Mali Liebet und seid glücklich

Salif Keita mit neuer Platte: Die Goldene Stimme Afrikas singt einfache Lieder für eine komplizierte Welt. – Lesen Sie den Bericht über ein Treffen mit dem Sänger in Berlin, hören Sie ihn im Gespräch in unserer Audio-Datei

Er trägt Jeansjacke, Jeanshose, Turnschuhe und hat zu wenig geschlafen. Sein Frühstücksbrötchen droht mit Schwein belegt zu sein, die Sonne scheint ihm direkt in die lichtempfindlichen Augen, und die Lamellen lassen sich nicht schließen. Sein neues Album heißt M’Bemba. Es sei betont akustisch, sagt er, wie das davor, Moffou. Er hat sein eigenes Studio in der Hauptstadt Malis, Bamako. Dort nahm er auf, mit Freunden aus frühen Zeiten des Erfolgs wie Ousmane Kouyaté und Instrumenten wie der dreiseitigen Simbi, einer Art Laute, die traditionell von Jägern gespielt wird.

Das Brötchen ist mit Pute belegt, und irgendwer schafft es, die Sonne auszusperren.

Und hat die neue Platte ein Thema? Ja, sagt Keita, es gehe ums Lieben, Glücklichsein und ums Akzeptiertwerden, egal wie oder was man ist. Wenn man einer Frau sage, dass man sie liebe, dann dürfe sie nicht schweigen. Man könne niemanden zwingen, Liebe zu erwidern, aber man habe ein Recht auf eine ehrliche Antwort. Und ganz gleich, wie sie ausfalle: Wer lieben könne, sei ein glücklicher Mensch.

Ach, wenn doch das Leben nur aus der Liebe bestünde! Keita verliert die Welt nicht aus dem Blick. Krieg, Hunger und Krankheit machten es den Afrikanern in ihrer Heimat schwer, sagt er, und in Frankreich sei es der Rassismus. Schwarze gälten nicht als Teil der französischen Gesellschaft, sie würden wie Vieh behandelt. Wenn Jugendliche anfingen, Vorstädte anzuzünden, dann doch weil sie ihre Wurzeln verlören und keine neuen schlagen könnten, weil es französische Unternehmen gebe, die keine Schwarzen einstellten, und weil zu wenige Menschen sich überhaupt daran störten.

Wie konnte er dann so lange dort leben? Seine Antwort ist kühl. Er sei nach Paris gegangen, um seine Musik zu spielen und damit Geld zu verdienen, er wollte für sich und seine Familie ein besseres Leben. Und seine Stimme, ja, die Leute würden sie mögen.

Wann werden wir Salif Keita in Deutschland auf der Bühne sehen? Bald, sagt er, noch stünden die Termine nicht fest. Und seine Miene hellt sich wieder auf: Er komme gern, weil die Deutschen nicht wie die Afrikaner in den Sitzen klebten und den Texten lauschten, sondern einfach Spaß hätten und tanzten.

Sagt’s und das war’s – Ende der Audienz.

 
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    • Quelle ZEIT online 2.2.2006
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    • Schlagworte Musik | Mali | Frankreich | Paris | Spree | Afrika | Berlin
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