Internet Google und das Image

"Don't be evil" lautet das Motto des Suchmaschinendienstes. Durch die Beteiligung am Zensursystem Chinas beginnt sich das Bild des Unternehmens zu ändern

Das Unternehmen Google findet derzeit ein auffallend großes Medienecho. Der Suchmaschinenanbieter akquiriert im Wochentakt neue Unternehmen und kündigt neue Projekte an. Dabei sind viele der Angebote hilfreich und sinnvoll und in der Regel auch kostenlos. Inzwischen jedoch sorgt Google auch für schlechte Nachrichten. Das hat viel mit China zu tun.

"Don't be evil" (Tu nichts Böses) lautet das Firmenmotto, das vielen Nutzern so sympathisch ist. Doch nichts Böses zu tun, bedeutet auch, sich in seiner wirtschaftlichen Freiheit einzuschränken. Der chinesische Suchmaschinenmarkt ist wegen des rapiden Anstiegs der Nutzerzahlen einer der attraktivsten Zukunftsmärkte für den Konzern. Doch in der zum Teil frühkapitalistischen Parteidiktatur sind Presse und Internet alles andere als frei, denn staatliche Kontrollstellen versuchen, unliebsame Inhalte zu filtern. Und wer hier online die falsche Meinung publiziert, muss mit Verhaftung und Arbeitslager rechnen.

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Das Unternehmen Google möchte aber Anteile auf dem chinesischen Markt gewinnen - und hat seine chinesische Variante entsprechend mit den staatlich erwünschten Filtern ausgestattet. Damit ist Google weder die erste noch die letzte Suchmaschine, die dies tut. Yahoo, MSN und chinesische Anbieter wie die Suchmaschine baidu.cn folgen der Parteilinie schon länger - und wesentlich strikter.

Auch die deutsche Google-Variante listet längst nicht alles auf, was im Netz verfügbar ist. Die Firma folgt traditionell den Vorgaben des jeweiligen Staates. Aus Rechtsgründen hat Google 8 Ergebnis(se) von dieser Seite entfernt. Weitere Informationen über diese Rechtsgründe finden Sie unter ChillingEffects.org bekommt der Nutzer in Deutschland zu lesen. Google muss nach deutschem Recht auf Anforderung solche Seiten aus dem Index nehmen, die zu Straftaten verleiten könnten, volksverhetzende oder jugendendgefährdende Inhalte anbieten. Doch die Zensurbeteiligung in China steht in der Kritik, handelt es sich doch um ein diktatorisches System. Für Google entsteht so langsam ein verändertes Image, das dem Unternehmen Sorge bereiten könnte: Aalglatt, solange man damit Gewinne machen kann.

Doch stimmt das Bild? Hat Google sich verändert? Seit Google existiert, hat es regelmäßig neue Dienste angeboten. GoogleNews, das in der englischen Version nun offiziell fertig ist, GoogleEarth, eine Blogsuchmaschine, die Desktopsuche, den kontextsensitiven Anzeigendienst AdSense und viele weitere Tools sind im Laufe der Zeit dazugestoßen. International hat Google expandiert, ist in 15 Ländern die beliebteste Suchmaschine und hat monatlich nach eigenen Angaben 380 Millionen Nutzer.

Mit dem Börsengang hat Google zudem viel Kapital und Vertrauensvorschuss erhalten. Das Kapital nutzt Google für Zukäufe kleiner und vielversprechender Firmen. Doch wie sieht es mit dem Vertrauensvorschuss aus? Nicht nur dem der Aktionäre, sondern gerade dem der Nutzer? Ein Unternehmen wie Google ist verwundbar, der Suchmaschinenriese könnte ähnlich schnell fallen, wie sein Stern aufstieg. Denn sein Hauptkapital sind die Nutzer, die mit dem Browser über die Firmenpolitik abstimmen. Wer Google auf seine gesellschaftliche Verantwortung wie im Fall Chinas aufmerksam machen möchte, muss eben ausweichen.

Es gibt für jeden der Google-Dienste Alternativen. Zwar sind diese häufig schlechter, doch in einem so geringen Rahmen, dass es dem normalen Nutzer gleichgültig sein kann. Ob Google doch böse geworden ist, können die Manager schlecht einschätzen. Ihr Job ist tatsächlich nicht Politik, sondern die Profitmaximierung. Und für diese sind sie auf die User angewiesen. Sagen diese Nein, ist es das beste Argument für das Management, auch politische Entscheidungen zu treffen.

Weitere Informationen:
Zum Googleblog auf ZEIT online »

 
Leser-Kommentare
    • cswang
    • 30.01.2006 um 1:34 Uhr

    Um die Volker weiter zu verdummen versucht jetzt die Regierung noch den einstigen Powertool für die unbegrenzten Wissens- und Meinungsfreiheit in Internet, die Google, zum Selbstzensur zu zwingen. Nach ein Jahr Kampf um das Gewissen und die Marktanteile ist die lezte Bastion der Moral endlich gefallen. Tibet? Was ist das? Taiwan, gibt es nicht! Demokratie, raus mit der. Stattdessen unterstützt man hübsche Pateipropaganda auf Dauersendung und die Regierung bekommt die Bestätigung für die Unterdrückung der exsitenziellen Freiheit. Niemand auf dieser Welt wünscht sich eine Großmacht heran zu züchten die die Menschlichkeit ignoriert. Aber jetzt versuchen allen dies mitzuhelfen. -don't be evil- die Motto von Google. Mir ist es traurig diese Heuchlerei mitanzusehen.

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