen. Dem Ex-Oberst ermangelt es schlichtweg an öffentlichen Folgeabschätzungsvermögen. Aber dies soll ja manchmal nicht nur beim Militär - durch gesteigertes Selbstbewusstsein kompensiert werden.
Schade, der letzte Satz diskretisiert den gesamten Artikel. Prinzipiell schließe ich mich sämtlichen Ausführungen in Bezug auf den Mannesfall an, insbesondere das es nicht im Interesse der Eigentümer (Aktionäre) gelegen haben kann, das diese Prämien gezahlt wurden. Der im letzten Satz vollzogene Sprung auf einen vollkommen anders gelagerten Fall entwertet jedoch die gesamte Argumentation. Auch wenn ich nicht weiß ob bestimmte Renditeziele und damit einhergehende Entlassungen im Interesse der Eigentümer sind oder nicht, eine Selbstbereicherung wie im Fall Mannesmann ist hier zweifellos nicht gegeben und beide Fälle daher auch nicht vergleichbar.
Ein Urteil gegen Herrn Ackermann wird wenig bewirken. Denn mit Herrn Ackermann steht der falsche Angeklagte im Mittelpunkt der Blitzlichter.
Seltsam, aber niemand spricht über die unrühmliche Rolle von Herrn Zwickel!!!???
Die Gewerkschaften und Arbeitnehmervertreter haben bei Mannesmann tatenlos zugesehen wie ein Konzern zu Lasten der Arbeitnehmer demontiert wurde. Noch peinlicher ist die Rolle der Mitbestimmer bei VW.
Natürlich, auch den Managern um Herrn Ackermann muß deutlich gemacht werden, daß ein Unternehmen einen Wert an sich darstellt. Vermutlich wird die Problematik aber nur deshalb so intensiv wahrgenommen, weil die Lage am Arbeitsmarkt so desolat und aussichtslos erscheint. In einem Land mit 5 % Wachstum und Vollbeschäftigung würde der Mannesmann-Prozeß kaum die Schlagzeilen beherrschen.
Doch gerade wegen der hohen Arbeitslosigkeit und er schlechten Situation auf dem Arbeitsmarkt müssen sich die Arbeitnehmer fragen, ob ihre Anliegen bei den Gewerkschaften noch in besten Händen sind.
Wer nur die "Kapitalisten" kritisiert, sollte über Weihnachten einen gepflegten Blick in die umfassenden Regelungen des deutsche Aktienrechts und des Mitbestimmungsrechts werfen.
korfstroem
Kann es richtig sein, dass die Vorstände Leute entlassen und dafür Prämien erhalten, die dem Jahreseinkommen all dieser Menschen zusammengenommen entspricht? Oder, dass immernoch damit argumentiert wird, dass die Gewinne des letzten Jahres zwar neue Rekorde brachen, aber dass man trotzdem keine neuen Leute einstellen kann, weil man schließlich nicht wisse, ob das nächstes Jahr genauso sei?
Es gibt noch einige solch perfider Argumentationen und Handlungen, bei denen die Vorstände sich gerne in die eigene Tasche arbeiten. Doch wo kommt dieser Raubtierkapitalismus her? Und wie weit soll das noch gehen?
Dass das Verfahren gegen Ackermann und Co gerechtfertigt ist, sehe ich außer frage. Ob es wirklich zu einer Verurteilung kommt, und ob die Strafe, die ihn dann erwartet der Untreue auch gerecht wird, steht leider auf einem anderen Blatt, weil deutsche Richter zwar kein Problem damit haben einen Familienvater mit hohen Unterhaltszahlungen in den Ruin zu treiben, es ihnen aber schwer fällt Strafen gegen die wirklich Wohlhabenden zu fällen, die Weh tun. Eine Strafe von einer, fünf oder zehn Millionen Euro wäre für die doch nur ärgerlich. Mehr nicht. Das Geld was die in den letzten Jahren verdient haben wird für die nächsten Generationen reichen, ohne dass die auch nur einmal arbeiten müssten...
MfG Krisse - am Rechtsempfinden und am Sinn für Verhältnismäßigkeit von Firmenleitungen zweifelnd
als die herzöge noch vor den heeren zogen, sich in vorderster front persönlich um einen x-beliebigen schlachtverlauf kümmerten, hieß es: zeitalter der ritterlichkeit, des rittertums. der adel war etwas edles, die gesellschaftsordnung stabil. als der herzog anfing, sich zu pudern, rokokodebil in seinen schlössern abzuhängen und sein budget für parties zu überziehen, dafür seine untertanen bis zum getno auszusaugen, heißt es: verkommener, degenerierter adel. und schwupp - hat der pöbel die bastille geschleift, wer hätte das 1787 gedacht...
der heutige manageradel geht auch in die phase debilisierung, zumindest, was durch das selbstbild dieser kaste mit seinem unfehlbarkeitsanspruch in allen bereichen des gesellschftlichen und wirtschaftlichen lebens angeht. die handlungsweise dieser selbstwernannten götter in nadelstreifen ist aber einfach nur asozial; allerdings macht es ihnen das ideologische korsett, die floskeln von det "alternativlosigkeit unserer wirtschaftsordnung" leicht, ihr tun als gesellschaftlich völlig ok dastehen zu lassen und damit durchzukommen.
in diesem warmen sumpf der chefetagen gedeihen also diese sumpfblüten - und das hat nix mit irgendwelchen ausländischen pässen gewisser protagonisten zu tun.
tausende individuen sozial und ökonomisch per arbeitsplatzabbau hinzurichten, nur um powerpoint-kompatible, quasi virtuelle, zahlen-ziele zu erreichen und sich dabei persönlich die taschen vollzuhauen: das ist asozial - und sollte auch moralisch geächtet werden, wie ... halt das, was im gesellschaftskonsens geächtet wird.
und komme keiner mit globalisierung: dann ist halt die welt nicht in ordnung - aber wir spielen alle mit, lassen uns von der diktatur des kapitals einlullen (zuckerbrot) oder in existenzangst (peitsche) versetzen - und "die da oben" feixen sich einen: victory!!! ... bis es ein neues 1789 gibt...
ein genialer urteilsspruch.
einfach mal innehalten und über seine "taten" nachdenken. wie konnten die herren sich einer selbstbedienungsmentalität hingeben und millionenprämien zahlen, für eine vergurkte abwehr einer übernahme? hr. esser hätte seinen posten ohne einen cent zu bekommen verlassen müssen. dafür haben viele mannesmann-mitarbeiter ihren job verloren. das aber auch ein hr. zwickel so den kontakt zum normalen leben verloren hat, ist erstaunlich. verlass ist wenigstens auf die deutsche justiz. hier wird verantwortung und moral vorgelebt. ich bin wirklich stolz auf die herren in den roben!! sauber!!
die "wertschöpfende" klasse.sososo. das müsste eigentlich eher die abschöpfende klasse heißen. die ausplündernde. und dass in der welt schon wieder von "klasse" die rede ist, will schon was heißen.
die gutsherren sehen sich schon wieder in offenen kutschen übers land fahren, während die arbeiter eilfertig vor ihnen buckeln. warum sind sogenannte konservative eigentlich immer so ausgesprochen dumm bzw. erfahrungsresistent?
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