Arbeitslosigkeit Drei Millionen JobsSeite 2/2

Entstehen sollen die Stellen zum Beispiel in der Pflege, auf dem Markt für haushaltsnahe Dienstleistungen oder aber dadurch, dass Billig-Jobs nicht mehr ins Ausland verlagert werden. Zudem könnte die Ersetzung von Menschen durch Maschinen verlangsamt werden, hofft Sinn.

Nach den Berechnungen des Ifo-Instituts würde auch der Staat mit einem solchen Modell besser fahren als mit der bisherigen Variante. Langfristig soll die „aktivierende Sozialhilfe“ nur die Hälfte von Hartz IV kosten.

Das Einsparpotenzial wird vor allem damit erklärt, dass es für den Staat billiger sei, einen Zuschuss zum Lohn zu bezahlen, als einen Arbeitslosen zu 100 Prozent zu finanzieren. Geld sparen will man außerdem bei denjenigen, die weiterhin nicht bereit sind, eine Gegenleistung für das ihnen gezahlte Geld zu erbringen, obwohl sie prinzipiell als erwerbsfähig gelten. Um hier wirklich große Summen einzusparen, müssten sich unter den jetzigen Hartz-IV-Empfängern allerdings wirklich viele Menschen befinden, die nicht arbeiten wollen. Dass dies nicht der Fall ist, hat beispielsweise die große Nachfrage nach Ein-Euro-Jobs bewiesen. Neue Kosten entstehen wiederum dadurch, dass Zuschüsse zum Lohn dann auch solchen Menschen gezahlt werden, die bereits heute im Niedriglohnbereich arbeiten.

Eine weitere Prämisse des ifo-Modells ist ebenfalls fraglich. Nämlich ob tatsächlich durch beliebig niedrige Löhne eine – wenn auch staatlich bezuschusste - Vollbeschäftigung erreicht werden kann. Schließlich hat das Vorhandensein von Arbeit auch mit der Auftragslage zu tun. Doch in diesem Punkt erweisen sich die Wissenschaftler wieder einmal als Vertreter der reinen angebotsorientierten Lehre.

Die politische Durchsetzbarkeit ihrer Vorschläge erhöht sich dadurch nicht. Zwar entspricht das Modell in etwa dem Vorstoß, den Bundespräsident Horst Köhler unlängst zur Arbeitsmarktpolitik wagte. Doch die Gewerkschaften werden nur schwerlich derart massive Lohnsenkungen akzeptieren. Und das von Sinn abgelehnte Konzept eines Mindestlohns hat sich mittlerweile sogar die CDU-Kanzlerin zu eigen gemacht. Die Münchner Wissenschaftler und die Politik liegen derzeit also weiter auseinander als die Koalitionspartner.

 
Leser-Kommentare
  1. Natürlich sollte es nicht dazu kommen, dass allzu viele Menschen in Zukunft daueralimentiert werden und sich dabei vor den Augen der Werktätigen auch noch sichtlich wohlfühlen.

    Andererseits ist die westliche Kultur nur dadurch so überlegen geworden, da ihre gesamte Technik sich stetig weiterentwickelte. Der Rückfall in Beschäftigungstherapiegesellschaften wird deshalb nur der Anfang vom absoluten Absturz der europäischen Ökonomie und Kultur sein, die die Verrichtung von sinnlosen Arbeiten seit der Renaissance eigentlich nicht mehr vorsieht. Deren Ausführung in anderen Kulturkreisen hat uns im Fernsehen schon häufig genug zum Kopfschütteln veranlasst.

  2. Wie oft muß man sich noch diesen Unsinn von diesem Herrn (Un)-Sinn anhören!!!!

  3. 3. Genug!

    Wir in Bayern haben genug von diesem unchristlichen Menschen, der den Ärmsten auch noch das letzte Hemd vom Leibe reißen will.
    Wir haben genug von einer CSU, die dessen Institut bezahlt.
    Wir haben genug von einem Herr Stoiber, der solche Leute unterstützt.

    Das ist nicht christlich, das ist nicht Bayern.

    Abgeschafft gehören solche Institute und das damit eingesparte Geld in die Hände von Bedürftigen.

    Das ist Bayern, so sind wir!

    • Serrax
    • 27.01.2006 um 14:01 Uhr

    Nun sind schopn länger einige Vorschläge auf dem Tisch, wie die Massenarbeitslosigkeit bekämpft werden soll - und getan wird nichts. Oder die beschlossenen Maßnahmen werden derart verwässert, daß sie allenfalls noch den Namen mit dem ursprünglichen Programm gemein haben.

    Deshalb: Tut einfach etwas. Es muß nicht perfekt sein, es muß auch nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren Wunder wirken.

    Aber zum Artikel:

    "Auch eine andere Prämisse des ifo-Modells ist durchaus fraglich. Nämlich ob tatsächlich durch beliebig niedrige Löhne eine – wenn auch staatlich bezuschusste - Vollbeschäftigung erreicht werden kann."

    Wo wird den hier von "Vollbeschäftigung" phantasiert? 3 Millionen zusätzliche Jobs verspricht das ifo-Institut. Ich kann dabei keinerlei Verheisung auf Vollbeschäftigung erkennen.

    Vollbeschäftigung in Deutschland ist eine Illusion. Es gab sie eine kleine Zeitlang, als Folge ganz spezieller, nicht wiederkehrender Rahmenbedingungen (2. Weltkrieg, Vertreibung, Rüstungs-orientierte Wirtschaft, unterdurchschnittlicher Lebensstandart, usw.).

    Was machbar ist, sieht man an anderen industrialisierten Ländern, z.B. der USA. Und selbst die haben (mit harten Maßnahmen) eine Arbeitslosenquote >3%.

    cu

  4. Den Vorschlag den das IFO Institut ausgearbeitet hat, halte ich für sehr gut, sogar für die einzige Möglichkeit die Verselbständigung von kompletter Lohnerosion aufzuhalten. So hätte der Staat die Möglichkeit auf gewisse Trends die sich derzeit abzeichnen, Einfluss zu nehmen.
    Aber von den Politikern wird er natürlich mal wieder abgelehnt, wahrscheinlich weil es nicht kompliziert genug ist zum Umsetzen und weil ein paar sich lieber selber profilieren wollen auf kosten der Vernunft. Echt typisch.

  5. So ein Blödsinn im Quadrat!

    Klar, wir Deutschen sollen Geld haben, für solche Professoren, aber nur nicht für unsere arbeitslosen Mitbürger - eine Schande ist das!

    "Die Welt ist größer, als sich ein winzig Professoren-Hirnlein vorzustellen vermag."

  6. Die Vorschläge einiger Wirtschaftsprofessoren halten offenkundig die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Europäische Sozialcharta sowie die Gemein-schaftscharta der sozialen Grundrechte der Arbeitnehmer für überholt.
    Wenn nach den Vorschlägen von Prof. Sinn diejenigen, die selbst „zu welchem Lohn auch immer“ keine Stelle in der Privatwirtschaft finden, von den Kommunen an Zeit-arbeitsfirmen verliehen werden können, dann erinnert das an sklavereiähnliche Verhältnisse.
    Lebenslang unkündbare Professoren mit Beamtenpension können solche unkonventionellen Vorschläge unbesorgt unterbreiten, da sie von deren Umsetzung persönlich nicht betroffen würden.

    • maksym
    • 26.01.2006 um 20:16 Uhr

    Die "Zeit" schreibt das, was ihre Klientel lesen will. Die "Bild" bringt auf Seite eins das, was deren Klientel früh morgens im Stadtbus lesen will. Und H.W. Sinn sagt und veröffentlicht das, was seine Klientel am liebsten hört und liest. Insofern unterscheidet sich dieser Herr nicht besonders arg von einer gewissen Mrs. Rowling. Der Markt der Meinungen eben, Angebot und Nachfrage. Es soll Leute geben, die sich zur Stimulation in einschlägigen Geschäften mit erotischem Material versorgen. Andere Zielgruppen kaufen sich die Bücher von Herrn Sinn. Mit derselben Absicht.

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  • Quelle ZEIT online, 26.1.2006
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