Wer in diesen Tagen die Webseite des Tauschbörsen-Anbieters Grokster besucht, muss sich auf raue Töne gefasst machen. "Glaub nicht, dass du nicht erwischt werden kannst", heißt es dort drohend. "Du bist nicht anonym." Als Beweis dafür wird die numerische Internetadresse des Besuchers eingeblendet, verbunden mit dem Hinweis, diese sei nun protokolliert. 

Solche Drohgebärden sind das jüngste Kapitel in einem jahrelangen Streit zwischen den Anbietern von Tauschbörsen-Software und der Unterhaltungsindustrie. Grokster war Ende 2001 gemeinsam mit den Betreibern der Tauschbörsen Kazaa und Morpheus von der amerikanischen Musik- und Filmindustrie verklagt worden. Die Software dieser Unternehmen ermöglichte es ihren Nutzern, Musik und Filme direkt von Festplatte zu Festplatte zu tauschen - ein Prinzip, das man wegen fehlender zentraler Server-Knotenpunkte auch als Peer to Peer (P2P) bezeichnet.

Zu Beginn der rechtlichen Auseinandersetzungen entschieden kalifornische Richter, dass Grokster und Co. wegen der dezentralen Architektur ihrer Netze keine Kontrolle über die Verfehlungen ihrer Nutzer haben und wiesen die Klagen der Musik- und Filmkonzerne zurück. Doch der Supreme Court, das höchste amerikanische Gericht, war im Juni anderer Meinung. Wer seine Nutzer zu Urheberrechtsvergehen verleite und davon profitiere, mache sich ebenfalls schuldig, befanden die obersten Richter.

Seit diesem Urteil hat sich die Tauschbörsenwelt dramatisch verändert. Grokster verpflichtete sich im November dazu, den Vertrieb seiner Software einzustellen und den Klägern 50 Millionen Dollar Schadensersatz zu zahlen. Wenige Tage später zogen auch die Betreiber des auf Universitäts-Netzwerke spezialisierten Tauschdienstes I2Hub den Stecker. Gleichzeitig versprachen die Betreiber des P2P-Dienstes Edonkey öffentlich, ihren Nutzern bald nur noch den Zugriff auf lizenzierte Downloads zu ermöglichen.

Anfang Januar gab schließlich auch Morpheus-Betreiber Streamcast Networks auf. Streamcast-Vorstand Michael Weiß sagte, er wolle dem Kampf mit der Unterhaltungsindustrie nicht weitere vier Jahre seines Lebens opfern. "Es bringt mehr, wenn die Firma ihre Energie für das Entwickeln neuer Technologien einsetzt", sagte Weiß.

Neuen Ideen hat sich auch der ehemalige Grokster-Chef Wayne Rosso verschrieben. Unter dem Namen Mashboxx will er einen Dienst auflegen, der Tausch-Netze mit Filtern und kostenpflichtigen Downloads verbindet. Mashboxx testet sein Angebot derzeit mit einer geschlossenen Benutzergruppe und will ihn noch in diesem Jahr für alle Nutzer einführen.

Die Musik- und Filmwirtschaft hat den Kampf gegen Tauschbörsen in juristischer Hinsicht also gewonnen. Allein, bei den Nutzern der Dienste scheint diese Botschaft noch nicht angekommen zu sein. Im Dezember griffen nach Informationen des Marktforschungsinstituts Bigchampagne mehr als 9,5 Millionen Nutzer gleichzeitig auf P2P-Netze zu. Im Jahr zuvor lag diese Zahl noch bei 7,5 Millionen. Bigchampagne geht davon aus, dass Tauschbörsen-Nutzer Monat für Monat mehr als eine Milliarde Songs kopieren.

Ein Grund für die anhaltende Beliebtheit sind Open Source-Tauschanwendungen, die ganz ohne kommerziellen Hintergrund von Enthusiasten programmiert werden. Dazu haben zahlreiche Nutzer bemerkt, dass sie Software wie Grokster auch ohne den Segen ihrer Entwickler nutzen können. In echter P2P-Manier lässt sich die Software nicht zentral deaktivieren. Das einzige Bindeglied ist die Webseite des Unternehmens, die im integrierten Browser der Grokster-Software dargestellt wird. Der Unterhaltungswirtschaft bleibt deshalb nicht viel mehr übrig als ein paar finstere Drohungen.