HipHop Eine Maus nagt an der EMISeite 2/2

Als der EMI- Konzern, der die Rechte an den Aufnahmen der Beatles-Stücke hält, von der Sache Wind bekam, trat er auf die Spaßbremse. Seine Anwälte holten das Album aus den Regalen der Vertriebe. In einer bis dahin einzigartigen Anstrengung mahnten sie sogar einzelne Läden und Ebayer ab, die das Album zum Verkauf angeboten hatten. Eine absurde Geschichte, ließ sich die sonst stets quengelnde Musikindustrie doch hier ein gutes Geschäft entgehen. Sie hätte sich sogar mit dem Wort »Nachwuchsförderung« brüsten können.

Internet- und Urheberrechtsaktivisten entdeckten das Thema für sich und riefen den 24. Februar 2004 zum Grey Tuesday aus. Weltweit beteiligten sich mehr als 170 Internetseiten an der Protestaktion. Sie erschienen an diesem Tag grau eingefärbt und boten das Grey Album zum freien Herunterladen an. Binnen 24 Stunden wurde es 100000fach aus dem Netz gesogen. Ob man dies als Erfolg werten kann, scheint fraglich, denn vom Verschenken kann niemand leben. Daß es sich beim Grey Album weder um geistigen Diebstahl noch um Raubbau am Lebenswerk der Beatles handelte, erschloss sich schon beim ersten Hören. Immerhin — Dangermouse ist seither berühmt. Der britische Popstar Damon Albarn wurde auf ihn aufmerksam und lud ihn ein, bei seinem erfolgreichen Gorillaz-Projekt mizumachen. So produzierte Dangermouse noch im selben Jahr ein paar Stücke für die EMI – welche Ironie!

MF Doom hingegen ist schon lange im Geschäft. 1991 veröffentlichte er unter dem Künstlernamen Zev Love X die erste Platte mit seiner damaligen Gruppe KMD, die sehr politisch und von radikal-islamischen Theorien geprägt war. 1993 wurde sein Bruder Subrock, ebenfalls Mitglied von KMD, von einem Auto angefahren und starb. Ein Disput um das Cover des zweiten Albums, auf dem ein kleiner schwarzer Junge am Galgen hing, kostete ihn auch noch seinen Plattenvertrag. MF Doom, bürgerlich Daniel Dumile, verließ New York und zog nach Atlanta. Die folgenden Jahre litt er an Depressionen und verschwand von der Bühne; eine Weile soll er sogar obdachlos gewesen sein. Erst in den späten Neunzigern kehrte er nach New York zurück, unter unterschiedlichsten Pseudonymen wächst seither seine Diskographie. Ob als Metal Fingers, Victor Vaughan, King Geedorah, MF Doom oder in dem herausragenden Duo Madvillain, das er mit dem kalifornischen Multitalent Madlib bildet — Dumile macht sich einen Namen als exzentrischer Lyriker und schillernder Produzent.

Vier bis sechs Alben im Jahr sind sein Pensum. Für 2006 plant er schon eine Duoplatte mit Ghostface vom Wu-Tang-Clan sowie eine zweite Madvillain-Veröffentlichung. Hoffentlich bleibt ihm dabei noch genug Zeit für Milchshakes, Pommes Frites und Zeichentrickfilme. Dangermouse ist inzwischen für einen Grammy nominiert.

Dangerdoom’s Album The Mouse And The Mask ist in formidabler Verpackung als CD und LP bei Lex Records/Rough Trade erschienen. Als Auszug können Sie hier das Stück Mince Meat hören.

Unsere Bildergalerie zeigt Dangermouse und MF Doom in Aktion – als menschliche Maus und mit metallener Maske

 
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