Energiestreit Gasprom gleicht Lieferengpass aus

Um die Gasversorgung Westeuropas sicherzustellen, hat Russland die Lieferungen erhöht. Doch im Streit mit der Ukraine gibt es nach wie vor keine Annäherung

Die russische Gasprom hat ihre Ankündigung umgesetzt, die vollständige Versorgung der europäischen Kunden mit Erdgas aus Russland zu garantieren. Der Generaldirektor des österreichischen Energiekonzerns OMV, Wolfgang Ruttersdorfer, sagte am Abend dem Österreichischen Fernsehen ORF, die »volle Versorgung aus Russland« sei wieder angelaufen. Er sei »zuversichtlich, dass die größten Probleme hinter uns sind«. 

Nach dem Lieferstopp an die Ukraine war die Liefermenge von Erdgas der Gasprom für einige europäische Länder, darunter Deutschland, Österreich, und Ungarn um bis zu 30 Prozent gesunken. Gasprom machte dafür die Ukraine verantwortlich, die angeblich illegal Gas aus den Pipelines nach Europa anzapfe. Kiew hat dies bestritten. 

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Gasprom hatte am Nachmittag dem österreichischen Wirtschaftsminister zugesagt, dass das Unternehmen zusätzliches Gas in die für Europa bestimmten Pipelines leiten werde, um das Problem zu beheben. Nach Angaben des OMV-Chefs hat der russische Gaskonzern an der russisch-ukrainischen Grenze 95 Millionen Kubikmeter zusätzliches Gas eingeleitet. 

Der vom Kreml kontrollierte Energiekonzern verlangt von der Ukraine seit dem 1. Januar 2006 einen fast fünf Mal höheren Gaspreis. Weil Kiew sich einem entsprechenden Vertragsabschluss verweigerte, drehte Gasprom den Ukrainern am Neujahrsmorgen das Gas ab. 

Nach Angaben der Regierung Moldawiens hat Gasprom auch die Lieferungen in die frühere Sowjetrepublik eingestellt. Der vom Kreml kontrollierte Konzern habe den Hahn abgedreht, weil Moldawien seine Zustimmung zu einer Verdoppelung des Gaspreises verweigerte, teilte die moldawische Führung am Montag auf einer Regierungssitzung in der Hauptstadt Chisinau mit. Ein Gasprom-Sprecher in Moskau bestritt den Exportstopp. Man werde »in Kürze« eine Einigung mit den Moldawiern über die zukünftigen Gaspreise finden, hieß es. 

In Deutschland löste der Streit eine Debatte um die Sicherheit der Energieversorgung aus. Der SPD-Energieexperte Hermann Scheer warnte vor einer wachsenden Erpressungsgefahr. Die Bundesrepublik habe sich wie andere Industrienationen in »extrem fahrlässiger Weise« von russischem Erdgas abhängig gemacht, sagt er der Stuttgarter Zeitung . »Die Erdgasvorräte gehen genauso schnell zu Ende wie beim Erdöl. Die Zahl der Förderländer ist relativ klein. Daraus ergibt sich potenziell eine größere Abhängigkeit - womit auch das Risiko von Konflikten größer ist.« Die Abhängigkeit von russischem Gas könne langfristig »zur Fessel werden«, sagt Scheer. 

Leser-Kommentare
  1. Zu Scheer, Fell, Glos.
    Seehr geehrte Herren!
    Russland investiert in die Ostsee-Pipeline Milliarden von Euro und will damit Deutschland erpressen!? Erpresste Deuschland unterschreibt die Verträge nicht, weil die Preise zu hoch sind oder aus anderem Grund. Was macht dann Russland mit diese Pipeline? Packt alles zusammen und holt zurück?
    Wenn Sie diese Frage nicht beantworten können, müssen Sie sich andere Arbeit suchen.

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  • Quelle (c) dpa, 3.1.2006
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