entführungDie Familie Chrobog ist frei

Das Ende der Geiselnahme im Jemen von redaktion

Die Familie des ehemaligen Staatssekretärs im AA, Jürgen Chrobog, ist aus der Geiselhaft im Jemen freigelassen worden. Das bestätigte jetzt auch das deutsche Außenministerium.

Bei den Geiselnehmern handelt es sich um Mitglieder des Stammes Al-Abdallah aus der Provinz Schabwa. Der im Juli pensionierte Chrobog und seine Familie waren seit Heiligabend im Jemen. Am Mittwochmittag wurde ihre Entführung bekannt. Sie waren mit einer Reisegruppe unterwegs und wurden auch von Sicherheitskräften begleitet. Auf der Reise waren die Mitglieder der Gruppe auf verschiedene Fahrzeuge verteilt. Während eines Mittagessens seien die Chrobogs von den Sicherheitskräften getrennt worden, was die Entführer für den Überfall nutzten.

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Der 65-jährige Chrobog hat in seiner früheren Funktion selbst mehrfach mit Geiseldramen zu tun gehabt. So leitete er 2003 den Krisenstab der Bundesregierung zur Befreiung der verschleppten Sahara-Touristen. In Zusammenhang mit der Entführung von Susanne Osthoff im Irak hatte Chrobog das "Sozialversicherungsdenken" mancher Touristen kritisiert, die in gefährliche Länder reisten und sich dabei auf den Staat verließen.

Zu diesen Ländern ist der Jemen durchaus zu rechnen. Bereits in den 90er Jahren hatte sich das Land mit über hundert Entführungen einen unrühmlichen Namen gemacht: Stammesangehörige in entlegenen Gebieten griffen zu dieser Methode, um der Regierung in Sanaa Schulen, Krankenhäuser oder Straßen für ihre Heimat abzutrotzen oder Angehörige aus dem Gefängnis freizupressen. „Dorfbewohner sehen Entführungen oft als letztes Mittel, mit der Regierung zu verhandeln“, sagte Raufa Hassan Alsharki, Expertin für das Stammeswesen an der Universität von Sanaa, zu ZEIT online (einen Hintergrundbericht über die Ursachen der Geiselnahmen lesen Sie bitte hier ). Dass die Entführer es auf die prominenten Opfer aus Deutschland abgesehen hatten, hielten Reiseveranstalter in Sanaa im Gespräch mit ZEIT online für ausgeschlossen. „Die wollten einfach Ausländer erwischen.“

Das ist nun abermals einer anderen jeminitischen Gruppe gelungen. Einen Tag nach der Freilassung der Familie Chrobog verschleppten sie am Neujahrstag fünf italienische Urlauber. Die Italiener wurden in der Provinz Marib von Mitgliedern des Al-Saidi-Stammes entführt. Die Touristen wurden in die Bergregion von Serwah gebracht; drei von ihnen, alle Frauen, wurden jedoch bald wieder freigelassen.

Nach Angaben jemenitischer Sicherheitskräfte verlangen die Kidnapper die Freilassung von acht Verwandten, die in Sanaa wegen der Ermordung eines Militärpolizeioffiziers in Haft sind. Der Mann war 2003 von Mitgliedern des Dschahm-Stammes erschossen worden, zu dem auch der Al-Saidi-Clan gehört. Der Dschahm-Stamm hatte die Bluttat als Vergeltung für die Ermordung eines seiner Mitglieder bezeichnet.

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