Musik Sie kamen aus Datteln
Viele junge deutsche Bands träumen vom großen Erfolg, so auch die vier Jungs von Astra Kid aus dem Ruhrgebiet. Nun, nach zehn Jahren, geben sie auf und spielen ihre letzten Konzerte. Die Geschichte eines Scheiterns
© Adrian Pemsel BILDStefan "Pele" Götzer steht auf der kleinen Bühne im Kasseler Schlachthof , die Gitarre hängt locker um den Hals. Seine Augen glänzen, als er gemeinsam mit dem Publikum singt: "Und morgen sagen wir, wir haben in der letzten Nacht die besten Jahre unseres Lebens verbracht." Die vier Musiker auf der Bühne heißen Astra Kid und 160 zahlende Zuschauer wollen sie sehen. Mehr würden auch kaum in den Raum passen. Einige sind aus München, Aachen und Hamburg angereist. Nach zehn Jahren ist es das viertletzte Konzert der Band aus Datteln im Ruhrgebiet.
Astra Kid spielen melodischen Rock und singen auf Deutsch, eine Mischung, mit der andere Bands in die Hitlisten vorstoßen konnten. Die vielbeachteten Schmuserocker von Virginia Jetzt, die Hamburger Bands Kettcar und Tomte und zuletzt Madsen: Musik aus dem eigenen Land zählt so viel wie lange nicht mehr. Doch der große Durchbruch gelingt nur wenigen.
"Wer sagt dass Rock tot sein soll, den werd ich nie verstehen", heißt es in Rockmusik. Gerade junge Menschen mögen solche Zeilen, die von Gitarren, Bass und Schlagzeug angetrieben werden. Mit den Heinz-Rudolf Kunzes der achtziger und neunziger Jahre hat das nichts mehr zu tun, die meisten der Konzertbesucher in Kassel dürften Kunze nicht einmal mehr kennen, sie sind erst Anfang 20. Astra Kid verstehen sich auf leicht depressive Töne (Morgen sagen wir) wie auf Lautstarkes (Komm' An, Schwarzfahren) oder die Banalitäten des Alltags (Parkplatz in Münster).
Aus dem Publikum erschallt der Ruf nach Willkommen im Leben , vor fünf Jahren erschienen und schon lange nicht mehr im Programm der Band. Der Wunsch wird trotzdem erfüllt.
Die vier tourten quer durch die Republik. "Wir wussten nie, wieviele Leute kommen. Mal war’s ausverkauft, mal waren’s 50", sagt Sänger Pele rückblickend. Zu groß für viele Jugendclubs, zu klein für größere Hallen. Sie haben Höhenluft schnuppern dürfen: auf Festivals, als Vorgruppe bekannter Bands wie Wir sind Helden – und trotzdem hat es nicht gereicht. In Freundschaft habe man sich trennen wollen, solange das noch möglich war. Ein Stammpublikum hatten sie sich erspielt. Was fehlte, war der Funke, der die nächste Stufe gezündet hätte. Weder der Wechsel zum Label V2Music/Virgin noch die anschließenden zwei Alben brachten das Ende der Reisen im Kleintransporter.
- Datum 08.02.2006 - 12:28 Uhr
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- Quelle ZEIT online, 3.2.2006
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