Terror Auch Hassprediger dürfen hinter Gitter

Jahrelang hat Abu Hamza seine radikale anti-westliche Botschaft in der Öffentlichkeit gepredigt. Nun steht er in London vor Gericht

Gebannt lauscht der Londoner Schwurgerichtssaal von Old Bailey der Stimme auf der Videokassette: „Beseitigt die Juden vom Antlitz der Erde“, „Schlachtet die Ungläubigen ab“, „Errichtet das weltweite Kalifat“. Die Stimme gehört Abu Hamza, Imam und Prediger des Hasses. Die Massenpresse taufte ihn „Captain Hook“, wegen der eisernen Haken, in denen seine Armstümpfe enden. Vor Gericht hatte er sie allerdings abschnallen müssen.

Videos und Kassetten, von der Anklage als Beweismaterial vorgelegt, enthüllen, welch fanatische Botschaft Abu Hamza al-Masri über Jahre hinweg verbreitet hat. Schon während der neunziger Jahre, also lange vor den Kriegen in Afghanistan und im Irak, und zu einer Zeit, in der Europa und Amerika zugunsten der Muslime in Bosnien und Kosovo intervenierten, vergiftete der selbsternannte Imam die Gemüter junger Muslime und rief zum „Heiligen Krieg“ gegen die verderbte, westliche Gesellschaft auf.

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In dem Prozess gegen Abu Hamza, der noch ein paar Wochen läuft und dessen Urteil in drei Monaten erwartet wird, bezichtigt die Staatsanwaltschaft den Prediger der Anstiftung zu Mord und rassistischem Hass. Polizei und Geheimdiensten gilt der bärtige 47-Jährige als Propagandist und Organisator des Terrors. In seinem Haus im Norden Londons fand man nicht nur Tausende von Video- und Audiokassetten mit seinen blutrünstigen Tiraden.

Die Polizei stieß auch auf ein Handbuch des Terrors, die Enzyklopädie des afghanischen Dschihad , gewidmet Osama bin Laden. Darin werden potenzielle Ziele von Anschlägen aufgelistet, Hochhäuser, Kraftwerke, Prestigeobjekte wie Big Ben und Eiffelturm, aber auch weihnachtliche Versammlungen von Christen. Das mehrbändige Werk enthält detaillierte Anweisungen für Sprengsätze, Mordanschläge und Selbstmordbomber. „Das Geschenk eines Freundes“, sagt Abu Hamza, das er nicht gelesen habe.

Der gebürtige Ägypter besitzt seit mehr als zehn Jahren die britische Staatsbürgerschaft und lebt, wie so viele in der islamistischen Szene, von den Sozialgeldern des Staates. Bis 2003 hatte Abu Hamza in der Moschee am Londoner Finsbury den Hass auf die „Kafirs“, die Ungläubigen geschürt. Dann verbannte ihn die Leitung der Moschee, er predigte vor ihren Toren oder an anderen Versammlungsorten, stets umringt von finster dreinschauenden jungen Männern, die ihm immer wieder das Handy ans Ohr zu halten hatten. Abu Hamza war ein gefragter Mann.

Seine Aussagen haben an Klarheit nie etwas zu wünschen übrig gelassen. Wie Vieh sollten Dschihadisten die Ungläubigen schlachten und zum Markt bringen, belehrte er sein Publikum. Allah verlange nach ihrem Blut. Den „Weg zum Kalifat“ erläuterte er in einem Video von 1997 und verglich die Muslime angesichts eines machtvollen Gegners mit jemandem, der einem „großen Tier“ gegenüberstehe, bewaffnet nur mit einem „kleinen Messer“. Man könne das Biest nicht töten, aber könne ihm „kleine Stiche versetzen“ und es langsam „zu Tode bluten lassen“. Später  wetterte er gegen die „jüdische Weltverschwörung“ und sagte, Hitler sei in die Welt gesandt worden, um die Juden „zu foltern und zu töten“. Im „Heiligen Krieg“ das eigene Leben zu opfern sei nicht „Selbstmord sondern Märtyrertum“.

Wie andere Hassprediger könnte auch Abu Hamza Anteil daran tragen, dass am 7. Juli 2005 in Londons Untergrundbahn der islamistische Terror auf britischem Boden aufging. Lange Zeit vermochte der wortgewaltige Imam seinen Zuhörern die kriegerische Botschaft zu vermitteln, ohne mit dem britischen Gesetz in Konflikt zu geraten. Britisches Recht verlangt bis heute den Nachweis eines direkten Zusammenhanges zwischen Worten und spezifischer Untat.

Ohnehin drückte man in „Londinistan“, so der Ausdruck genervter französischer Diplomaten - beide Augen zu. Ganz offen sprach Paris den Verdacht aus, die britischen Behörden hielten absichtsvoll still, um sich Ärger mit radikalen Islamisten zu ersparen. Sie könnten sich, so wurde gemunkelt, so lange ungeschoren tummeln, wie sie ihr Gastland nicht selbst zum Ziel des Terrors machten.

Ob es einen unausgesprochenen „Nichtangriffspakt“ gab oder nicht: Der laxe Kurs des britischen Staates, gegen den eine Figur wie Abu Hamza mörderischen Hass schürte, geht auf verschiedene Faktoren zurück: Einmal ist da die hohe Toleranzschwelle der Briten und die über viele Jahrhunderte gewachsene Tradition der Meinungsfreiheit. Es gilt bis heute die Regel „Im Zweifel für die Freiheit“. Deshalb kann in Großbritannien auch heute noch der Holocaust öffentlich geleugnet werden. Deshalb sperren sich beide Häuser des Parlamentes gegen die Absicht der Regierung, in einem neuen Gesetz die „Glorifizierung von Terror“ strafbar zu machen.

Hinein spielte gewiss auch die Ideologie des Multikulturalismus, die jahrzehntelang Großbritanniens politische, mediale und kulturelle Sphäre dominierte. Man dürfe gegenüber anderen Kulturen nicht „ judgmental “ sein, lautete das Argument, dürfe sie nicht mit unseren westlichen Maßstäben messen. Diese Haltung gibt es immer noch, aber sie verliert stetig an Boden angesichts der realen Bedrohung durch den totalitären Islam und seine Hohepriester. Die Terrorakte des Juli 2005 haben dran entscheidenden Anteil. Weniger bekannt ist immer noch, dass Polizei und Geheimdienste seit 2001 in Großbritannien mindestens 6 größere Terrorakte vereiteln konnten, darunter Anschläge mit Chemikalien und einem Lieferwagen voller Sprengstoff, der in eine belebte Einkaufsstraße gefahren werden sollte. Die Gerichtsverfahren stehen noch aus. Die Gangart des Staates aber ist spürbar härter geworden.

Warum er im gottlosen Großbritannien bleiben wolle, wurde Abu Hamza vor einigen Jahren gefragt. Britannien sei „eine übelriechende Toilette, umgeben von einem Minenfeld“, antwortete er. Sollte er verurteilt werden, könnte er zu einem längeren, unfreiwilligen Aufenthalt gezwungen sein. Allerdings wollen ihn auch andere Länder vor Gericht stellen. Die USA und der Jemen verlangen seit Jahren seine Auslieferung; beide bezichtigen ihn der direkten Mitwirkung an Terrorakten. Ein Grund mehr für Abu Hamza, auf die Fortdauer britischer Gastfreundschaft zu hoffen.

 
Leser-Kommentare
  1. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe eindeutiger Stellungnahmen prägender muslimischer Organisationen, die den Terror gegen "Ungläubige" eindeutig verurteilen. Einige Beispiele:

    http://www.chrislages.de/...

  2. Ich habe gerade diesen Bericht ueber den sogenannten Hassprediger in GB noch mal gelesen und dabei fiel mir ein man aehnlichen Leuten ausser den Fussfesseln vielleicht auch noch einen Maulkorb verpassen sollte :-))

  3. Abgesehen von den Multi-Kulti-Untergangsschreibern frage ich mich wie es Abu Hamza und Geistesverwandte auf der vermeindlichen Toilette aushalten? Wird die Sozialhilfe etwa als eine Art Entschädigungsleistung verstanden?
    Mein Gott was müssen diese armen Menschen doch für dich nur erleiden und erdulden. Bitte erlöse Sie von ihren Qualen... oder schick sie doch zumindest ins Wohnzimmer, dort kanns auch ganz nett sein.

  4. Warum macht man sich die Mühe, diesen Mann (und alle ähnlich gelagerten Fälle) auf britische Kosten vor Gericht zu stellen und ggf. im Gefängnis durchzufüttern? Man sollte ihm die "Toiletten-Staatsbürgerschaft" aberkennen und das Auslieferungsgesuch des Jemen sollte unbedingt angenommen werden. Dann müsste sich Abu Hamza auch nicht von Ungläubigen verurteilen lassen, sondern könnte alle Annehmlichkeiten eines jemenitischen Knastes geniessen.
    Warum lassen europäische Länder Prediger auf ihrem Boden gewähren, die zum Abschlachten der Ungläubigen aufrufen ?
    Meinungsfreiheit kann doch bei Mordaufrufen kein Argument mehr sein, oder ? Ist uns allen die Demokratie inzwischen so wenig wert, dass wir sie nicht mehr vor ihren erklärten Feinden schützen wollen ?
    Und ich vermisse auch klare, hörbare Stellungnahmen von demokratisch gesinnten Muslimen gegen solche Hassprediger.
    Bitte sagt etwas !

  5. Dunnhaupt, es kommt eben alles auf die Perspektive an.Fuer die Moslems ist Israel an allem schuld...und nun MUSS der Iran noch seine eigne Bombe basteln damit man sich gegen dieses Land verteidigen kann-dabei sind es doch die Muslime wenn sich da gerade wieder jemand in die Luft jagt..aber so kann sich auch ein Volk dezimieren- man fragt sich nur was bringt das?!Ach ja,ich vergass...die vielen Jungfrauen und der Platz neben Allah und nicht zu vergessen die Praemie die man den Attentaetern gezahlt hat damit die Familie versorgt ist...

  6. (bewusst nicht repräsentativ ausgewählt)

    http://www.reandev.com/ta...

  7. Die soeben erfolgte Verurteilung des israelischen Spions im Pentagon zu 12 1/2 Jahren zeigt, dass die USA lange nicht so tief in Israel's Tasche stecken, wie die Moslems behaupten.

  8. Denke das Deutschland aehnliche Probleme hat und waehrend sich hier die Islamisten tummeln,hat man genau wie in GB gehofft dass Deutschland keine Attentate erleiden muss.
    Ich glaube das war sehr naives Denken.Nun ,nachdem die Milch verschuettet ist muss man versuchen die Situation in den Griff zu kriegen...Bloss wie? Denn sobald man einen dieser Leute vor den Kadi zitiert kommt einer von den Gruenen und behauptet wir schaden der Multi-Kulturellen Entwicklung in Deutschland und zeigen uns 'fremdenfeindlich'.Ich hatte schon lange das Gefuehl dass einige der Gruenen am liebsten in der 3.Welt leben wuerden,vorausgesetzt dass es dort den fuer die noetigen Komfort und natuerlich 'staatliche Aemter mit guter Besoldung und Amtswagen 'gaebe'.

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