Wirtschaftsforum Hip in Davos
Das alljährliche Treffen in den Schweizer Alpen hat einen neuen Star: Google. Aber auch indische IT-Unternehmen fallen positiv auf, berichtet Uwe Jean Heuser
Das erste englische Wort, das kleine Kinder in Mosambik lernen, lautet Google . Sagen jedenfalls Digitalgurus wie Nicholas Negroponte vom MIT. Dasselbe gilt aber auch für die Teilnehmer des World Economic Forum, das diese Woche in Davos stattfindet. Angela Merkels Rede? Fast schon wieder vergessen. Bill Gates? Hat man sich dran gewöhnt. Aber Google ist hip, seine Gründer sind die Stars von Davos - auch wenn viele nicht einmal wissen, wie sie aussehen.
Denn sie schwingen keine großen Reden, sondern tauchen unerwartet bei einem Dinner über die Verbesserung des Menschen oder einer Medienparty auf. Trotzdem kann man sie erkennen, am T-Shirt und den Jeans zum Beispiel, die hier sonst nicht einmal die Kabelträger tragen. Und am studentenhaften Aussehen und Auftreten. Kaum ein CEO, egal in welcher Branche, der nicht meint, dass Google künftig zu seinen Wettbewerbern zählen wird. Oder zumindest zu einem wichtigen Faktor wird.
So sehr es Google zu gönnen ist, hip zu sein - so ganz kann man die Erinnerung an diejenigen nicht vergessen, die früher einmal hip waren in Davos. Ein Jahr stand zum Beispiel ganz im Zeichen von AOL. Dessen Chef Steve Case war damals der umworbenste Mann in den Schweizer Alpen. Und heute?
Hip sind außerdem indische High-Tech-Unternehmen. Allen voran Infosys, das führende IT-Unternehmen aus Bangalore , das mittlerweile 50.000 Mitarbeiter zählt. Infosys-Chef Nandan Nilekani ist das Gegenteil der Google-Gründer. Anzug, Krawatte, Schnurrbart, perfekte Erscheinung, die Ruhe selbst (und er greift auch nicht ständig zum Handheld ).
Und doch revolutioniert er die Geschäftswelt mit seinen Outsourcing-Angeboten wahrscheinlich so sehr wie Google. Sein Unternehmen habe das Outsourcing auf ein neues Niveau gehoben, sagt er - und hat wahrscheinlich Recht. Vor allem aber ist das für den Inder und seine Leute nur der Anfang. Das wiederum eint sie mit den Google-Gründern.
Oft halten die In-Figuren von Davos auch das Versprechen. Bill Gates war schon früh hier und ist nicht abgestürzt. Man darf raten, welches ökonomische Schicksal die diesjährigen Toprevolutionäre aus Kalifornien und Indien erwartet.
- Datum
- Quelle ZEIT online, 26.1.2006
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